Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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wohlhabende Menschenfreunde das Moskauer Comitö in den Stand setzen würden, alle mittellosen Ausgewiesenen wenigstens vor dem schrecklichen Jammer des Schubtransportes zu bewahren. Spenden nimmt der Vorsteher der Moskauer jüdischen Gemeinde, Herr L. S. Polliakow, entgegen. Bulgarien. Sofia, 10. August. Bei der völligen Demolirung der so wechselvollen Stadt Sofia wurden auch alle jüdischen Synagogen und Bote Midroschim niedergerissen. Unter den Synagogen befand sich auch die älteste asedkan ansodo, die nach der Tradition von den ersten Ankömmlingen oder Flüchtlingen aus Deutschland und Ungarn erbaut wurde. Die Fahrlässigkeit der hiesigen spaniolischen Gemeindevorsteher hat es verschuldet, daß jene vor Jahrhunderten geweihten jüdischen Orte expropriirt wurden. Ebenso verfielen zwei jüdische Friedhöfe der Vernichtung, welche von den Türken während der langen Reihe ihrer Herrschaft pietätvoll geschont blieben. Indessen ist man bereits daran gegangen, an deren Stelle neue Gottes- und Schulhäuser zu erbauen. Vorige Woche wurde nun im Beisein des Stadtpräsidenten und des Vertreters der Regierung der Grundstein zu einem großen Gotteshause, wie auch zu einer Talmud-Thora gelegt; ein anderes wurde eben beendet in dem neuen Stadttheile Utschbrunar, unter stetem Wohlwollen der Stadt- und Landesbehörde. England. London. Der Prinz von Wales hat die Bestrebungen des Baron Hirsch für die Besserung des Looses der Juden in Rußland in einer durch die Umstände gebotenen vorsichtigen Weise unterstützt, namentlich auch dadurch, daß er die Prinzessin von Wales veranlaßt hat, dem Bevollmächtigten des Baron Hirsch, Herrn Arnold White, durch Empfehlungsbriefe an den russischen Hof in seinen Unterhandlungen behilflich zu sein. London. Herr Jsaac Samuel theilt dem „Jew. Chron."Folgendes mit: „Rev.HenryCohen aus Galvefton in Texas erklärt in einem Vortrage, gehalten in der jüngsten Sitzung der „Anglo Jewish Association", daß die mexikanische Regierung 5000 jüdische Familien auszunehmen bereit sein würde, daß er aber eine Auswanderung nach Mexico, dessen Regierung eben den Juden nicht ganz freundlich gesinnt sei, nicht empfehlen könne. „Meine Söhne, welche seit Jahren in Mexico etablirt sind und zu der Regierung in dienstlicher Beziehung stehen, haben schon vor längerer Zeit von derselben eine Zusage erhalten, in welcher dieselbe einer größeren Anzahl jüdisch-russischer Einwanderer Grundstücke und andere Einrichtungen garantirt. In einem Schreiben an Baron v. Hirsch, von welchem eine Abschrift im Besitze der Anglo- Jewish-Association sich befindet, behauptet mein Sohn Sydney I. Samuel, daß die mexikanische Regierung einer Colonie ausgetricbener russischer Juden jedwede Erleichterung behufs Ansiedlung gewähren will, daß von Seiten der dortigen Bevölkerung nicht im mindesten irgendwelche religiöse Intoleranz zu befürchten sei und daß er selbst, so wie auch meine anderen Söhne bereitwilligst ihre Dienste zur Verfügung stellen wollen, wo es gilt, jüdischen Kolonisten, die nach dem Plane des Baron von Hirsch sich in Mexico ansiedeln wollen, zur Förderung ihres Unternehmens behilflich zu sein." Ramsgate. Der Jahresbericht des „Judith- Montefiore-Seminars" für jüdische Rabbinatscandidaten der sephardischen Gemeinden zeigt von mannigfacher Thätigkeit, welche sowohl der Direktor Chacham Dr. Gast er, als auch die Professoren der Anstalt D r. H i r sch fe ld und Rev. S h e w z i k entfalten. Die Anzahl der Studenten vermehrte sich und die Anstalt erwarb die berühmte Bibliothek des verstorbenen Dr. Z u n z aus 2000 Werken bestehend, sowie die Halb e rstam m'sche Sammlung von 412 Manuskripten. Diese Bibliothek ist nun eine der reichhaltigsten jüdischen Bücher- und Manuscripten-Sammlnngen. Afrika. Marocco. Wie ein Brief aus dieser Stadt vorn 26. Juli berichtet, sind daselbst letzthin wieder ernste Dinge zwischen den Juden und Mauren vorgesallen. In dem Briefe heißt es wörtlich: „Wir befinden uns immer noch in trauriger Lage; unser Leben und unser Vermögen sind in Gefahr. Die Thore des Ghetto sind wieder geschlossen; 300 Soldaten umzingeln dasselbe. Einige Mauren wurden gestern verwundet und ein Jude getödtet." Spätere Nachrichten melden, daß am 27. die Thore wieder theilweise geöffnet worden seien, daß drei Ausrufer öffentlich auf Befehl des Sohnes des Sultans bekannt machten: „Jeder, der einen Juden beleidige und einen Streit mit demselben veranlasse, würde bis auf weitere Befehle des Sultans ins Gefängniß geworfen." Die letzten Nachrichten berichten, daß die Muhe wieder hergestcllt, daß die Thore geöffnet und die Geschäfte wieder wie gewöhnlich ihren Gang nehmen. Die Unruhen seien von gewissen Muhamedanern verursacht worden. Dieselben seien in großer Menge in das Judenviertel eingefallen, in der Absicht jüdische Kinder zu rauben; beleidigende Worte hätten den Anlaß zu Steinwürfen und diese wieder zu Schlägereien gegeben. Eine Abtheilung Soldaten von der nächsten Wache stellte zwar die Ordnung im Innern des Ghetto wieder her, schloß dasselbe jedoch wieder und jeder Jude, der so unglücklich war, außer demselben getroffen zu werden, wurde geschlagen, mißhandelt und geplündert.