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Der Israelit · 1891-08-13 · Heft 64 (13.8.1891) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 64 (13.8.1891)
Date
1891-08-13
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1214 wehe, wird rings um das Deck mit den Brettern eine Art Stellage, „Stallung" gemacht, auch die Bretter so geschichtet, daß die Passagiere zwischen denselben sich lagern können. Bei warmer Witterung, ohne Sturm und Regen, mag es ganz gut gehen. Aber wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, oder der Nord- und Ostwind die Wellen peitscht und nur das ausgespannte Segeltuch etwas Schutz gewährt, dann muß es da oben gar ungemüthlich sein. Während solcher Schiffe im Durchschnitt nnr 2—3 pro Woche eintreffen, langten am Freitag den 1. August fast gleichzeitig drei nach etwa 48stündiger Seefahrt hier an- Das erste Schiff kam zwar noch vor Sabbatanfang, aber nicht mehr so zeitig an, daß die Insassen noch hätten nach Hamburg expedirt werden können. Sie mußten also über ras? hier bleiben. Bei der Ankunft der beiden andern Schiffe war die Dunkelheit schon hereingebrochen und nnp hatte schon lange begonnen. Rabbi Hirsch Bermann, der seit ca. 15 Jahren eine Stelle als Dajan in Riga bekleidet hatte, aber jetzt, weil von der Regierung nicht angestellt und nicht in Riga gebürtig, ausgewiesen worden, und sein Schwiegervater, der in der Vorstadt Riga's, Rothe Düne, wohnhafte Schmuelsohn, der dort als Dajan und Prediger fungirt hatte und aus gleichen Gründen vertrieben ward, befanden sich mit ihren Familien auch aus dem Schiff. Entsprechend dem fl wollten beide nicht von Bord gehen, da sie ja außerhalb des hergekommen und freiwillig nicht außerhalb sich begeben durften. Als alles Zureden und Drohen nicht half, befahl der Kapitän sie mit Gewalt herabzubringen. Ein Comitömitglied jedoch ließ sich in ein Gespräch mit ihnen ein und brachte sie, unvermerkt, bei der Unterhaltung über die Landungsbrücke. Früher, als noch die Schiffe ganz unten, am Ende der Stadt, anlegten, wäre das recht fatal gewesen, wenn man nicht von der Stelle gehen wollte. Seitdem aber die Handelskammer den großen Waarenschuppen Nr. 8 ganz und gar für die russischen Auswanderer zur Verfügung gestellt hat, legen die Schiffe unmittelbar vor diesem Schuppen an, und die beiden braven Männer hatten so für Sabbat ein Unterkommen, das sie auch erst nach Hawdoloh verließen. Ihre Leidensgefährten nahmen es nicht alle so genau, und ein großer Theil von ihnen füllte am riHl^-Morgen die Synagoge. Wie streng nach dem Ritual, wie sabbatlich, man möchte säst sagen gemüthlich und erhebend es übrigens in den Schuppen zugeht, darüber enthielten diese Blätter jüngst schon einen Artikel, und die Unglücklichen schöpfen bei solch liebevollem Entgegenkommen neuen Lebensmuth und wissen gar nicht genug Dankesworte dafür zu finden. Freilich die beiden Rabbinen nahmen Nichts von dem herumgereichten Schalend und den Fleischbroden und begnügten sich mit Hering und Brod. Erst als sich auch der Schauchet einfand und sie in ihm einen Landsmann und früheren Bekannten ersahen, wich auch ihr Mißtrauen und nahmen auch sie von den Fleischspeisen. Die Herren Falck und Mecklenburg, die Vorsitzenden des Comitös, forderten den älteren Rabbinen auf, zu nriJD eine nttm zu halten, und gerne willfahrte dieser diesem Ansinnen. Dieser Act nun, wie der alte Mann seinen Landsleuten aus allen Theilen des weiten russischen Reiches Trost zusprach, sie ermahnte und zum Festhalten an der heiligen Gotteslehre ausforderte und wie da Klein und Groß seinen Worten lauschte und mit Rührung und unter Thränen seinem Vortrage folgte, hätte auch verdient durch einen Maler verewigt zu werden. „Der Sabbat in dem Schuppen zu Lübeck" hätte ein würdiges Seitenstück zu dem Jaum Kippur vor Metz abgegeben. Aus dem einstündigen Vortrag sei wenigstens Einiges hier mitgetheilt: Der Redner wies darauf hin, wie Alles, was von Gott >T2 kommt, gut sei und zum Segen gereichen könne, wenn der Mensch den Wink der Vorsehung erkenne und seine Pflicht zu erfüllen sich bemühe. So seien auch diese grenzenlose Leiden, die über uns hereingebrochen, eine göttliche Fügung, für uns als Mahnung zur Besserung und Läuterung, für unsere glücklicheren und so unendlich gutherzigen Brüder eine Gelegenheit, ihre brüderliche Liebe zu betätigen und der Welt die Wunder zu zeigen, zu welchen das jüdische Herz fähig sei in Hingebung und Aufopferung für Anderer Leiden. So lasset uns ewig dankbar bleiben für die uns erwiesenen Wohlthaten und unfern Dank besonders dadurch zeigen, daß wir das Gottvertrauen nicht verlieren und die Anhänglichkeit an den Väterglauben, der allein dieses nimmer versiegende Mitgefühl in die Herzen unseres Volkes gepflanzt hat. Dann wird auch Gott Tn uns nicht verlassen und uns jenseits des Weltmeeres Ruhe finden lassen. Große Gefahren drohen dort unserer irdischen Wohlfahrt und manche Hoffnungen werden sich dort als betrügerisch erweisen. Aber noch größere Gefahren drohen unserem ewigen jenseitigen Heil, und wenn wir uns nicht fest dagegen wappnen, werden wir den Himmel verlieren, aber auch das Glück auf Erden nicht finden. Merket Euch deßhalb eine miDD, welche R. Moses Alscheich zu LTi angeführt, in welcher die 6 Stellen in Zusammenhang gebracht werden, in denen das Wort OllNppl vorkommt. Sehet, wenn Ihr nach Amerika glücklich gekommen seid, wird die Versuchung an Euch herantreten und sprechen: „Die eigene Kraft macht den Mann und Noth kennt kein Gebot." Ihr werdet den Ruf vernehmen: pND HDD Dnnp» Dnpmnm ('D JT’ “ü“iD3) „Seid stark und nehmet von der Frucht des Landes." Aber es wird verlangt werden, daß Ihr am Sabbat arbeitet, oder der Verdienst wird erheblich geringer sein, wenn Ihr an diesem Tage feiern wollt. Ihr werdet Euch beruhigen, denken, daß es nur für die erste Zeit aus Noth geschehe, werdet nebenbei im Hause doch Sabbat hallen, werdet beten und p’Dn legen wie bisher, auch noch das Lehrhaus besuchen in den Abendstunden und glauben, ('n y'D tnp’i) “nn yy ns jitwin nvz dd* onnp^i pflücken zu dürfen für die erste Zeit die herrliche Frucht, ohne deßhalb Euer Judenthum einzubützen oder vor Gott n"D verantwortlich zu sein. Aber unvermerkt wird, was zuerst aus vermeintlicher Noth geschehen, nachher aus Gewohnheit weiter so bleiben, weil Ihr im Geschäfte den Sabbat entweiht, die Feier auch aus Euren Häusern verschwinden, das Beten und das Lernen wird nach und nach aushören und am Ende (n"’ 'i jmrr) cnnn p nnnpn „werdet Ihr das Banngut nehmen," das Verbotene ohne Gewissenbisse, thun und gar leicht, nach den göttlichen auch die menschlichen, bürgerlichen Gesetze übertreten. Darum, meine Brüder und Schwestern, folget mir, (‘n Vn?nhdip) '1 p)N nN onnp^i haltet fest an der Bundeslade Gottes, traget sie im Herzen mit Euch in die überseeischen Städte und Gebiete, dann wird sie Euch tragen und, wie Gott TU dem König Salomon, weil er nur Weisheit sich erbeten, zur Weisheit auch Reichthum und Ehre gegeben, so werdet auch Ihr zu den religiösen auch irdische Güter gewinnen ritt DJ) Dfinp1?! (Ü"D TD rvtl'N-ü) n* „werdet auch dieses noch dazu nehmen" und wie einst unsere Ahnen beim Auszuge aus Egypten für das Tyrannenjoch, das sie abschüttelten, das Joch der Gotteslehre übernahmen, in die Freiheit und an den Gottesberg zogen und dies durch den Jsopbündel documentirten, mit dem sie das Blut an ihre Thürpfosten sprengten, so werdet auch Ihr (Td n"’ moicr.) ditn rruN DnnpTi einen solchen Bund in die Hände nehmen und die Stunde segnen, in der Ihr aus der Zwingherrschaft Rußlands zur Freiheit und ungehinderten Religionsübung nach Amerika gezogen seid. Bis sich Gott dereinst wieder seines Volkes erbarmen und unseren nnnppi Sein TinpTi als Lohn folgen lassen wird op n DuriN ’nnpr>i ow p mm TinrP und uns alle wieder sammeln wird aus allen Enden der Erde.

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