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Der Israelit · 1891-08-27 · Heft 68 (27.8.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 68 (27.8.1891)
Date
1891-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1287 Sorel stand hoch aufgerichtet auf dem Verdeck und schaute leuchtenden Blickes hinüber auf die Schaaren, die theils aus Anhänglichkeit an Sabbatai, theils aus Neugier am Ufer ihrer harrten. Ein langer, weißer Ueberwurf von feinster Wolle umhüllte ihre herrliche Gestalt, ihre wunderbar schönen, nachtschwarzen Haare, von goldenen Nadeln leicht zurückgehalten, fielen in leichten Wellen auf den Ueberwurf hernieder, wenn auch nicht, wie die Fama berichtet hatte, bis auf die Füße, so doch sicher bis zum Kniegelenk. In keckem Uebermuth hatte sie einen Kranz von weißen Rosen auf ihr schöngeformtes Haupt gedrückt, und stand nun da in berückender Schöne, angcstaunt von den Tausenden, die herbeigeeilt waren, sie zu sehen. Der Münzmeifter Raphael Joseph Gelebt, seine Frau und ihre beiden Töchter standen zuvorderst, an diese reihten sich nahezu seine sämmtlichen Hausgenossen und dann in weitem, weitem Umkreise der größte Theil der zahlreichen jüdischen Gemeinde von Kairo. Sabbatai selbst hatte es vorgezogen, die Braut in dem aus diesem Anlasse prächtig decorirten Heim des Münzmeifters zu erwarten. Sobald das Schiff gelandet, eilte Raphael Joseph Gelebt und sctnc Familie auf die Landungsbrücke, die hehre Braut zu begrüßen. Der Münzmeiftcr selbst verneigte sich tief und bewillkommte sie in gewählten Worten, seine Frau umarmte das schöne Mädchen und küßte sie auf die Stirn, während die Töchter Sorel's Hände an ihre Lippen drückten. Sorel ahnte zwar nicht, wen sie vor sich sah, aber sie erwiederte die Umarmung der reichgekleideten, würdevollen Frau mit ihrem anmuthigsten Lächeln, das ihr das Herz der würdigen Dame sofort gewann, und willig folgte sie deren Aufforderung, in dem Staatswagen des Münzmeisters den Ehrenplatz einzunehmen; dessen Frau setzte sich ihr zur Linken, und die prächtigen, reichgeschirrten Rappen galoppirten dahin; so war Sorel doch noch nie gefahren. — Sie mußte an sich halten, ihren Jubel nicht laut werden zu lassen, aber sie ahnte, daß das für die Braut des Messias sich doch nicht schicken würde, und überdies sagte sie sich, daß noch Ueberraschungcn mannigfacher Art ihrer harrten, naiv durfte sie sich nicht zeigen. Endlich hielt der Wagen vor dem Wohnhanse des Münzmeifters, das gleichfalls von Neugierigen umlagert war. Reichgekleidete Diener eilten herbei, den Damen beim Aussteigen behilflich zu sein, und von der Dame des Hauses geleitet, überschritt Sorel die durch Blumengewinde geschmückte Stiege, die zu dem Prunkgemache führte, in dem Sabbatai die Braut erwartete. Ihr Herz pochte so laut, sie wähnte, die an ihrer Linken einherschreitende Dame müsse es hören, sie wenigstens gab dem überlauten Herzklopfen die Schuld, daß sie die freundlichen Worte ihrer Begleiterin außer Stande war zu verstehen. Aber sie erwiederte dieselben trotzdem durch ihr süßestes Lächeln; und das war vollauf genügend. Als sie das betreffende Gemach erreicht hatten, öffnete ein Diener, der dort ihrer gewartet hatte, die Flügelthüren; die Damen traten ein, gefolgt von dein Hausherrn und den hervorragendsten Gelehrten seines Hauses. Bei ihrem Eintritt hatte Sabbatai sich erhoben und war ihnen einige Schritte entgegengegangen, während ein unwillkürlicher Laut des Erstaunens seinen Lippen entschlüpfte, als er die herrliche Gestalt des liebreizenden Mädchens erblickte. Von einer ihr selbst unerklärlichen Verwirrung, die jedoch ihren seltenen Liebreiz noch erhöhte, nahezu überwältigt, stand sie vor ihm, und einer plötzlichen Eingebung, die vermuthlich ihrem langjährigen Aufenthalt im Kloster entsprang, nachgebend, sank sie in die Knie. Er aber neigte sich rasch zu ihr und hob sie empor und hielt ihre leichtbebende Rechte in seiner Hand. „Nicht so, nicht zu meinen Füßen ist Dein Platz, Du Verlobte meiner Seele, nach der meine Seele sich gesehnt." In Wonne erschauernd, hob Sorel ihr erglühendes Angesicht zu ihm empor und flüsterte ihren erst in diesem Moment erwachenden Zweifel, ob sie auch seiner würdig. Mild lächelnd beruhigte er das reizende Mädchen. Dann traten die übrigen Anwesenden hinzu, in mehr oder weniger gewählten Worten dem Brautpaare ihre Glückwünsche darzubringen, und darauf ward vereinbart, daß um Mitternacht die Vcrmäblungsfeier stattfinden solle. Raphael Joseph Gelebt schwamm in einem Meer von Wonne. Unter seinem Dache war dem Messias die Offenbarung geworden, wo die ihm seelenverwandte Braut seiner harre — in seinem Hause war sie ihm zugeführt worden, und nun sollte sie auch unter seinem Dache ihm angetraut werden. „Ich bin zu gering," schluchzte er, „viel, viel zu gering für die hohe Ehre, die meinem Hause widerfährt." Und mit überftrömcnden Augen ging er umher, drückte jedem die Hand und beeilte sich dann, die, seiner Ansicht nach, unerläßlichen Vorbereitungen zur Trauungsfeierlichkeit zu treffen. * Es war um Mitternacht. Der größte Saal des Hauses war durch zahllose Wachskerzen auf

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