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Der Israelit · 1891-08-27 · Heft 68 (27.8.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 68 (27.8.1891)
Date
1891-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1284 Leipzig. Herr v. Z. hat wegen einer Affaire, die mit den guten Sitten nichts gemein hat, eine junge Dame erschossen und sich tödlich verwundet, nachdem die Geldsendungen, welche dem guten Alten abgezapft wurden, verbraucht waren. — Eine alte Geschichte, die leider immer unter neuen Formen auftritt. — Das „Leipziger Tageblatt" fühlt sich bemüßigt auszurufen, daß dieser entsetzliche Vorgang auf den Lebensgang der akademischen Jugend ein trübes Licht Werse. „In einer Zeit, in der von den gebildeten Klaffen mehr als je strenges Festhalten an der Moralität und ernstes, fleißiges Arbeiten verlangt werden muß, ist es auf das Entschiedenste zu verdammen, wenn schon 21jährige Jünglinge aus guter Familie mit frevelhaftem Leichtsinn die Bahn des Lasters betreten und die ihnen zu ihrer Ausbildung vom Elternhause gewährten Mittel in sträflichem Umgänge verprassen. Hierin Wandel zu schaffen, das scheint eine sehr dringende Aufgabe der studentischen Korporation zu sein." Die „studentischen Korporationen" glauben andere hohe Aufgaben erfüllen zu müssen. Sie „arbeiten" im Antisemitismus. Ein Herr v. Z. stand auch an der Spitze des hiesigen antisemitischen Studenten-Bereins. Da den Herren Studenten die vermeintlichen Millionen der Juden winken, und da man nur antisemitischer Germane zu sein braucht, um Aemter und Pfründen beanspruchen zu können; wozu dann das mühevolle Arbeiten? — Wir bitten das antisemitenfreundliche „L. T." das wohl zu beherzigen. O e st e r r.. U n g a r. Monarchie. Prag, 18. August. Gestern Nacht feierte Vasaty m einem Brauhause mit den Wiener Antisemiten neuerdings eine Verbrüderung. Ernst Schneider apoftrophirte die anwesenden Czechen also: „Ich bitte Sie, meine Herren, im Namen der heiligen Sache, der wir dienen und für die wir uns Alle hingeben, ziehen Sie in die Welt, verkünden Sie die Lehren des Antisemitismus, predigen Sie das Wort: Kauft nichts bei Juden! (Rufe: Wir kauten nicht!), dann wird auch im Böhmerlande Wohlstand einkehren, wie er bei uns in Niederösterreich und in Wien zu Hause ist. Wir können bisher stolz sein auf die Früchte unserer Saat. Wir Antisemiten lieben und schätzen Alle und Jeden ohne Unterschied, mag er dieser oder jener Nationalität angehören, nur Einen nicht — den Juden. (Stürmischer, nicht endenwollender Beifall. Die Anwesenden umringen den Redner und unter unaufhörlichen Zustimmungsrufen stößt jeder mit dem Abgeordneten Schneider an, der schließlich von einigen in die Höhe gehoben und auf seinen Platz getragen wird.) Prag. Die Herren Julius Gre grund Schn eid er haben einem Interviewer der „Kreuzzeitung" gegenüber ihre Pläne hinsichtlich der verfassungsmäßigen Ausgestaltung der österr.-ungarischen Monarchie entwickelt, die im Wesentlichen auf einen völligen Umsturz der jetzigen Staatsverfassung abzielen. Schneider wünscht die Beseitigung der durch den Dualismus geschaffenen Zustände und soll der Kampf gegen das Judenthum die „Vorschule" für den „großösterreichischen Gedanken" werden; Gregr's Plan ist schon etwas greifbarer nnd geht dahin, an die Stelle des gegenwärtigen Doppelstaates einen Staatenbund zu schaffen unter dem Namen: „Die Vereinigten Staaten von Oesterreich." Rußland. Moskau, 18. August. Wie aus dem in voriger Nr. veröffentlichten Circular des hiesigen Oberpolizeipräsidenten ersichtlich ist, sollen aus Moskau und dem Moskauer Gouvernement binnen kurzer Zeit sämmtliche Auden vertrieben werden. Die meisten der von diesem harten Schicksale Betroffenen sind Handwerker und Commis, welche nicht bis zum letzten Tage der ihnen gewährten Frist warten können, sondern Moskau schon jetzt verlassen, um anderwärts einen neuen Lebensunterhalt zu suchen. Das hiesige Hilfscomite, welches diese Unglücklichen bis jetzt unterstützt, hat nun wegen Mangels an Mitteln seine Unterstützungen etnstellen müssen, da die Leistungsfähigkeit der hiesigen Juden durch die Verfolgungen der russischen Regierung vollständig erschöpft ist. Die Sammlungen innerhalb der Gemeinde ergaben circa 27,000 Rubel, welche aber schon jetzt ganz verausgabt sind; dabei wachsen die Anforderungen an das Comite tagtäglich, da in Folge der letzten strengen Polizei-Maßregeln nicht nur die hiesigen jüdischen, größtenteils mittellosen Mitbürger , sondern auch viele Juden aus der Provinz mit ihren Frauen und Kindern, welche aus dem Innern Rußlands auf ihrer Weiterreise nach dem jüdischen Rayon Moskau passiren, sich um Hilfe an das Moskauer Comite wenden. Dieses kann aber keine Hilfe schaffen, und in Folge dessen bleiben die Ausgewiesenen, da sie von den Stadteinwohneru aus Furcht vor |bcr Polizei nicht ausgenommen werden, ganze Nächte hindurch obdachlos mit ihren kleinen Kindern außerhalb der Stadt auf der Straße und den Boulevards, von Hunger und von Durst gequält, nackt und barfuß liegen. Dann werden die Bejammernswerthen gleich Verbrechern und zusammen mit Verbrechern per Schub in ihre Heimaths-, resp. Gebietsorte transportirt. Die grausen Schrecken dieser Transporte übersteigen alle Vorstellungen. Es wäre nur dann möglich, die Leiden der armen Vertriebenen einigermaßen zu lindern, wenn die ausländischen Hilfscomitös und

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