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Der Israelit · 1891-08-17 · Heft 65 (17.8.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 65 (17.8.1891)
Date
1891-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1238 Doll Gottes Gnade wieder ihre Zoruesgluth über Holz und Steine, über unsere äußere soziale Stellung ergehen lassen müssen, um unsere Zukunft zu retten? Unsere großen Allvorderen haben es verstanden, das Leid ihres Volkes durch ihr Lied zu verklären, und uns soll jeder Blick in die Zeit, das Lied in Leid umwandeln müssen?! Zeituugsuachrichteri und Correspondenzen. Deutschland. Memel, im Juli. Das ständige Hülfs-Comit« für die Nothstände russischer Israeliten versendet den folgenden Bericht über seine Thätigkeit seit Anfang dieses Jahres: Ende November v. I. veröffentlichten wir den ersten Aufruf zu Gunsten unserer fchwerbedrängten russischen Glaubensgenossen, nicht ohne auf den entschiedensten Widerspruch ängstlicher Gemüther zu stoßen. Wir durften uns hierdurch nicht beirren lassen. Erstlich hatten wir die sichersten Nachrichten, daß die Ortsausweisungen in größtem Umfange festbeschlossene Sache seien, und zweitlich wollten wir den im größten Elende schmachtenden, vom Hungertode bedrohten, zahllosen Frauen und Kindern, deren Ernährer und Versorger bereits früher ausgewandert waren, Hülfe zu bieten suchen. Selbst mitten im Winter, während eines Kältegrades, welcher dem Bewohner milderer Climate fast unerträglich scheint, waren wir in der Lage, einergroßen Anzahl solcher Frauen, noch dazu mit reicher Kinderschaar gesegnet, helfen zu können. Diese scheuen selbst die Reise mitten im Winter nicht, weil der Hunger ein noch größerer Despot ist, als — der Frost. Bis Mitte Mat kamen die Hülfesuchendeu immer noch vereinzelt, so daß bis dahin nur 421 Personen unterstützt und befördert worden waren. Von da an kamen sie in größeren Schaaren; so zählt allein der 31. Mai bereits 121 mit Unterstützungen abgefertigte Personen. Bis zu dieser Stunde hat der Zustrom von Auswanderern stetig zugenommen; allein infolge eigenen Vorgehens und Uebereinkommens, einerseits mit dem „Deutschen Central-Comitö" in Berlin, andererseits mit dem „Provinzial-Comitö" in Königsberg, hat die Gewährung von Unterstützungen und Beförderungen große Einschränkungen erfahren, sodaß jetzt trotz des weit größeren Zustroms täglich im Durchschnitt doch nur 80 bis 90 Personen der Beförderung für würdig erachtet werden. Wie setzt sich nun die Zahl der unterstützten Auswanderer zusammen? Zuerst und zunächst aus der Zahl der Ortsverwiesenen und aller derer, welche durch die russischen Ausnahmegesetze ihres Besitzes und Gewerbes verlustig gegangen sind und zur Auswanderung sich gezwungen sehen. Diese, und nur diese werden der Hamburger Commission des Deutschen Central- Comitss in Berlin zur ausgiebigen Unterstützung überwiesen. Das hiesige Count« unterstützt nach seiner schon zu Anfang dieses Jahres angenommenen Unterstützungs-Ordnung: „Frauen, welche zu ihren Männern, Kinder, welche zu ihren Eltern, Eltern, welche zu ihren Kindern und weibliche Personen, welche zu ihren Anverwandten reisen" und von diesen entweder mit Schiffskarten oder mit Geld zu Schiffskarten versehen, sonst aber erwiesenermaßen mittellos sind und ohne unsere Beihülfe nicht bis zum Orte ihrer Einschiffung nach überseeischen Ländern gelangen könnten. Das hiesige Comit« unterstützt ferner Personen des Handwerker- und Arbeiterstandes, welche mit knappen Mitteln die Auswanderung unternommen haben und denen mit einer Unterstützung bis höchstens 15 bis 20 Mark pro Person geholfen ist. Ausnahmefälle mit weit höherer Unterstützung sind nicht ausgeschlossen. Aus die schwerbedrückte Lage der jüdischen Handwerker in Rußland möchten wir ganz besonders die öffentliche Aufmerksamkeit lenken. Innerhalb der Judengrenze bilden, wie bekannt, die Juden den Grundstock der Bevölkerung und dort ist das Handwerk fast ganz in den Händen der Juden. Ein Gefühl der Unsicherheit, der Verzagtheit, ja, der. Panik hat sich aller Herzen bemeistert, und solches übt einen großen Rückschlag auf das Handwerk. Niemand läßt etwas arbeiten. Tischler, Schlosser, alle Bauhandwerker sind brodlos. Schuster und Schneider giebt es ohnedies schon so viele, daß sie selbst in besseren Zeiten nicht hinreichende Beschäftigung finden. Angesehene Kaufleute aus ferngelegenen Gouvernements, die ihrer Geschäfte wegen sich zeitweilig hier aufhalten, erzählen haarsträubende Dinge betrefflich des Nothstandes der russisch» jüdischen Handwerker. Hier öffnet sich ein Feld der Thätigkeit für unsere jüdischen Philantropeu, welche Millionen anzuwenden im Begriffe stehen für Zwecke, die auch nicht den geringsten Erfolg verbürgen. Wir wüßcn wohl Mittel und Wege zur Abhülfe anzugeben. Mit Beförderung der Auswanderer sind unsere Unterstützungsausgaben nicht abgeschlossen. Eine Commission des hiesigen Comit« sorgt für Wohnung, theilweise Verpflegung, Verschiffung und Zurücksendung unberechtigter und ungeeigneter Ankömmlinge und verbraucht wöchentlich 1000 bis 1500 Mark. Die Sabbatverpflegung erfordert allein eine jedesmalige Ausgabe von etwa 300 Mark. Außerdem hat das Comite einen hiesigen Arzt zur Ueber-

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