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Der Israelit · 1891-08-20 · Heft 66 (20.8.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 66 (20.8.1891)
Date
1891-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1251 Doch Sabbatai's kräftige Natur empfand trotz der vorgerückten Stunde und trotz der überstandenen Strapatzen noch nicht das geringste Bedürfniß, zu ruhen. Er öffnete das Fenster, das zu dem prächtigen, wohlgepflegten Garten hinführte, und lehnte hinaus. Es war eine wunderbar herrliche Nacht, an dem tiefblauen, wolkenlosen Himmel erglänzten zahllose, flimmernde Sterne und aus dem blumenreichen Garten drang süßer Wohlgeruch empor. Sabbatat blickte empor zu dem sternbesäeten Himmel und was er dachte — doch seine Gedanken nahmen sehr bald eine andere Richtung, denn unwillkürlich lauschte er dem Gespräch zweier Männer, die im Garten auf einer Bank, unmittelbar unter seinem Fenster saßen. Es war der Gärtner, dem die Pflege des herrlichen Gartens oblag, der sich mit seinem vor wenigen Stunden von einer größeren Reise heimgekehrten Sohne unterhielt. Sabbatai vermuthetc mit Recht, daß die in ihre Unterhaltung Vertieften seine Nähe nicht gewahrt hatten, er zog sich daher so weit zurück, daß er von ihnen, auch wenn sie hinausblicken würden, nicht bemerkt werden konnte, und lauschte nun in zunehmender Spannung ihren Worten. „Seltsam, seltsam!" sagte die Stimme des älteren Mannes, „sie behauptet, dem Messias als Frau bestimmt zu sein?" „So ist's," crwicderte der Jüngere, „ganz Livorno spricht von nichts Anderm, als von der schönen, ausgelassenen Jungfrau; denn, obgleich sie beständig wiederholt, sie wäre dem Messias bestimmt, so ist sie doch nichts weniger als das, was man ein züchtiges Mädchen nennt." „Sie ist eine Italienerin?" „Nein, man sagt, sie stamme aus Polen, komme aber jetzt aus Amsterdam und beabsichtige, sich nach Jerusalem zu begeben, wo, wie sie behauptet, der Messias demnächst erscheinen werde, den sie heirathen müsse." „Das Mädchen scheint verrückt zu sein." „Aber schön ist sie! — wunderbar schön! — In Livorno gibt es doch schöne Frauen, aber alle Welt sagt, daß man solche Schönheit auch dort noch nicht gesehen hat. Ihre Augen leuchten, daß mall meint, man könnte eine Kerze daran anzünden, und ihr Haar, das soll geradezu eine Merkwürdigkeit sein; sie ist nicht von kleiner Statur, aber man sagt, wenn sie das Haar aufgelöst hat, so reicht es ihr bis auf die Füße und sie kann sich darin einwickelil, wie in einen Mantel. Und ihr Gesicht, das habe ich selbst gesehen, etwas Schöneres kann man sich nicht denken — ihre Farbe wie Milch und Blut und ihr Mund wie eine Rosenknospc — und wenn sie lacht, da sieht man zwei Reihen Perlen blinken — aber ausgelassen! — ausgelassen! —" Sabbatai hörte nichts mehr, die Männer waren vermuthlich ins Haus hineingegangen. Er schloß möglichst geräuschlos das Fenster. — Weßhalb er sich bestrebte, jedes Geräusch zu vermetden, das war ihm vermuthlich selbst nicht klar. — Er warf sich auf sein Lager und sehnte den Schlaf herbei, aber der Schlaf schien ihn fliehen zu wollen. — Seine Phantasie war erregt. — Das schöne Mädchen, das von Amsterdam nach Jerusalem reisen wollte, weil dort der Messias erscheinen werde, dem sie zur Frau bestimmt sei, beschäftigte ihn unablässig. Woher sie nur wußte, daß der Messias demnächst erscheinen werde? — und woher sie wußte, daß sie demselben zur Frau bestimmt? — Aber sie sagte es — demnach wußte sie es — gleichviel woher. — Dem Messias — er war der Messias — demnach war sie ihm zur Frau bestimmt. — Die Augen fielen ihm zu. Seltsame Bilder gaukelten vor seinen geschlossenen Augen. Ein schönes Mädchengesicht lachte ihn an, mit Augen, die das ganze Zimmer erleuchteten, und perlengleichen Zähnen, die aus einer geöffneten Rosenknospe ihm entgegenglänzten. Der Schlaf überwältigte ihn endlich vollends, aber das schöne Mädchengesicht lacht ihn auch im Schlafe an — sie lacht und lacht — und um ihn schwirrt's und surrt's und flüstert's und tönt's: „sie ist Dir bestimmt! — sie ist Dir bestimmt! —" Als er am folgenden Tage die Augen aufschlug, stand die Sonne schon hoch am Himmel und an seinem Bette saß sein Gastfreund und begrüßte den Erwachenden mit liebevollem Lächeln. „Ich habe Deinen Anblick so lange entbehrt, Du lieber, guter, theurer Freund, daß mich's nicht länger duldete — Du zürnst mir doch nicht?" „Wie könnte ich Dir zürnen!" entgegnete Sabbatai mit innigem Ausdruck. „Und hast Du Dich bereits ausgeruht unter meinem Dache von den Beschwernissen der anstrengenden Reise?" „Vollkommen," erwiederie Sabbatai, indem er sich mit der Hand über die Stirn fuhr, „vollständig. — Unter Deinem Dache ist mir bereits eine segcnverheißende Offenbarung geworden." „Unter meinem Dache?" rief der Münzmelster hocherfreut, „das bedeutet Segen meinem Dache. O. geschwind, Freund, theile sie mir mit — das heißt, wenn ich Dir nicht zu gering erscheine." „Deine Bescheidenheit hebt Dich zu mir empor," entgegnete Sabbatai salbungsvoll, „darum will ich mich beeilen, Deinem Wunsche zu entsprechen. — Siehe, kaum hatte ich am gestrigen

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