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Der Israelit · 1891-08-17 · Heft 65 (17.8.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 65 (17.8.1891)
Date
1891-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1230 Auf solche Weise kam zuweiten eine Gereiztheit im Verkehr zwischen R. Jsmael und den andern Genossen zum Vorschein, welche „Rabbi", der von der Lauterkeit der Gesinnung R. Jsmael's überzeugt war, wohl veranlaßt haben mochte, einer versöhnlicheren Stimmung bei seinen Schülern Eingang zu verschaffen. Zu dem Ende bereitete er ihnen das im letzten Abschnitte erwähnte Mahl, mit welchem er auf so sinnige Weise eine, Niemanden verletzende, Zurechtweisung verknüpfte. Ob aber diese Mahnung den Zweck erreichte, den er sich davon versprach? Was so lange zu befürchten war, kam endlich doch zum Ausbruch. Ein peinlicher Zwischenfall endigte mit einem heftigen Wortwechsel, der das ganze Lehrhaus in Aufregung versetzte. (105 b. nmn\) In der Vorhalle des Lehrhauses beschäftigten sich R. Chija und R. Simeon, Sohn „Rabbi's", mit der Erklärung zweier auf das Gebet Bezug habenden Bibeltexte, die sich scheinbar widersprechen. Inzwischen kam R. Jsmael hinzu und sagte: „Mein Vater, R. Josö, hat bereits diese beiden Verse in Uebereinstimlmtng gebracht. Wenn wir zu Gott beten, so sollen wir die Augen zu Boden senken und unsere Herzen erheben, wodurch man den zwei Schriftstellen: Könige I, 9, 3 und Klagelieder 3, 41, zugleich gerecht wird, der ersten sowohl, welche Gottes nrDip als auf Erden weilend darstellt, wie der zweiten, welche auf den Himmel, als der Wohnstätte von Gottes Herrlichkeit, hindeutet." Unterdessen trat „Rabbi" in das Lehrhaus ein. Die Jünger und Genossen, leicht zu Fuß, hatten bald ihre Plätze eingenommen; allein R. Jsmael, der stark und kräftig gebaut war, konnte sich nicht so rasch bewegen und brauchte längere Zeit, um zu seiner Stelle zu gelangen. Da rief ihm Abdan zu: „Wer ist es, der es wagen darf, über die Köpfe des heiligen Volkes htnwegzuschrekten?" Er wollte wohl damit zu verstehen geben: „Achtest Du jene Männer, die sich bereits gesetzt, gering und willst dadurch, daß Du an ihnen vorüberschreitcst, sie zwingen, nochmals vor Dir, dem Gelehrten, sich zu erheben?" (Schickt es sich doch für den Gelehrten nicht, als einer der Späteren in das Lehrhaus zu kommen (siehe VIII, 4 usam pm], weil er dadurch die bereits Versammelten zum Aufstehen uöthigt.) Bescheiden antwortete R. Jsmael: „Ich bin nur Jsmael, aber ich bin der Sohn R. Jos«'s, und bin gekommen, um Thora zu lernen von „Rabbi"." Hierauf replicirte Abdan: „Bist Du denn würdig von „Rabbi" Thora zu hören?" worauf R. Jsmael die Gegenfrage stellte: „War Moscheh denn würdig, von Gott zu lernen?" „Willst Du Dich etwa mit Moscheh vergleichen?" fragte wieder Abdan. Und nun erwiederte R. Jsmael: „Glaubst Du denn, daß Dein Lehrer — Gott wäre?" Es läßt sich denken, welche Wirkung dieser Vorfall in den Reihen der umsitzenden Gelehrten hatte. Wie wenn ein lang zu erwartendes Gewitter mit voller Kraft plötzlich einen großen Schaden aurichtet, so ungefähr mochte dieses Vorkommnis; auf die Anwesenden gewirkt haben. Alles war in Aufregung. Der Schlag selbst — fürchtete man — würde noch recht verhängnißvolle Folgen nach sich ziehen. (Siehe d 'd nbh pa *p-i ntodö.) Tiefe, peinliche Stille herrschte und doch fühlte Jeder, es müßte irgend etwas geschehen, ein Wort gesprochen werden, damit die allgemeine Beunruhigung sich lege. Da war es m, der die Gemüther 511 beschwichtigen suchte: „Fürchtet Euch nicht," so ungefähr ließ er sich vernehmen, „vor den schlimmen Folgen dieses peinlichen Vorgangs. Schon hat R. Jsmael in seiner wohldurchdachten Antwort das Schlimmste verhütet. Die Bescheidenheit unseres großen Lehrers nehme ich dabei in Anspruch, und weil diese mittelbar Ursache war, daß der Zwischenfall zu einer von uns Allen so schmerzlich empfundenen Scene führte — hätte doch „Rabbi", vermöge seiner Autorität, Abdan Schweigen anferlegen können — so hat R. Jsmael durch ein einziges Wort zu verstehen gegeben, daß hier die Bescheidenheit nicht ani Platze war; statt „Nin p*-) ^r, ist denn Dein Lehrer Gott, wie er'wirklich gesagt, hätte R. Jsmael sagen müssen: unser Lehrer; und so hat „Rabbi" für die nicht gut angebrachte Bescheidenheit und Nachsicht bereits gebüßt." "/iDD"ium* '3-i ''bpw,, Kaum war R. Joseph mit seiner Rede zu Ende, harrte eine Frage über eine Levtrathsche der Entscheidung. „Gehe hin," sagte „Rabbi" zu Abdan, „und leite die Untersuchung ein." „Ueber das Alter dieser Frau brauchen wir eine Untersuchung nicht anzuftellen," bemerkte R. Jsmael, „denn schon mein Vater hat gelehrt, es sei einerlei, in welchem Alter die Frau auch stehe; das Di3' - Gebot ist nicht von ihrem Alter abhängig." Sofort erklärte „Rabbi", wie immer bei solcher Gelegenheit: -,pt mm -dd. „Wir huldigen der Ansicht des R. Josv, der die Sache schon entschieden hat"; und ließ Abdan zurückrufen. — Dieser wollte nun auch ruhig durch die Reihen der Versammelten schreiten. Aber R. Jsmael sprach: „Derjenige, den das heilige Volk nöthig hat, darf sich Derartiges erlauben, nicht aber derjenige, der überflüssig ist. — „prons mp", gebot nun „Rabbi": „Bleibe Du stehen, wo Du eben stehest." Im Tal-

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