Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1891)
- Date
- 1891-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1231 nmd wird noch weiter erzählt, welche Strafe Abdan sich zuzog wegen seines unbesonnenen Auftretens, so daß pm '"! sagte: „Gottlob, daß Abdan sein Vergehen auf dieser Welt gebüßt." In einem der späteren Artikel werden wir mit Gottes Hilfe zu zeigen versuchen, welchen Zusammenhang dieser Bericht in niDT mit dem in todd nnx anfgenommenen Ausspruch unseres R. Jsmael hatte: .'rai xi» njnatcn nrrx uöö pms pn p uwjy ^tsrinn (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutsch! and. Berlin. Der „Deutsche Verein" hat in dieser Zeit des „süßen Nichtsthuns", in welcher alle Bürger, die Gott mit gesunden Sinnen begnadet hat, die freie, frische Luft aufsuchen, ca. tausend Menschen in den „Feenpalast" hinekngepfercht. Die Temperatur sowohl wie die blutdürstigen Reden versetzten den Zuhörer in die Gegend der afrikanischen Kanibalen. Da wurde nichts verschont, was nicht vorn Kopf bis zur Sohle im Antisemitismus steckt. Doch darüber zu referiren ist nicht meine Aufgabe. Wir zählen den Antisemitismus zu einer Gottesgeißel, die Gott über uns gemäß seinem Torahworte yvnn Dnn d’imi oder rfcro ’mpen schwingen läßt. — Was uns bestimmt der Versammlung Erwähnung zu thun, ist eine Anfrage an die wenigen Rechtsgelehrten, die sich um jüdische Angelegenheiten bekümmern. Dürfen in öffentlichen Localen Reden gehalten werden, die direkt zum Abschlagen der Judenköpfe auffordernV Um gefällige Antwort wird gebeten. — Die genannte Versammlung wird wohl nicht die erste gewesen sein, welche sich der Behandlung dieses Themas mit besonderer Vorliebe hingab. Die Berliner Antisemiten hielten am Freitag im Feenpalast eine Versammlung ab, um die russischen Maßregeln gegen die Juden zu besprechen. Der ReichstagsabgeordneteZimmermann verherrlichte das Verfahren der russischen Regierung uud fand bei den Leuten, die sich dort eingesunden hatten, lebhafte Zustimmung. „Väterchen" hat also in Deutschland treue Bundesgenossen. Es fehlt nun blos noch, daß diese Sorte Humanisten dem General Gurko in Warschau eine Zustimmungs-Adresse sendet aus Anlaß der gnädigen Behandlnng eines zehnjährigen Knaben mit fünfundzwanzig Kantschuhieben. Auch sehen wir nicht ein, was die Leutchen hindert, sich nach Moskau zu begeben, um ihre 6nt6nt6 eordiale mit ihren russischen Gesinnungsbrüdern auch bei dem Gervais-Treiben zu bethätigen. Berlin. Der „Reichsbote" veröffentlicht folgende Notiz: „Die Verfolgungen der Juden in Rußland sind der Grund, warum wir den Namen eines Vereins in die Oeffentltchkeit treten lassen, der bis jetzt nur Wenigen bekannt ist. — Vor einigen Jahren wurde ein kleiner Verein, genannt „Hilfsveretn für Israel", zum Zweck der Unterstützung bekehrter sowie nach der Wahrheit trachtender Juden in Hamburg gegründet. Seit seinem Entstehen hat der Verein seine Thätigkeit ununterbrochen in der Stille fortgesetzt. In der letzten Zeit sind seine Mittel durch Unterstützung nothleidender Juden aus Rußland, unter welchen nicht wenige das Neue Testament gern lesen, erschöpft worden, und der Verein, der sich durch die vor Augen liegende Noth vieler heimatlosen Juden zu größerer Thätigkeit angespornt fühlt, hat sich entschlossen, sich an Freunde Israels in der christlichen Kirche mit der Bitte zu wenden, diese mögen denselben in seinem Bestreben durch Beiträge unterstützen. —" Diese Notiz möge zur Warnung für unsere hart bedrängten ruff. Glaubensgenossen dienen. Eydtkuhnerr, 6. August. Die russischen Judenausweisunaen gehen selbst der konservativen „Preuß. Litt. Ztg.", die in diesem Punkte nicht gerade an Weichherzigkeit leidet, zu Gemüthe. Sie schreibt von hier: Ein Bild des Elends entfaltet sich vor den Augen desjenigen, welcher Gelegenheit hat, die aus Rußland ausgewiesenen jüdischen Familien auf dem hiesigen Bahnhofe bei ihrem Eintreffen zu beobachten. Anerkenneswerth ist es, daß bei allen mit diesen Leuten eintreffenden Zügen Herren aus dem Unterstützungs-Eomite auf dem Bahnhofe anwesend sind und den Hilfsbedürftigen mit Rath und That zur Seite stehen. Nach einer statistischen Zusammenstellung sind an Verpflegungskosten dieser Leute im Monat Juli an 6000 M. gezahlt, außerdem ca. 20000 M. an baarem Gelde. Es wird jetzt beabsichtigt, zum Unterbringen dieser Leute, sowie auch des Gepäcks Baracken zu bauen uud es wird die königl. Eisenbahn-Verwaltung das dazu erforderliche Terrain hergeben. Bückeburg. Die hiesige Gemeinde beabsichtigt das sünfuudzwanzigjährige Jubiläum des Lehrers Bonwit festlich zu begehen. Die ehemaligen Zöglinge werden gebeten ihre Adressen Herrn Adler in Rodenberg anzugeben. In dem Städtchen Rodenberg, das durch unfern berühmten Landsmann, den Literaten Julius Rodenberg verewigt wurde, bedürfen die Schechita-Angelegenheiten dringend einer gründlichen Revision. Seit fünf Jahren harren wir vergeblich der gesetzlichen Visitation des Herrn Laudrabbiners in Cassel. Unsere Eingabe an diese oberste religiöse Instanz ist bis heute unbeantwortet geblieben. Vielleicht veranlassen diese Zeilen eine Wendung zum Bessern. A.