Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1283 „Was bedeutet denn Freude? — nach der Freude, folgt der Tod." (Rabbah in»). Als Rabbi erfahren hatte, daß die Schrift von Bar Kappara herrühre, sagte er sich: „Ich hatte doch Unrecht ihn nicht einzuladen; er ist ja älter, als ich und zu setncr Ehre werde ich Morgen wiederum ein Fest veranstalten." So geschah es. Bar Kappara wurde der Ehrenplatz eingeräumt. Nachdem die Speisen aufgetragen waren, fing dieser durch geistreiche und launige Vorträge an, die Aufmerksamkeit der sämmtlichen Gäste an sich zu fesseln, so daß man gar nicht daran dachte, die Speisen zu berühren und dieselben, nachdem sie kalt geworden, wieder so abgetragen wurden, wie man sie aufgetragen hatte. — „Was soll das? Schmecken die Speisen nicht, daß man nicht davon genossen?" fragte Rabbi den Diener. „Nicht doch", antwortete dieser, „aber ein alter Herr oben am Tische hält solch' schöne Reden, daß man darüber das Essen vergaß". Sofort ging Rabbi auf Bar Kappara mit den Worten zu. „Was machst Du; warum läßt Du die Leute nicht zum Essen kommen?" — „Nicht des Essens wegen bin ich gekommen, ich wollte nur bei Dir eingeladen fein", war die Antwort. — Die Witzeleien und Bespöttelungen hörten nicht auf. Selbst die Zunge der Verleumdung ruhte nicht und so weit brachten es die Gegner, daß Rabbi sich veranlaßt fand, seine Hände gegen den Himmel zu erheben und anszurusen: mma »niya»* 'o snyyw M'i »iVa ytton .(104 a mmra) naiop yasta iV’bx »ninj nVi „Herr der Welt, Du weißt es, mit all meinen Kräften habe ich mich der Thora und für die Thora bemüht und selbst mit meinem kleinen Finger habe ich nichts von der Welt genossen." — Soweit hatte man die Persönlichkeit Rabbi's angegriffen; man ging aber noch weiter; unbefugte junge Männer maßten sich richterliche Funktionen an, ohne Rücksicht auf den „Fürsten." Da wurde das Gesetz erlassen, daß nur solchen Urtheilen Rechtsgiltigkeit zuzuerkenuensei, welche vonRichterngesprochen werden, die dieAntorisati on alsRechtsverwalter erlangt hätten. Die Autorisation gab den Bewerbern je nach den Fähigkeiten das Recht der nx-nn, — zu entscheiden über „tidn" und ..xvv» und „nnta" „Verbotenes und Erlaubtes", „Unrein und Rein" oder als Urtheile zu fällen in den Beziehungen der Menschen zu einander und endlich Erklärungen abzugeben über die Körperfehler des erstgeborenen Viehes. „Trv* nmaa w p» mv> mr war die stehende Formel, ('n pvtruD). Diese Maßregel dürfte indeß hie und da Schwierigkeiten begegnet sein, da manche der jüngeren Gelehrten pochend auf ihr Wissen von ihrer bisherigen Uebung nicht so leicht kaffen mochten, zumal Rabbi's Autorität ins Schwanken zu gerathen schien. Das Volk mußte hierüber eines Bessern belehrt und Rabbi's Ansehen in dem ursprünglichen Glanz wieder hergestellt werden. — Zu dieser Aufgabe fühlte R. Jsmael b. R. Jos« sich berufen und befähigt und diesen Umständen dürften seine Sprüche in man ps ihr Entstehen zu verdanken haben, was wir mit Gottes Hilfe demnächst auszuführen versuchen wollen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20. August. 700 russische Auswanderer haben im Laufe der letzten drei Monate unseren städtischen Behörden zur Last gelegen. Ihre Zahl war niemals eine feststehende, eS gab immer einen Zugang und Abgang, je nachdem sie von Bremen nach Berlin zurückgeschickt und dann von hier wieder expedirt wurden. Das letztere geschah, sobald diejenigen von den Russen, welche im Besitz von Geldmitteln waren, sich auch die Papiere verschaffen konnten, die ihnen den Wiedereintritt in Rußland ermöglichten. Vor einigen Tagen wurde berichtet, daß von den jetzt noch in Berlin befindlichen Russen 47 plötzlich den Besitz von Geld bekundet hätten und demnach abgereist seien. Das erstere wird uns von zuständiger Seite bestätigt, das letztere wird als irrthümlich bezeichnet. Denn das Geld allein nützt ihnen Nichts. Damit können sie nur bis an die russische Grenze und würden, ohne den Besitz der für das Wiederbetreten Rußlands nöthtgen Papiere einfach von der Grenze wieder nach Berlin zurückexpedirt werden. Und diese Papiere besitzen sie ebensowenig wie die übrigen etwa 250 Köpfe zählenden Landsleute. Die Erregung, in welcher die Leute sich befinden, wird übrigens aus der Ungewißheit erklärt, in der sie sich seit nun bald 3 Monaten befinden, denn die noch im städtischen Asyl untergebrachten Auswanderer gehören gerade zu dem ersten „Schub". Im Asyl selbst arbeiten sie jetzt. Ihre Weigerung zu arbeiten, bezieht sich zumeist auf die Arbeit auf den Rieselfeldern. Inzwischen werden die Verhandlungen mit Rußland über die Rücksendung der Auswanderer auf diplomatischem Wege weitergeführt. Diesen Verhandlungen steht erschwerend die Thatsache entgegen, daß nicht festgestellt werden kann, welchen Gouvernements sie angehören. Die russische Regierung ist daher auf diplomatischem Wege ersucht worden, ausnahmsweise die Auswanderer zurückzunehmen. Auf dieses Ersuchen ist bis jetzt noch keine Antwort erfolgt, und es läßt sich nicht Voraussagen, wann eine Entscheidung von russischer Seite einlaufen wird, denn der Geschäftsgang ist ein sehr schwerfälliger.