Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1891)
- Date
- 1891-08-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1249 Landesaktion mit allen Mitteln verhindern? — Wer es mit der Heilighaltung des tcmp nsttf ernst meint, kann nur dieser Bewegung, welckie die Juden als Juden mit Berufung auf ihre Religion unternehmen, betstimmen! Leopold Grotzberg. Aus Ungarn, 14. August. Wie man aus Bökes-Csaba berichtet, wurde daselbst auf Initiative des Rabbinatsverwesers Herrn Jakob Grünwald von den Mitgliedern der orth. Gemeinde, ein „Talmud-Thora-Verein" gegründet, dessen einziges Ziel die „Talmud-Thora-Schule" ist; hiemit wäre eine besonders segensreiche Anstalt ins Leben gerufen, da in der ganzen dortigen Gegend keine derartige Schule existirt. — In Tokay wurde Herr M. Katz, bisher Rabbiner zu Nagy-Magyar. zum Oberrabbiner gewählt. — Wie dem „Zs. H." gemeldet wird, hat die orth. Gemeinde inKöwago- O e rs Herrn M a r t on zu ihrem Rabbiner gewählt. Derselbe war längere Jahre hindurch einer der vortrefflichsten Hörer der ht»' zu Preßburg und ist ein gewandter Kanzelredner, weßhalb die Gemeinde zu ihrer Acguisition nur beglückwünscht werden kann. — Dr. Isidor Baum garten, Budapester Vicestaatsanwalt und einer der berühmtesten Juristen Ungarns, tritt von seiner bisherigen Stelle zurück und kommt mit dem Range eines Richters ins Justizministerium. L. G—g. Prag, 17. August. Die Wiener Antisemiten wurden unter Führung des bekannten Agitators, des Abgeordneten Schneider durch den Grafen Zedtwitz, den Präsidenten der Ausstellung mit einer Ansprache begrüßt und ebenso begrüßte sie auch der Bürgermeister-Stellvertreter Eiselt bei ihrem Besuche des Rathhauses. Die ehemaligen deutschnationalen Wiener Antisemiten und die Jungczechen hielten geradezu ein Verbrüderungsfest. „Schöne Zustände herrschen auf der Pefther Universität," klagt ein Berliner Blättchen. „Von 3549 Hörern im Wintersemester 1890/91 waren 1031 Israeliten, von 3300 Hörern im Sommersemester waren 1031 Israeliten. Ein Commentar hierzu ist überflüssig," schließt die sensationelle Nachricht. — Wir dürfen uns wohl erlauben, den Commentar unsererseits hinzuzufügen. Die meisten dieser wissensdurstigen Jünger arbeiten unter den denkbar größten Entbehrungen, um ihr Ziel zu erreichen. Bei etwas geringerem Idealismus würden diese jungen Männer jedem anderen Stande, der ihnen mehr Gewinn verheißt, den Vorzug geben. Frankreich. Paris. Man erzählt sich in hiesigen politischen Kreisen — wie „La Paix" zu berichten weiß — Eigentbümliches von der Haltung der zwei hervorragendsten Persönlichkeiten der jüdischen Finanzwelt, des Baron Hirsch und Baron Alfons v. Rothschild. „Das Bündniß zwischen Frankreich und Rußland", glaubt das biedere Blatt, welches das Gras wachsen hörh, „wäre beiden unangenehm, dieselben hätten ihre ganze Kraft daran gesetzt, um es zu verhindern. R. hätte aller Welt angezeigt, daß er sich weigere mit der russischen Anleihe sich zu befassen. Der reiche Baron glaube, daß ihm alles erlaubt sei, er wolle mit Baron H. einen geharnischten Feldzug gegen Rußland in Szene setzen. „La Paix" glaubt nun, R. werde einsehen, daß seine Millionen ihm nicht das Recht geben, Frankreich als erobertes Land zu betrachten. Hierauf wird die Regierung ausgefordert, daß sie energisch vorgehe, wenn das Bündniß durch das Spiel der Millionen gefährdet werde. Die „St. Petersburger Ztg." bemerkt dazu, daß Rothschilds Anleihe-Zurücknahme den Gang der russischen Politik nicht alteriren könne. Auch die französische Regierung stehe micht unter dem Einflüsse der Geldgroßmächte." — La Paix's Angriffe lassen uns kalt. Die französische Regierung weiß wohl, wo sie ihre Vaterlandsverräther zu suchen hat; Gesinnungsgenossen dieses wackern Blattes mußten über die Grenzpfähle eilen, um nicht vom Arm der Gerechtigkeit ergriffen zu werden. — Wir haben dem blinden Eifer dieses Antisemitenblattes nur darum Werth beigelegt, weil er selbst einem Petersburger Blatte zu ungereimt erscheint, weil selbst ein russisches Blatt sich gegen diese Art der Angriffe verwahrt. — Doch um zwei hochgestellte französische Israeliten zu Vaterlandsfeinden zu stempeln, darf man allcrici ungereimtes Zeug schwatzen. Wenns an an Stoff mangelt, erleben wir bald eine wüthige Broschüre: „Die Juden und das russisch-französische Bündniß." Bulgarien. Sofia, 16. August. Eine Deputation von Bürgern Rustschuk's hatte Stambulow ersucht, die Einwanderung russischer Juden zu verhindern, allein dieselben erhielten eine ablehnende Antwort. Der Premierminister erklärte, daß er in dieser Sache nichts thun könne, da die unglücklichen Juden die Opfer der barbarischen Ungerechtigkeit Rußlands seien. P a l ä st i n a. Jerusalem. Betreffs der russischen Einwanderer nach Palästina wird uns aus Jerusalem gemeldet: Man gestattet den Unglücklichen überhaupt nicht das Aussteigen aus dem Schiffe. Früher wurde dies erlaubt, insofern die Betreffenden unter Bewachung nach der heiligen Stadt kommen und „gegen Gutstehung" 30 Tage weilen durften. Jetzt ist auch dies nicht mehr erlaubt. Es trägt dies leider viel dazu bei, den jüdischen Namen bei der nicht-jüdischen Bevölkerung herabzusetzen.