Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1891)
- Date
- 1891-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448187--32717-2480576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXII» Jahrgang. / A-Ssls* ... Israelit««-. Zeschama. Kentrat-Hrgan für das orthodore IudentHum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den SI. August SSS1 (1891). Leitender Artikel. Feray-Seaulieu's Physiologie und Usychokogie der Juden. Von Isaak Hirsch. Die Nummer 28 der „Revue des deux Mondes“ bringt eine fernere Serie der trefflichen Abhandlung über „die Inden und den Antisemitismus" dieses bedeutenden französischen Gelehrten. Herr Anatole Leroy-Beaulieu bietet hier eine Darstellung der Physiologie und Psychologie der Juden, welche um so mehr die allgemeinste Beachtung verdient, als sie das Gepräge einer sorgfältigen Forschung, die vorurtheilsfrei die Erkenntniß der Wahrheit zum Ziele hat, in jedem Satze trägt. Es gehört ein scharfes Auge dazu, die Lebenserschetnungen eines Volkes in ihrem ursächlichen Zusammenhänge zu erkennen. Sind doch Physiologie und Psychologie im Wesentlichen empirische Wissenschaften. Wenn die erstere bestimmt ist, die körperlichen Erscheinungen nicht nur zu beobachten, sondern als Ausflüsse allgemeiner Gesetze zu erklären, so sucht die Letztere in das Geheimniß der seelischen Vorgänge einzudringen und den Urgrund der Vorstellungen und Empfindungen zu entdecken. Die Erkenntniß der physiologischen und psychischen Erscheinungen eines Volkskörpers hat insbesonders eine umfassende Kenntniß der allgemeinen und besonderen Eigenschaften zur nothwendigen Voraussetzung, um bestimmen zu können, welche als die dem besonderen Volk eigenthümlichen zuzusprechen find. Auch ist es ungleich schwieriger, die Wechselwirkung der Vorstellungen im gemeinsamen Bewußtsein der Volksgenossen zu erkennen, als in demjenigen des Individuums, kurz, es gehört ungemein mehr Scharfsinn und ein weit umfassenderer und eindrtngenderer Blick dazu, die Physiologie und Psychologie eines Volkes zu begründen, als eines Individuums physische und psychische Beschaffenheit festzustellen. Es dürfte vielleicht von keinem Volksstamm, welcher zu den hervorragenderen Völker-Jndividuen zählt, die der Geschichte die Richtung geben, so viel des Unwahren und Unrichtigen ausgesagt worden sein, wie von dem jüdischen, weil es eben an jenem Scharfsinn und umfassenden Blick der Beobachtung gefehlt hat. Dieser Mangel findet vielleicht seine Erklärung in dem eigenthümlichen Wesen des jüd. Volkes, welches das eigenartige Erzeugniß so außerordentlicher Potenzen ist, daß dessen Erkenntniß ungemein erschwert wird. Hierzu kommt noch das Vorurtheil, mit welchem so viele Beobachter an die Erforschung herantreten. Um so angenehmer wird man in der vorliegenden Studie von dem unbefangenen Freimuth berührt, welcher sich hier mit einem nicht gewöhnlichen scharfen Blick glücklich vereint. Leroy-Beaulieu begreift mit Recht das jüdische Volkswesen als das Product des ihm gewordenen göttlichen Gesetzes und seiner Geschichte; beide Factoren haben seine physische und psychische Eigenart gebildet. Der Jude trägt an Leib und Geist das Gepräge seiner Lehre und seiner Geschichte. Die in den engen Ghettos den Juden. von der Wiege bis zum Grabe umfächelnde Lust war ' seiner körperlichen Entwickelung nicht gerade zuträglich. Obgleich die jüdische Raffe in jeder Zeit hervorragende Schönheiten aufzuweisen hat, gleichsam um zu dokumentiren, welche Blüthen der alte Jakobs-Stamm unter dem günstigen Einflüsse von Luft und Sonne hervorbringen könnte, so hält Leroy-Beaulieu dieselbe weder für schön noch stark. Der Jude — namentlich in den großen östlichen Centralstellen der Judenschast — ist oft klein, mager und schwächlich; sein Aussehen ist elend und armselig. In dieser hinfälligen Hülle aber waltet eine starke Lebenskraft. Es gibt keine Raffe, welche einen größeren Mangel an Kraft in der äußeren Erscheinung darstellt und dennoch der größten Widerstandsfähigkeit theilhaft ist. Der Jude ist eben das Erzeugniß einer zweitausendjährigen Zuchtwahl, der gewaltigsten und schmerzvollsten, welcher lebende Wesen jemals unterworfen worden find. Alle zu