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Der Israelit · 1891-08-17 · Heft 65 (17.8.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 65 (17.8.1891)
Date
1891-08-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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schäfte eine ihm zusagende Stelle, die er bald zur vollen Zufriedenheit seines Chefs ausfüllte. Als nach einiger Zeit Herr Levy seiner Schwester mittheilte, daß ein achtbarer, frommer und tüchtiger Geschäftsmann bet ihm um ihre Hand angehalten habe, wies sie zum größten Befremden ihres Bruders und ihrer Schwägerin wiederholt und standhaft den Antrag mit den Worten zurück: „Ich werde Niemand anders als den Messias, der bald erscheinen wird, heirathen." * * * Wir haben den Helden unserer Erzählung verlassen, als er bei Nacht und Nebel dem Schauplatze seines bisherigen Triumphes den Rücken gewandt und sich auf ein Fahrzeug eingeschifft hatte, das nach Morea bestimmt war. Morea war der Geburtsort seines Vaters, seine dortigen Verwandten nahmen ihn mit offenen Armen auf und er verweilte längere Zeit bei denselben. Für die Dauer duldete es ihn jedoch nicht in Morea, er wandte sich zunächst nach Athen. Das Mißgeschick, das inn in Salonichi getroffen, hatte doch in gewisser Beziehung einen nachhaltigen Eindruck auf ihn gemacht. Zwar war er auch jetzt noch fest überzeugt von seiner messianischen Sendung — trug er doch die angeblich viele Jahrhunderte alte Schrift, die Jachini ihm so geschickt in die Hände gespielt hatte, beständig auf seiner Brust — aber er hielt seine Zeit noch nicht für gekommen und beschloß in Ruhe zu verharren bis das apokalyptisch - messianische Jahr 1666 näher herangerückt sein werde. Doch die jüdische Gemeinde in Athen hatte nicht so bald von dem über ihn ausgesprochenen Banne erfahren, als die Mitglieder derselben jeden Verkehr mit ihm abbrachen und nicht ruhten, bis er ihre Stadt verlassen hatte. Von seiner Familie stets mit reichen Geldmitteln versehen, gelangte er nach langer Wanderung endlich nach Kairo, wo er in das gastfreie Haus des dortigen Münzmeisters und Zollpächters eingeführt wurde. Raphael Joseph Gelebt war ein glühender Verehrer jener geheimen Wissenschaft, die man Kabbala nennt, Sabbatai Zewi war angeblich in diese Wissenschaft tief eingedrungen, tiefer als irgend einer vor ihm, es war daher nahezu selbstverständlich, daß beide, sobald sie einander kennen gelernt, durch innige Freundschaft verbunden waren. Mehrere Jahre lebte Sabbatai in dem Hause des jüdischen Münzmeisters, dessen ganzes Streben dahin ging, das Erscheinen des Messias zu beschleunigen. In einer feierlichen Stunde innigen Vertrauens hatte Sabbatai sich ihm als Messias geoffenbart und der schwärmerische, leicht erregte Mann hatte dem angeblich von Gott Gesandten in der ihm eigenen exaltirten Weise gehuldigt. Als nur wenige Jahre noch fehlten von jenem, in dem nach kabbalistischen Berechnungen der Messias erscheinen sollte, da drängte er den Freund, sich nach Jerusalem zu begeben, da nur in der Hauptstadt des einstigen jüdischen Reiches jene Wunder sich ereignen könnten, die der allgemeinen Anerkennung des Messias vorausgehen müßten. Sabbatai befolgte den wohlgemeinten Rath und begab sich nach Jerusalem. Er lebte daselbst sehr zurückgezogen, unterzog sich den eifrigsten ^Bußübungen, weilte ganze Nächte hindurch auf den Gräbern frommer Männea, um durch kabbalistische Mittel deren Geister sich herabzuziehen, oder er sang ganze Nächte hindurch mit seiner wunderbar schönen, klangvollen Stimme von ihm selbst verfaßte Psalmen. — Zeigte er sich aber am Tage in den Straßen, dann vertheilte er jedesmal Naschwerk unter den Kindern, die ihn deßhalb stets umringten und ihm „Heiliger Vater" zuriefen. Sein auffallendes und doch der Menge Achtung gebietendes Auftreten verschaffte ihm einen Kreis von Anhängern, die Großes von ihm erwarteten, obgleich sie sich selbst noch nicht klar waren über ihn — denn er selbst schwieg noch der Menge gegenüber. (Fortsetzung folgt.) „J-raelit" und „Jefchurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 3 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju beziehen bei G. F. Ktrinackrr, Leipzig, Dostpiah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland rmd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., füt’g Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco emzufende». Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. (Fortges. von Liepm. Ph. Prins, Frankfurt a. M.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Eydtkuhnen. Bückeburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Schweiz: Aus der Schweiz. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Das Lied im Leid. Von Bez.--Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Memel. — England: London. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar L eh m ann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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