Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1891)
- Date
- 1891-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1233 Butterconsumentin sollte die Lösung dieser Problems gelungen sein? Andere täuschen sich dadurch, daß sie sagen, sie kaufen ihre Butter direkt von Bauern, und da sei doch jede betrügerische Manipulation ausgeschlossen! Auch dieses Hinterthürchen läßt die vorliegende Broschüre nicht mehr offen. Sie weist nach wie sich Margarine fast 50°/0 billiger als reine Butter stellt, und unsere Bauern, die sich doch sonst so gut auf ihren Vortheil verstehen, auf einmal für so einfältig zu halten, diesen Vortheil nicht zu sehen und sich zu Nutzen machen wollen, dazu gehört eine Naivität, wie wir sie sonst heute keinem noch so beschränkten Bauer zutraueu. — Ich habe schon vor 14 Jahren in diesen Blättern (Jahrg. 1877, Nr. 51 und 52) auf eine Kölner Butterfabrik hingewiesen, die ihre Arbeiter an Markttagen in blaue Kittel steckt und die Kunstbutter in einzelnen Pfunden auf den Markt bringen läßt, um den Schein zu erwecken, als werde hier reine Bauernbutter zum Verkauf ausgeboten!! Aber auch Diejenigen, welche religionsgesetzliche Skrupel nicht zurückhalten, alles was als Butter verkauft wird zu genießen, sollten schon Rücksichten auf die Gesundheit und die oft Ekel erregende Art der Zubereitung und Mischung zur Vorsicht mahnen. Es wird vielfach angenommen, daß Margarine in sanitärischer Hinsicht ohne jedes Bedenken wäre. Dem gegenüber schreibt Dr. Winkler in der Zeitung: „Fürs Haus:" „Der fortgesetzte Genuß von Margarinebutter wirkt unter Umständen nachtheilig auf die Verdauungswerkzeuge. Die Aerzte in Chicago führen die in ihrer Stadt herrschende „Winter-Cholera" — immer dort einheimisch (endemisch) gewordenen Magen- Darmcatarrh — lediglich auf den Genuß der Margarinebuter zurück. Die französischen Aerzte sind, obwohl die Margarinebutter eine französische Erfindung ist, einstimmig .in der Verurtheilung derselben. Dr. Piper in Chicago hat in verschiedenen Margarineproben Bandwurmeier nachgewiesen! Auch andere Krankheitsträger können durch Kunstbutter übermittelt werden, wenn das Fett von kranken Thieren herstammt. — Amerikanische Fabrikanten sollen den schlechtesten Fetten, die sie benützen, durch Salpeter- und Schwefelsäure den schlechten Geruch nehmen. Auch Tulcum, Bleicerbonat und Vaselin hat man in amerikanischer Margarin schon nachgewiesen! — Die bloße Lektüre dieser und anderer Ekel erregenden Substanzen, die in jener Schrift aufgeführt werden, kann einem wahrlich den Appetit so gründlich verderben, daß es keines weiteren Hinweises bedarf. Es wird sich jeder, welcher der Angelegenheit näher tritt, mit den Schlußsätzen einverstanden erklären müssen: „Wer sich nicht gefährlicher Selbsttäuschung überlassen will, beziehe sei- „nen Butterbe darfnur aus solcherQuelle, „wo die Butter unter gewissenhafter „Aufsicht eines zu verlässigcmDiv her- „gestellt und durch entsprechendenStem- „pel vor Verwechslung genügend geschützt ist. „Der jüdische Reisende, der nach den „Vorschriften unseres göttl. Religions- „gesetzes leben will, kann heutzutage, „so schwer diese Entbehrung ihm auch „sein mag, im Gasthofe nicht mehr Butter „g e n i e ß e n. „Es ist ohne Zweifel eine der allerbringend st enPf licht eneinesjedenRab- „biners, an seinem Orte dafür Sorge zu „tragen, daß das jüd. Publikum Butter, „welchegegen die Befürchtung von Mar- „garinezusatz absolut geschützt ist, haben „k a n n. -„Vorläufig möge „man die bestehendenBezugsquellen zuverlässig reiner Butter zu erhalten und „zu fördern bestrebt sein." Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn hätte der Verwirklichung dieses letztgenannten Wunsches gewiß sehr wesentlich gedient, wenn er die bereits bestehenden zuverlässigen Bezugsquellen namhaft gemacht hätte. — Dem Schreiber dieser Zeilen sind als zuverlässig empfohlene Butterhandlungen die Firmen: R. Stern in Fulda und W. Rosenbaum in Memmingen (Bayern) bekannt. Es wäre zunächst im eigenen Interesse der Händler, wenn dieselben durch Inserate in den jüdischen Zeitungen bei dem auf reelle Butter reflektirenden Publikum sich selber einführten, und sich gleich darüber zu legitimiren, daß die Beaufsichtigung von zuverlässiger Seite erfolgt. — Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums in Frankfurt a. M. hat ihr Interesse für die hochwichtige Angelegenheit durch Subventionirung der Dr. Cahn'schen Schrift in erfreulicher Weise bekundet. Sie wäre wohl die geeignetste Centralstelle, um diese in die Hand genommene Angelegenheit nun auch zu Ende zu führen. Sum machos. Rußland. Petersburg, 10. August. Wenn uns Ihre deutschen Blätter auch sehr häufig mit schwarzen Malereien unseres Censors zugestellt werden, so