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Der Israelit · 1891-08-31 · Heft 69 (31.8.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 69 (31.8.1891)
Date
1891-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1302 schwachen Individuen der jüdischen Rasse sind durch Tod und Taufe eliminirt worden. Der Jude lebt länger als der Christ; er vereinigt zwei einander widerstrebende Eigenschaften: Frühreife und Langlebigkeit. Die Letztere steht außer allem Zweifel und ist so notorisch, daß z. B. in Amerika die Juden die gesuchteste Kundschaft der Lebensversicherungsbanken sind. Fast überall übersteigt die mittlere Lebensdauer der Juden diejenige der anderen Bevölkerung. Nach den amerikanischen statistischen Nachweisen von 1890 z. B. ist das Verhältniß wie 57 zu 41. Der Jude vermehrt sich auch meistens in höherem Maße als die Anderen. Trotz des starken Abgangs, den die Juden durch Uebertritte zu anderen Glaubensbekenntnissen zu erleiden haben, ist ihre Zunahme stetig. Während noch jetzt im Orient die Juden im frühen Alter zur Ehe schreiten, heirathen die Juden des Westens jetzt meistens später als die Christen und erzeugen weniger Kinder. Sie verlieren dagegen aber weit weniger Kinder, so daß der Ueberschuß des Zugangs über den Abgang an und für sich erheblich, im Verhältniß zu der anderen Bevölkerung aber sehr bedeutend ist. So stellt sich beispielsweise dieses Verhältniß in Rumänien wie folgt: Geburten. Tobte. Juden Christen Juden Christen i. I.: 1884 9729 185,000. i. I.: 1884 4626 114,300 ,, „ 1885 9542 197,000. „ 1885 5036 114,000 „ „ 1886 9458 196,000. „ „ 1886 5194 124,500 Die Juden nehmen demgemäß schneller und unter minderen Opfern zu. Sie ziehen eine größere Anzahl von Kindern auf und setzen doch eine geringere Zahl auf die Welt. Man möchte sich versucht fühlen, diese Ueberlegenheit der größeren Verbreitung des Wohlstandes unter den Juden zuzuschreiben, wenn nicht auch die armen Juden in dieser Hinsicht eine Ueberlegenheit aufzuweisen hätten. Man hat aber hierfür keineswegs nach rein physiologischen Ursachen zu suchen, sondern vielmehr ethische Motive anzunehmen: größeren Familiensinn, Elternachtung, hingehende, mütterliche Sorgfalt, wie auch nicht minder: größere Keuschheit des Ehelebcns, die besonderen jüdischen Religionsvorschriften, die Rücksichtnahme und die Achtung des Ehegatten für die Gesundheit seiner Gattin. Es ist sehr bemerkenswerth, daß diese biostatischen Vorzüge der Juden schon vor der Geburt anheben; sie haben nämlich eine weit geringere Anzahl Todtgeborener als die Christen. Ebenso überwiegen bei ihnen die männlichen über die weiblichen Geburten. Das Verhältniß der jüdischen unehelichen Geburten zu den ehelichen ist sehr niedrig im Vergleich mit protestantischen und katholischen, trotzdem die Juden vorzugsweise der städtischen Bevölkerung angehören, welche im Allgemeinen bekanntermaßen ein weit größeres Contingent unehelicher Geburten stellt, als die ländliche. Hier ist die Ueberlegenheit der jüdischen Sittlichkeit unverkennbar. Leroy-Beaulieu constatirt übrigens eine sehr beachtenswerthe Thatsache. Man hat bemerkt, daß diese btoftatischen Unterschiede zwischen Juden und Christen in dem Maße schwinden, wie man sich vom Osten immer mehr gegen Westen wendet, so zwar, daß man in Amerika festgestellt hat, wie daselbst mit dem längern Aufenthalt der aus dem Osten eingewanderten Juden diese sich immer mehr dem allgemeinen Durchschnitt der Vereinigten Staaten nähern. Je mehr sie die jüdischen eigentümlichen Sitten und Lebensgewohnheiten abstreifen, desto mehr büßen sie an dieser biostatischen Ueberlegenheit ein. Leroy-Beaulieu meint, — sicherlich vollberechtigt — daß diese wesentlich in dem jüdischen Religionsgesetz ihren Ursprung habe, und spricht es aus: „Wenn Israel immer der Thora treu bleiben würde, so würde seine Ueberlegenheit über die „Schweinefleisch- Esser" noch mehr hervortreten." Man hat in vielen Ländern beobachtet, daß die Juden gegen gewisse Jnfectionskrankheiten immun sind. Leroy-Beaulieu glaubt diese Immunität vor Allem den jüdischen Religionsgcsetzen zuschreiben zu sollen, welche für Juda einen prophiledischen Werth haben. Wenn einige Zeitgenossen die Moral zu einer Art Hygiene herabwürdigen wollen, so sei dieses gewiß nicht die Absicht das unter den Blitzen des Sinai verkündeten Gesetzes gewesen. Aber die Ausführung desselben habe fast die gleiche Folge. Die Thora wolle aus Israel ein gesundes und heiliges Volk schaffen — un peuple sain et saint, sanus et sanctus. So dürften sich die Vorschriften der Thora und des Talmuds eigentümlicher Weise den Gesetzen nähern, welche unsere medizinischen Akademien durch das bürgerliche Gesetz einführen möchten. Die so lange bespöttelten minutiösen jüdischen Vorschriften über die Fleischnahrung werden jetzt nach drei Jahrtausenden von unseren Physiologen gewürdigt, so zwar, daß man besser thäte allgemein die Unterscheidung zwischen Koscher- und Trefa-Fleisch zu beobachten, als die Juden zum Aufgeben derselben zu bewegen. Für uns Christen, meint Leroy-Beaulieu, würde die Rückkehr zu dieser altjüdischen Uebung einen wirklichen Fortschritt bedeuten. So viel stehe jedenfalls unantastbar fest, daß der gesetzestreue Jude weit weniger den Krankheiten ausgesetzt sei, welche durch animalische Nahrung dem menschlichen Körper zugeführt werden. Hierzu kommt noch die traditionelle Mäßigkeit des Juden. Die Thora hat keineswegs wie der Koran

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