Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Die Zeitung von Marocco gibt hierzu eine nähere Erklärung, die, so unglaublich sie zu sein scheint, von unserem Berichterstatter als vollständig wahr befunden wird. Die Mauren haben eine Legende, daß einige Meilen von der Stadt Marocco entfernt schon Hunderte von Jahren ein großer Schatz liege, der aber, ihrer Meinung nach, nur von einem kurzsichtigen Knaben der Juden gehoben werden könne. Dem Knaben müßten sie in einen seiner Finger schneiden, und sobald dessen Blut auf den Boden fiele, würde sich derselbe von selbst öffnen. Vor einigen Wochen gingen zwei Mauren in das Ghetto und hatten schon einen Knaben zu dem erwähntem Zwecke geraubt, als sie noch rechtzeitig von Juden entdeckt und verfolgt wurden. Ihr Opfer im Stiche lassend, entflohen sie, kamen aber acht Tage später in größerer Anzahl wieder, und bei dieser Gelegenheit entstand die oben berichtete Schlägerei. A m e r i k a. New-Aork, 2. August. Laut dem zu Rechte bestehenden Gesetze sind zur Auswanderung nach Amerika unterstützte Leute, die mittellos sind und von denen man befürchten muß, daß sie dem Gemeinwesen zur Last fallen werden, als Paupers zu betrachten, denen die Landung nicht zu gestatten ist. Da aber in letzter Zeit so viele russisch-jüdische Flüchtlinge hier eingetroffen, welche nicht nur zur Auswanderung nach Amerika unterstützt worden, sondern auch gänzlich mittellos waren, so wurden viele dieser Unglücklichen hier angehalten nnd nicht wenige derselben zurückgewicsen, so daß sie die Rückreise nach Europa autreten mußten. Etnwanderungskommiffär Owen, welcher vor Kurzem aus Washington hier in New-Dork eintraf, um sich mit dem Einwanderungswesen aus eigener Anschauung bekannt zu machen, hat jedoch entschieden, daß dies in Zukunft anders gehalten werden soll. Denn diese russisch-jüdische Einwanderer sind aus ihrem Vaterlande vertrieben und vorher noch um ihr Hab und Gut beraubt worden, und suchen nun iu der amerikanischen Republik eine Zuflucht. Und wenn sie auch blutarm und zur Auswanderung nach Amerika untersiützt worden sind, so sind sie doch nicht als Paupers zu betrachten, weil sie sich hier in Amerika auf rechtschaffene Weise ihren Lebensunterhalt erwerben wollen, ohne dem Gemeinwesen zur Last zu fallen. Wenn die jüdischen Wohlthätigkettsgesellschasten also, wie sie es schon wiederholt gethan haben, für diese Leute dafür Bürgschaft leisten wollen, daß sie nicht dem Gemeinwesen zur Last fallen werden, so soll diesen Einwanderern trotz ihrer Armuth die Landung gestattet werden. Daß aber nicht nur die russischen Juden von dieser Verfügung betroffen werden, sondern auch die Einwanderer aller anderen Nationalitäten, welche sich in ähnlicher Lage befinden, das ist ganz selbstverständlich. Man wird es wohl zugeben müssen, daß diese Verfügung des Herrn Owen ebenso gerecht wie menschlich ist. Baltimore, 20. August. 50 mit dem hamburgisch amerikanischen Dampfer „Slavouia" hier eingetroffenen russischen Juden ist die Landung verweigert worden, weil sie völlig mittellos und ihre Reisekosten gänzlich oder zum Theil aus dem Fonds des Barons Hirsch bestritten worden sind. Aus Rußland vertrieben, landeten sie zuerst in Southampton, von wo man sie sofort hierher weitersandte. Die Behörden in Washington sind von dem Fall verständigt worden._ Vermischtes. Mannheim, 20. August. Vor der hiesigen Strafkammer wurde heute gegen den antisemitischen Prof. a. D. Dr. Sevin von Ladenburg wegen Wuchers verhandelt. Das Gericht erkannte auf kostenlose Freisprechung, da die Beweisaufnahme gegen Sevin keine genügenden Schuldmomente ergab. Kaffel, 21. August. Zwei Tage vor der Reichstagswahl im Wahlkreise Kassel-Melsungen war im Dienstzimmer des kaiserlichen Postamts zu Melsungen ein Wahlaufruf für den antisemitischen Kandidaten Dr. Förster aufgehängt. Auf eine Beschwerde, in welcher es hieß: „Mit demselben Recht hätte dort auch ein Wahlaufruf für den Konservativen oder den Sozialisten aufgehängt werden können", antwortete die kaiserliche Ober-Postdirektion zu Kassel unterm 14. August: daß sie das „zur Sprache gebrachte ungehörige Aushängen eines Wahlaufrufs in dem Dienstzimmer des Postamts ernstlich gemitzbilligt" habe. Bern. Der hier tagende Geographen-Congreß hat die Zählung der Erdmeridiane vom Meridian von Jerusalem in Vorschlag gebracht. Warschau, 15. August. Der amtliche „Warschawski Dnewnik" kündigt an, daß zu Beginn des Wintersemesters die Zahl der jüdischen Studenten an der Universität bedeu-- tend beschränkt werden würde. H- * « nie r is. ^abbatai D-ewi. Historische Erzählung Brüsk Schtvgvf. (Fortsetzung.) Es war gegen Abend, der glühende Sonnenball schien unterzutauchen unter die unabsehbare, leicht bewegte Wasserfläche, als das Schiff, das Sabbatai die Braut zufübren sollte, in den Hafen von Kairo einbog. Der Verabredung entsprechend, hatte der Kapitän bereits vor einigen Stunden ein Boot vorausgesandt, das ihre Ankunft melden sollte, und hatte dann mit verringerter Schnelligkeit die Fahrt fortgesetzt. Als das Schiff daher vor Anker ging, war das Ufer bereits bedeckt mit Menschen, die gekommen waren, die Kommende zu schauen.