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Der Israelit · 1891-08-24 · Heft 67 (24.8.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 67 (24.8.1891)
Date
1891-08-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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12f0 und auch der Pfarrer (i'opä) beschwerte sich beim untersuchenden Präfekten über die Rohheiten, die an den Ortsisraeliten begangen werden. In Schendriceni ist der Israelit Fagadau 1849 geb o r e n. Voriges Jahr eröffnete er mit Erlaubniß des Gemeiyderathes einen Kramladen (aber ohne Schnaps und Wein, was nicht gestattet); jetzt wurde er mit einer Frist von 3 Tagen ausgewiesen, während welcher er die ausstehenden Forderungen natürlich nicht einkafsiren kann, daher im Stiche lassen muß. Dieser Fall ist sogar schlimmer als in Rußland, denn dort kann man wenigstens bleiben, wo man geboren ist; in Rumänien auch da nicht. > Vermischtes. < Darmstadt, 8. August. Die Schenkung des isr. „Vereins einer Privatgesellschaft zur Ausübung zweckmäßiger Wvhlthätigkeit" zu Düdelsheim an die isr. Religionsgemeinde daselbst, im Betrage von 2057 Mk. 14 Pf.; ferner die Schenkung des Gemernderaths der L-tadt Bensheim an die israel. Religionsgemeinde daselbst, im Betrage von 1000 Mk. haben laut Gr. Regierungsblatt Nr. 22. Genehmigung erhalten. Darmstadt, 13. Aug. Auch im letzen Jahre wurden der Teschnischen Hochschule weitgehende Unterstützungen Seitens der Grotzh. Stagtsregierung, der Stadtverwaltung, der Behörden und Privaten zu Theil. Insbesondere ist hervorzuheben, daß Hr. Ludwig Josef Pfungst zu Worms die für das Jahr 1890—91 als Unterstützung für Studirende in Aussicht genommene Summe von 1000 M. nachträglich aus 1800 M. erhöht hat. Derselbe hat der Hochschule in hochherziger Weise auch für das kommende Studienjahr 1000 Mk. zugewandt, um unbemittelte und würdige Studierende zu unterstützen. Pfungst wünscht, daß sich viele Juden darum bewerben. Berlin. Dr. Pagel, der sich hier als Docent in der medicinischon Facultät habilitirte, ist der Sohn eines jüdischen Gelehrten, und gehört zu denjenigen Medicinern, die sich noch Liebe zum Judenthume und seiner Geschickte und nicht minder zu den jüdischen Ceremonien bewahrt haben. Berlin. Jüngst amüsirte mich ein langathmiger Artikel eines hiesigen Missionars, der die russischen Auswanderer mit seinen Traktätchen behelligte. Derselbe bedroht die gesummte jüdische Welt mit der Veröffentlichung seiner Tagebücher, aus denen gar furchtbare Schauergeschichten Hervorbrechen sollen. Der Herr Missionar will 25 Jahre unter Juden gelebt haben und alle Mysterien dieser fürchterlichen Gesellschaft kennen. Efchwege, 16. Aug. Am nj/tcn ist Frau Wwe. Jos. Levy in Eschwege in ihren besten Jahren einer tückischen Krankheit zum Opfer gefallen. Was sie in der kurzen Spanne Zeit ihres Lebens gewirkt, wird allen unvergeßlich bleiben, welche Zeuge ihrer Liebenswürdigkeit, ihres selbstlosen Wesens und ihres opferfreudigen Sinnes waren. Wahrhaft herzensfromm, kannte sie bei ihrem Wohlthun keinen Unterschied des Glaubens. Wer an ihrer Thüre hilfesuchend anpochle, dem stand sie mit Rath und That bei. Besonders den verschämten Armen war sie eine Helferin und Trösterin im Leid. Das Besuchen der Kranken, das Bestatten der Todten und das Trostspenden bei Trauernden war ihr oberste und heiligste Plicht; 25 Jahre stand sie an der Spitze des Israel. Frauenvereins und brachte denselben durch Wort und That zu immer größerer Blüthe. Auch dem Vaterländischen Frauenverein gehörte sie als Vorstandsmitglied an. An ihrem Leichenbegängnisse betheiligten sich zahlreiche Bürger aller Eonfessionen und Stände. Am Grabe würdigte Herr Kreisrabbiner Gold mann die großen Verdienste der Verstorbenen in beredten Worten, von denen die Trauerversammlung aufs tiefste ergriffen war. Lehrer M. Jena. Der Prrvatdocent Dr. Felix Skutsch wurde zum außerordentlichen Professor an der hiesigen medicinischen Facultät ernannt. Hamburg, 5. August. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder in Hamburg hat auch in diesem Jahre wieder den größten Theil der erholungsdürstigen Kinder in Oldesloe untergebracht. Während etwa nur zwanzig in Wandsbek in Pflege gegeben sind, halten sich in Oldesloe circa achtzig aus. Prag, 10. August. Bei der dieser Tage hier abgehaltenen, von nahezu neuntausend Theilnehmern besuchten Versammlung czecho-slaoischer Lehrer aus Böhmen, Mähren und Schlesien wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, deren 4. Absatz in wörtlicher Uebersetzung wie folgt lautet: „Den Bedürfnissen der czechischen Nation kann nur eine solche öffentliche Schule entsprechen, welche den Bekennern aller Glaubensbekenntnissen gleich gerecht ist, was einzig und allein der durch die Staatsgrundgesetze gewährleisteten Glaubens- und Gewissensfreiheit entspricht." Dieser Beschluß ist der Ausdruck tiefinnerster Ueberzeugung der hiesigen czechischen Lehrer, aus deren Mitte sich auch nicht eine Stimme gegen diese für volle Glaubens- und Gewissensfreiheit eintretende Resolution erhob. Türkei. Die antisemitische Agitation im Orient hat schon wieder zwei Opfer gefordert, und zwar in Salonichi, einer zu 60 Prozent von Juden („Sephardim") bewohnten Stadt. Ein Israelit wurde vor seinem Hause erstochen, ein anderer durch einen von der Straße aus ins Zimmer abgefeuerten Revolverschuß in dem gleichen Augenblicke mitten aus einer Gruppe von Hochzeitsgästen niedergestreckt, in welchem der Rabbiner im Nebenzimmer das Brautpaar vereinte. Von den Mördern hat man bis zur Stunde nicht die geringste Spur. Chicago. Vor einigen Wochen feierte Hierselbst Frau Sarah Rothschild, geboren in Grebenau (Hessen-Darmstadl) ihren 103. Geburtstag. Die alte Dame unterhielt sich recht lebhaft und erzählte verschiedene Erlebnisse aus der Zeit des ersten Napoleon. Als dessen Heer auf seinem Siegeszuge durch Heffen-Darmstadt kam, war sie noch im elterlichen Hause und hatte dort mit den Soldaten des Kaisers manches unerfreuliche Begegniß. Sie mußte auch, wie alle weiblichen Personen ihres Ortes, für die französischen Truppen kochen. Frau Rothschild hat mit Ausnahme von 3 Tagen im Laufe der letzten Wochen, an welchem sie an der Grippe litt, noch nie wegen Unwohlseins das Bett gehütet und giebt an, ihre Gesundheit nur ihrer mäßigen Lebensweise zu verdanken. Sie steigt ohne Anstrengung die Treppen auf und ab und vertreibt sich die Zeit durch Spielen mit ihren Ureukelkindern. 3r * u i i i * * $ «t. Dclbbatcn Dewi. historische Erzählung Nvnst Schwur^. (Fortsetzung.) Ein heiliger Schauer machte den Münzmeister im Innern erbeben, und dennoch war es ein Hochgefühl, das ihn erfüllte, daß unter seinem Dache

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