Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1891)
- Date
- 1891-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Amerika. New-Dork. Der Rabbiner der Nineteenth Street-Synagogue hier, Red. Dr. Pcreira Mendes, hat soeben an die Israeliten in den Vereinigten Staaten einen Ausruf erlassen, in dem er sie ausfordert, an der vierten Centenarfeier der Entdeckung Amerika's, die im kommenden Jahre stattfindet, und aus welchem Anlässe hier große Festlichkeiten abgehalten werden sollen, sich durch Delegirte vertreten zu lassen, um so der Welt zu bezeugen, wie dankbar und erkenntlich Israel ist für die Gastfreundschaft, die es in diesem Lande gefunden und auch für die materielle und soziale Stellung, die es sich hier errungen hat. Zweifelsohne werden die Israeliten der Vereinigten Staaten dieser Aufforderung auch entsprechen und an dieser Centenarfeier, die übrigens von der ganzen gebildeten Welt begangen werden wird, gehörig theilnehmen. > Vermischtes. <4r Mainz, 17. August. Durch die Veranstaltung eines Bazars floß dem hiesigen „Verein für Ferienkolonien" eine so hübsche Summe zu, daß er es dieses Jahr versuchen konnte, skrophulöse Kinder im Solbad zu Nauheim unterzubringen. Es sind bereits vier Mädchen dorthin verbracht worden, und wenn diese zurückkehren, gehen fünf Knaben zu einer fünfwöchigen Kur dahin ab. Auch die Zahl der Kinder, welche für die Kolonien bestimmt sind, ist größer wie früher. In diesem Jahre wurden zwölf Kolonien gebildet mit 258 Kindern, Knaben und Mädchen, zu gleichen Hälften. Die Israeliten, 12 an der Zahl, kamen in Beerfelden unter. Moskau. Wie in der Wochenschrift „Darkest Russia" berichtet wird, wurden bei der großen Parade bei Gelegenheit der jüngsten Anwesenheit des Kaiserpaares, aus besonderen Wunsch der Kaiserin, sämmtliche jüdische Soldaten aus den Regimentern entfernt, „weil," wie ein Oberst bemerkte, „Juden für Ihre Majestät beleidigend wären, welche daher wünsche, daß deren Anblick ihr erspart bleibe. In Tambov war Mitte Juli eine blutige Ausschreitung gegen die Juden ausgebrochen, mehrere Israeliten wurden getödtet. Kouftautiuopel. Der Sultan hat Fräulein Hirsch, Tochter des Gesandten der Vereinigten Staaten am türkischen Hofe den Schefakatorden 2. Klasse verliehen. Dnbbatai ^ewi. H i st o r i s ch e S r z ä h l u n g Vrnsl Schivaox. (Fortsetzung.) Ueber die jüdische Gemeinde in Jerusalem brach ein Verhängniß herein, das namentlich den angesehensten Mitgliedern derselben Tod und Verderben zu bringen drohte. Ohne jegliche Veranlassung hatten die türkischen Beamten ihr eine Contribution auferlegt, so hoch, daß sie der in den jüngst verflossenen Jahren verarmten Gemeinde geradezu unerschwinglich war. Es war ein Wehklagen in der Gemeinde, denn wenn sie die von ihr verlangte Zahlung nicht leisten würde, drohte ihr das Aergste. In den zahlreichen Synagogen wurden Gebete angeordnct, um die Hilfe des Himmels zu erflehen, an der westlichen Tempelmauer weilten von früh bis spät Schaaren von Männern und Frauen in heißem, innigen Gebete; Vorstände und Rabbinen kamen tagtäglich zusannnen, um zu berathen — doch Niemand wußte einen annehmbaren Rath, bis endlich Einer den Vorschlag machte, die Gemeinde möge einen Boten nach Kairo senden zu dem ob seines unermeßlichen Neichthums und seiner unbegrenzten Wohlthättgkeit allbekannten und berühmten Münzmeister, dessen Hilfe anzuflehen. Es war dies der erste ausführbare und Erfolg versprechende Vorschlag nach einer Reihe von fruchtlosen Beraihungen, und er ward sofort einstimmig angenommen; es mußte nur noch der geeignete Bote gefunden werden, und wiederum stimmten Alle zu, als einer seiner Anhänger Sabbatai Zewi in Vorschlag brachte, denn es war bekannt, daß derselbe Jahre lang im Hause des Zollpächtcrs gelebt hatte. Sabbatai war gern bereit, er zweifelte nicht, in Kairo das Erbetene zu erhalten und hoffte eben hierdurch sein Ansehen zu steigern. Um einer nach Egypten ziehenden Karawane sich anzuschließen, trat er sofort die Reise an; einige seiner wärmsten Anhänger begleiteten ihn. Ihnen gegenüber hatte er bereits im strengsten Vertrauen von jenem heiligen Werk gesprochen, das er in nicht allzuferner Zeit auf Gottes Geheiß vollführen werde. Und als sie nun nach Hebron kamen, um dort zu übernachten, da rechtfertigten seine Vertrauten das in sie gesetzte Vertrauen, indem sie sich beeilten, den Inden Hebrons kund zu thnn, wer in ihrer Mitte weilte. Und sämmtliche Inden Hebrons durchwachten die ganze Nacht, um das Thun und Gebühren des hehren Mannes zu beobachten. Als Sabbatai nach Kairo kam, empfing ihn sein Freund Raphael Joseph Gelebt mit offenen Armen. Er und seine Begleiter mußten im Hause des Münzmeisters wohilen, um sich vor allem von den Strapazen der beschwerlichen Reise zu erholen und dann mit der ihm bereits zugesicherten hohen Summe nach Jerusalem zurückznkehren. Der Münzmeister selbst halte den von ihm so hochgeschätzten Freund in das für denselben bestimmte Gemach geleitet, lange noch waren sie dort beisammen geblieben und hatten wieder und immer wieder das näher und näher rückende welterschütternde Ereigniß besprochen, bis Raphael Joseph sich endlich anklagte, daß er dem Ruhebedürftigen die Ruhe entziehe und sich zurückgezogen hatte.