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Der Israelit · 1891-08-24 · Heft 67 (24.8.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 67 (24.8.1891)
Date
1891-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1271 die Stimme Gottes vernommen worden, daß in seinem Hause jener Heros weilte, den er bestimmt hielt, die Welt in ihren Fugen wankend zu machen, das Gottesgericht an den Völkern zu vollbringen. — Er neigte sich und zog die Hand des Freundes ehrfurchtsvoll an seine Lippen. „Ich neige mich vor Dir, o Freund, -Du Gesalbter des allmächtigen Gottes, dessen Welt vor Dir sich neigen wird. — Doch nun sprich', was befiehlst Du? — Du weißt, was ich bin, und was ich habe, alles lege ich Dir zu Füßen — wenn Du befiehlst, so rüste ich noch heute ein Schiff aus und sende es nach Livorno, auf daß es die Dir bestimmte Braut heimführe zu Dir. — Denn ich hoffe, Du betrachtest mein Haus als das Deine, heiligst Dir in meinem Hause die Dir bestimmte Gattin." „Dein Wunsch sei Dir gewährt, o Freund, ich will hier ihrer harren, die meiner Seele verwandt ist. — Du weißt es, nie hat es mich gereizt, das, was man das ewig Weibliche nennt. — Doch jenes Weib, deren Seele vom Uranbeginn der Schöpfung meiner Seele entgegen sich sehnt —" „Ich begreife Dein Verlangen," fiel der Münzmeister ein, „und ich eile, demselben entsprechend meine Verfügungen zu treffen. — Soeben erinnere ich mich, erst gestern ist der Sohn eines meiner Diener heimgekehrt aus Livorno, wo er mehrere Jahre geschäftlich thätig war. Ihn werde ich daher dorthin senden, dem mit den dortigen Verhältnissen Vertrauten wird es leichter sein, die Betreffende ausfindig zu machen." Sabbatai lächelte. „Es ist gleichgiltig, wen Du dorthin sendest, Jeder wird dort sofort von ihr erfahren, auch wenn er nicht nach ihr forscht, denn, Du hast es doch vernommen, sie harret mein. — Doch ich überlasse diese Angelegenheit vollständig Deiner bewährten Freundeshand. Verfahre nach Deinem Gutdünken." Raphael Josef Gelebt, trotz seines felsenfesten Glaubens an die hehre Berufung seines Freundes, war dennoch betroffen, ob der lächelnden Zuversicht jener Voraussagung, die sich sobald verwirklichen sollte. — Würde sie es, dann konnten auch die ärgsten Zweifler nicht mehr zweifeln, dann mußte sich Jedem die Ueberzeugung aufdrängen, die des Münzmeisters Brust längst erfüllte. Er erhob sich. In gedämpft ehrfurchtsvollem Tone theilte er dem Freunde mit, daß er die Sache sofort in Angriff nehmen werde und Sabbatai in dem ihm wohlbekannten Zimmer zum Morgenimbiß erwarte. Sobald der Hausherr sich entfernt hatte, erhob sich Sabbatai von seinem Lager. Ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen, wußte er doch mit Bestimmtheit, daß seine Voraussagung in Erfüllung gehen werde, und weidete sich schon im Vorhinein an dem Staunen, das die Welt erfüllen würde. Rasch vollendete er seine Toilette und begab sich dann in das ihm bezeichnete Gemach. Richtig, Raphael Joseph Gelebt hatte die Angelegenheit bereits in Angriff genommen, er hatte den am gestrigen Tage heimgekehrten Sohn seines Gärtners zu sich bitten lassen, um demselben die bekannte Mission zu übertragen. Die Antwort des jungen Mannes, der Sabbatai's Voraussage bereits bestätigte, erfüllte ihn allerdings mit hoher Befriedigung, die jedoch nicht ganz frei von einer gewissen Bestürzung war, die sich in seinem Angesicht widerspiegclte, als sein Freund auf ihn zutrat. „Du siehst hier den jungen Mann, dessen ich Dir gegenüber bereits erwähnte, der erst gestern von Livorno zurückgekommen ist." Der junge Mann verneigte sich tief, indem er mit scheuer Ehrfurcht zu der imposanten Gestalt des Eingetretenen emporschaute. „Er wäre selbstverständlich bereit, Deinen Auftrag zu vollziehen," fuhr der Münzmeister nicht ohne Befangenheit fort, „wenn Du nämlich dabei beharren würdest." „Du hast ihm bereits mitgethcilt, um was cs sich handelt?" fragte Sabbatai. „Gewiß, gewiß, und er hat mir darauf mitgetheilt, daß Diejenige, die Dir im nächtlichen Gesichte verheißen worden ist, bereits in Livorno weilt." „Ich wußte es", entgegnete Sabbatai kühl. „Nun ja, Du hast es mir doch bereits mitgetheilt — ob Du aber alles weißt? — ich meine — verzeihe meinen Zweifel — ob Dir bekannt ist — man spricht in Livorno —" „Ich weiß das alles," fiel Sabbatai ein, „mir ist das alles mitgethcilt worden — aber ich weiß auch, daß ihre Seele trotzdem rein ist, wie das Sonnenlicht, das zu uns herniederstrahlt, wie der Thautropfen, der aus der Himmelssphäre auf die Blume niedersinkt. — Darum ersuche ich Dich, befiehl dem jungen Manne, sofort seine Reise anzutreten, wenn Du nämlich darauf bestehest, daß ich die Verlobte meiner Seele in Deinem Heim erwarten soll — denn Du weißt, meine Rückkehr wird in der heiligen Stadt voll Ungeduld erwartet." „Ich weiß, daß Deine kostbare Zeit Dir karg gemessen ist — darum sorge nicht, er wird sich noch heute einfchiffen. — Halte Dich bereit," wandte er sich an den jungen Mann, „noch vor Eintritt der Nacht Dich auf's Schiff zu begeben; ich werde Dich zuvor noch rufen lassen, Dir nähere Instruktionen zu ertheilen."

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