Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1891)
- Date
- 1891-08-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1248 ist er nicht sehr geistreich ausgefallen. Oder wollen Sie sich damit brüsten, daß Sie mit 25 Jahren, trotzdem Sie noch nicht verheirathet waren, bereits drei Wickelkinder Ihr unbestrittenes Eigenthum nannten? Das kann allerdings nicht Jeder und Sie werden gut thun, sich künftig deutlicher und vorsichtiger auszudrücken. Wenn das letzte dieser Wickelkinder erst mal 23 Jahre alt ist. dann mags allerdings brenzlich genug für Sie werden. — Ich bin zwar nicht 23, aber doch erst 25 Jahre alt und habe stets viel gearbeitet und meine Pflicht gethan. Ich habe den Verband gegründet, die Firma Struckmeyer verdankt ihr Dasein und ihr ausgedehntes Geschäft ausschließlich meiner angestrengten Thätigkeit. Was haben Sie mit 23 und 25 Jahren gethan, Herr Doktor? Darüber das nächste Mal." Auch an dem Antisemiten Ehrlacher bewährt sich das Wort unserer Weisen: nx nVpVpo nxw rrorn, indem er zum Schlüsse schreibt: „An Euch liebe Parteigenossen, richte ich die dringende Bitte, trotz allen Vorfällen feste Antisemiten zu bleiben, wie ich es ebenfalls thue. Auf Wunsch vieler Parteigenossen habe ich Herrn Dr. Böckel durch einen befreundeten Landmann, Vorstand des Mitteldeutschen Bauernvereins, sowie schriftliche Versöhnungsvorschlägc gemacht. Er hat dieselben abgelehnt." Lübeck, 7. August. Unsere Mittheilungen über die jüdischen Auswanderer ergänzend, berichten die Lübeckische Anzeigen noch Folgendes: Das hiesige Comitö, aus einer Anzahl Männer der hiesigen israelitischen Gemeinde bestehend, entwickelte bereits eine ausgiebige Thätigkett. Es ist freilich keine leichte Aufgabe, eine so große Anzahl von Menschen zu verpflegen', wie sie bisher hier durchgekommen, namentlich des Sonnabends, wo die jüdischen Auswanderer zuweilen 1 Tag und 2 Nächte hier zubringen , da sie aus religiösen Gründen an diesem Tage, des Sabbats halber, nicht weiter fahren dürfen. Die Mittel der Gemeinde-Mitglieder werden zwar stark in Anspruch genommen, denn die Auswanderer müssen nach jeder Richtung hin unterstützt werden, aber es ist auch rührend mit anzusehen, wie die Hilflosen sich für die erwiesenen Wohlthatcn denkbar erzeigen. Obgleich dem Comite auch von auswärts hin und wieder Unterstützungen zu diesem Zwecke zufließen, so wäre es doch wünschcnswerth, wenn auch uichtjüdische Kreise ihren Wohlthätigkeitssinn diesen Armen zuwenden möchten. Die Verpflegung erfolgt, soweit uns bekannt, in hinreichendem Maße, da die hier in Schuppen 8, welcher dem Comita seitens der Handelskammer für die Transporte bereitwillig überlassen wurde, untergebrachten Emigranten mit warmer Kost (Suppe, Fleisch und Brod) sowie mit hinlänglichem Getränk versehen werden, während den mit der Bahn hier Durchreisenden, welche gewöhnlich mit dem 3 Uhr 39 Min. Nachmittags von Stettin nach Hamburg gehen, eine Erfrischung durch Bier, Milch und Brod am Bahnhof gereicht wird. Der Anblick der Auswanderer hat bereits manchen Nichtjuden veranlaßt, Spenden sowohl an Geld als auch an Kleidungsstücken (Kinderwäsche ist in erster Linie Bcdürfuiß), dem Comitö zuzustellen. Die Bahntransporte werden gewöhnlich bei Abgang von Stettin durch die dortige Direktion dem Comita durch Telegramm angezeigt. — Besonders rühmend muß das wohlwollende Entgegenkommen der hiesigen Eisenbahndircktion hervorgehoben werden, welche, obgleich für die Strecke Berlin-Hamburg keine Ermäßigung eintretcn konnte, doch einen Zuschuß zu den Verpflegungskosten bereitwilligst gewährte. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Ungarn, 7. August. Wie bereits gemeldet, hat die orthodoxe Durchführungskommission zu Budapest an alle gesetzestreuen Gemeinden das Ersuchen gerichtet, die Zahl der trotz der obligaten Sonntagsruhe auch am Samstag ruhenden Kaufleute und Gewerbtreibende konskribiren und amtlich beglaubigen zu lassen, um dem Haudclsministcr die Größe der Anzahl von Kaufleuten, welche durch das „Sonntagsruhegesetz" empfindlichen Schaden erleiden, beweisen zu können. Laut Meldung „Zs. Hs." laufen die Daten sehr zahlreich ein, so daß in Anbetracht der ungeahnten, großen Anzahl solcher Israeliten, welche auch die größten materiellen Opfer wegen Heilighaltung des Sabbats zu bringen geneigt sind, der gewünschte Erfolg in Aussicht gestellt werden kann. — Zu bedauern bei dieser Gelegenheit ist die traurige Thatsachc, daß das Organ der Neologen, — welches übrigens vor Kurzem noch anderer Meinung war — von einer Aktion der Juden als solche dringend abräth, da sich hiedurch Viele von der Theilnahme an dieser, nicht hoch genug zu schätzenden Bewegung zurückztehen könnten. Curios und unhaltbar ist die Motivirung jenes Blattes, welches u. A. Folgendes sagt: „Der Handelsminister hat einfür allemal gesagt, er werde bezüglich des Sonntagsruhegesetzes gar keinen konfessionellen Standpunkt berücksichtigen." — Wenn dies auch wahr ist, so ist es nicht minder wahr, daß Staatssekretär Lukacs einer jüd. Deputation gegenüber sich dahin äußerte, „der Minister wäre schlecht informirt gewesen, sobald aber auf Grund beglaubigter Daten das Unrichtige seiner Information nachgewiesen, werde er (der Minister) die Interessen der orthodoxen Israeliten berücksichtigen." pryao oyn nx iynsn Warum will man das Zustandekommen einer imposanten