Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1891)
- Date
- 1891-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1247 unveränderter Abdruck erschienen. Wir fordern unsere Glaubensgenossen dringend auf, die Schrift, über die wir zuerst unter allen deutschen Blättern aus der Feder des Herrn Dr. Blumenthal eine eingehende Besprechung gebracht haben, zu kaufen und für ihre Verbreitung unter Juden und Christen thätiq zu sein. Auch der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" würde sich durch Massenverbreitung der verdienstvollen Arbeit ein hervorragendes Verdienst erwerben. Nur durch allgemeinste Verbreitung dieser Schrift kann der Blutlüge dauernd ein Ende gemacht werden. Berlin, 14. August. Herr Arnold White, der hier im Central - Hotel Wohnung genommen hatte, ist bereits nach Karlsbad weitergereist. Berlin, 14. August. Die hiesige „Gernlania", das Organ der deutschen Centrnmspartei, nimmt in ihrer heutiaen Nummer Veranlassung zu erklären, daß der „Osservatore Nomano", der gemeiniglich für das offizielle Organ des päpstlichen Stuhles gehalten werde, weder die Ansichten des Papstes noch des heiligen Stuhles vertrete. Seine Auslassungen entsprächen nicht den Ansichten des heiligen Vaters, noch wären dieselben von höchster Stelle beeinflußt worden. Die Anschauungen des Osservatore betrachtet die „Germania" als Ausgeburt einer erregten Phantasie. — Wir fühlen uns verpflichtet von dieser Erklärung des offiziellen Organs der Centrumspartei Akt zu nehmen, da das genannte römische Blatt sich durch seine Judenfeindlichkeit öfter hervorthut und sich stets den Anschein gibt, als folgte es in seinen Kundgebungen nur höheren Weisungen. — Die wohlunterrichtete „Germania" ist uns in diesen Dingen Autorität, wir werden fortan die Schimpfereien des „Osservatore" gleichmüthkger betrachten. Marburg in Hessen, 16. August. Gegenwärtig wird in hiesiger Gegend ein Flugblatt stark verbreitet, das ein Abdruck eines im „Kasseler Sonntagsblatt" Nr. 28 vom 12. Juli d. I. erschienenen Artikels des Antisemiten Hugo Ehrlacher gegen Dr. Böcke! ist. Ehrlacher, der früher bei Böckel resp. bei S t r u ck m e y e r u. Cie., die Lieferanten des von Böckel geleiteten Mitteldeutschen Bauernvereins, war, jetzt aber ausgetreten ist und hier einen Kurhessischen Konsumverein errichtet hat, wurde von Böckel öffentlich angegriffen, worauf ihm Ehrlacher in dem oben bezetchneten Flugblatt antwortet. Die Fehde scheint, wenn es so weiter geht, noch manche interessante Thatsache an den Tag fördern zu wollen. Sie gibt Gelegenheit, der großen Oeffentlichkeit zu zeigen, wie es die Antisemiten unter sich treiben. Wir müssen uns wegen Raummangel auf einige bezeichnende Stellen des Flugblattes beschränken, aus denen aber der geehrte Leser seine Schlüffe ziehen kann. Auf den Vorwurf Böckels, daß Ehrlacher katholisch ist, antwortet dieser: „Habe ich dem Herrn Dr. Böckel jemals einen Vorwurf darüber gemacht, daß er Atheist (Gottesleugner) ist? Wenn Herr Dr. Böckel an keinen Gott glaubt, so geht mich dies nichts an, das mag er mit sich selbst ausmachen; wenn aber der Mann, der an keinen Gott glaubt, hergeht, ein Sonntagsblatt gründet, die Hände faltet, die Augen verdreht und in seinem Sonntagsblatt schreibt: „Gott der Herr hat die Pläne unserer Gegner zu Schanden werden lassen", so nennt man dies im gewöhnlichen Leben „Heuchelei". „Darf ein solcher Manu einem rechtschaffenen, begeisterten Antisemiten seinen katholischen Glauben vorwerfen und den Mann verunglimpfen , der sich gegen das Unrecht, das man ihm zufügen will,!zu schützen sucht? Hat ein Sonntagsblatt, das Eigenthum eines Gottesleugners ist und von diesem in Gemeinschaft mit einem Katholiken geschrieben wird, für einen evangelischen Christen irgend welchen Werth? Ist ein solches Sonntagsblatt nicht eitel Heuchelei, ist nicht Jedem klar, daß das ganze Blatt nur selbstsüchtigen Interessen entspringt und nur der Politik dienen soll?" Auf die Beschuldigung Böckels, E. hätte unter der Maske des Antisemitismus Geld verdienen wollen, setzt dieser auseinander, daß er nicht allein kein Verdienst gehabt habe, sondern noch ca. 600 M. zusetzen müsse, und fährt dann fort: „Wie steht's dagegen mit Ihnen, Herr Doktor? Sie erhalten nicht allein namhafteMiterstützungen von der Firma I. A. Struckmeyer u. Cie., sondern auch Prozente vom Reingewinn. Wer verdient also durch den Antisemitismus? Nicht ich. sondern Sie, geehrter Herr Doktor. Je höher die Preise der Firma I. A. Struckmeyer u. Cie. sind, desto höher ist der Reingewinn und somit auch Ihr Verdienst. Daß Sie versuchen, mich als entlassenen Commis hinzustellen, ist eine Unverschämtheit, ebenso wie es eine grobe Unwahrheit ist, daß ich die Bücher der Firma Struckmeyer falsch und schlecht geführt habe. Ich bin seit dem 9. Juni 1890 Direktor des Mitteldeutschen Verbandes und jetzt außerdem Vorstand des Kurhessischen Central-Consum-Vereins. Wenn die Bücher falsch und schlecht geführt waren, warum läßt Nlich die Firma Struckmeyer nicht strafrechtlich durch den Staatsanwalt verfolgen? „Was dies überhaupt unsere Sache angeht, verstehe ich ebensowenig, als wenn Sie schreiben, ich sei erst 23 Jahre alt. Wollen Sie damit Ihre saubere Handlungsweise entschuldigen? Wollen Sie mit den Wickelkindern einen Witz machen? Dann