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Der Israelit · 1891-08-17 · Heft 65 (17.8.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 65 (17.8.1891)
Date
1891-08-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Beilage,»M 65 des „Israelit & Ieschurun" Leitender Artikel. Das Lied im Leid. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). (Schluß.) Bei dem Prophetenwort nynn by 'i ipw „Gott hat das Unglück beschleunigt und es über uns gebracht, denn Gott verbindet Gnade und Recht." (Daniel) bleibt die Weisheit der Weisen verwundert stehen: „Weil Gott gnädig und gerecht ist, hat er unseren Zusammenbruch beschleunigt?" „Gewiß!" bemerkt Ulla, „eine Wohlthat hat der Heilige, gelobt sei er, an Israel geübt, daß er die Zerstörung seines Heiligthums vollzogen hat, bevor sich die Verjährung seines Unrechts ausgebildet hatte, die in der Verheißung oronji (5. B. M. 4) angedroht war." (Gittin Fol. 88.) -.»so rvm anam nno» rrm acKjp Dipn t?a mov ."na i:1« n’H gh!? idn?owrv ma^J nmn ''5) o'.ss h*r\w' nva iai ,dpuo Dm 12» auch — (j"'B rcn -onoa ma) orvnuij; by .t.ti . „Uebcraü wo die Zukunft in Form der Vergangenheit zum Ausdruck kommt, weckt sie Freude. „Ueberall? Die Eroberung Jerusalems wird doch auch in dieser Form angekündigt?" „Auch hier ist es kein Leid, sondern eine Freude" lautet die Antwort, denn an jenem Tag wird der Erlöser geboren, dieser Tag sühnt alle Schuld Israels, die ungesühnt ihm den Völkertod ohne einstige Wiederauferstehung bedeutet hätte." Wenn daher Völker in das Gotteserbe dringen und seine heilige Machtstätte entweihen, so ergreift sein göttlicher Sänger die Harfe und preist in warmem Liedeswort, die Gnade, die sich auch in der Strafe bekundet, die den göttlichen Unwillen auf Holz und Steine beschränkt und so dem gesunkenen Volk die unerschütterliche Hoffnung seiner Zukunft aus den Ruinen seiner vergangenen Größe erblühen läßt. Mit dieser Anschauung seines Geschickes und Lebens bleibt mitten in Trauer und Weh, heitere Lebensfreude der innere von keinem äußern Leid erreichbare Kern der jüdischen Seelenstimmung. — Dieser Geist ist cs, die den Juden noch über seinen Nationaltrauertag hinaus begleitet und ihn aus dem Silberglanz des Mondes, der sich wieder aus der Nacht zum Licht gerungen hat, für sich und sein Volk dieselbe Hoffnung schöpfen lehrt nnwa annnrfc D'Tny onr. i Dieser Geist ist es, der auf jeden aaa nyrn einen nam natp folgen, der die fastend Trauernde unbeirrt und unverzagt die Umwandlung ihrer Fast- und Trauertage in Freude und Wonne erwarten läßt. Mit diesem Geiste ausgerüstet wollen wir auch die Prüfungen erwarten, die unserer warten und sich überall bemerkbar machen. Wie könnte es auch anders sein! n'3 hv npun ^ö’a — q'jb rwn ona mn — nat? — rva-ijn mrwyBtp nxnp i)iv'a — nnain — D'can moVn 'na — j-didx »w» pD'v — .ppa mpinttf — Entweihung des Sabbats, Unterlassung der Gotteshnldigung in Krias Schema, Vernachlässigung des Jugendunterrichts, Schamlosigkeit, Gleichmacherei, das Unterbleiben jeder Ermahnung, Verachtung der Thoragelehrten und Schwinden alles Vertrauens hatten unser Volkswesen vor einen Abgrund des Verderbens gebracht, gegen den die Eroberung des Landes, die Einäscherung des Heiligthums und die Zerstreuung des ganzen Volkes noch als eine Wohlthat erscheint! Wenn wir nach I800jährigem Exil nichts von unserer Vergangenheit für unsere Gegenwart und Zukunft gelernt hätten! Wenn sich ganze jüdische Gemeindewesen fast ausnahmslos heute vom Sabbat losgesagt haben und ihn öffentlich entweihen, wenn die Gotteshäuser verlassen sind, von allen, die früh und spät sich für den Kampf des Lebens durch jmv rüsten sollten, wenn die Kinder ohne jüdische Erziehung, ohne Anleitung, ja ohne Kenntniß der Thora aufwachsen, wenn man sich alles dessen nicht nur nicht schämt, sondern es als Fortschritt preist, man eine falsche Gleichheit anstredt, die jedes Emporragen über die gewöhnliche Bildfläche als Ueberhebung und Einseitigkeit verfehmt, wenn daher selbst die Bessergesinnten ihren Schmerz unterdrücken und nicht einmal ein lautes, entschiedenes Wort gegen die Verkehrtheiten ihrer Zeit übrig haben, wenn die Thora und ihre Träger verachtet werden, und Hand in Hand mit dieser Verachtung Wahrhaftigkeit und Redlichkeit von Tag zu Tag so selten werden, daß das Vertrauen im geschäftlichen, im gesellschaftlichen und im politischen Leben geschwunden ist und täglich mehr schwindet, dann könnten wir noch blind für die Wolken bleiben, die sich über unfern Häuptern zusammenziehen? Ein solcher Zustand ist nicht auf lange Zeit haltbar, wenn er nicht zur vollendeten Entartung und Selbstvernichtung führen soll, der uns aber Gottes Gnade nicht preisgeben wird 'n tcnta’ s>6 'a .^ron idp “Yiaja 'vp n«

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