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Der Israelit · 1891-08-13 · Heft 64 (13.8.1891) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 64 (13.8.1891)
Date
1891-08-13
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1215 Der Redner flocht noch viele schöne „Wörtchen" in seinen Vortrag ein und hat sicher einen nachhaltigen Eindruck auf seine Zuhörer hervorgerufen. Für den Augenblick, für diesen rDttf war alles Elend vergessen und der ärmliche Raum schien nicht von Flüchtlingen, sondern triumphirenden Siegern erfüllt. Die Armen ahnen wohl kaum, welch' herbe Tage noch ihrer warten. Sonntag Morgen um 41/» Uhr stellten sich die Comit«-- herren wieder ein. Es ward gebetet, Kaffee, Milch und Brod verabreicht und 640 Uhr die Weiterreise nach Hamburg angetreten. Vr. S. C. Die neue Heinmth unserer russischen Glaubensgenossen. (Mit Illustrationen.) Mainz, 11. August. In einer Zeit, in welcher die Auswanderung unter unseren Glaubensgenossen in Rußland sehr große Dimensionen angenommen hat und in welcher die Blicke Aller sich auf jenen südlichsten Staat der amerikanischen Länder, aus Argentinien richten, scheint es angemessen, sich mit den Verhältnissen dieses Landes, seiner Geschichte, seinem Handel und Verkehr, sowie seiner Bodenbeschaffenheit ein wenig vertraut zu machen. Es war in diesen Blättern in den jüngsten Wochen des Oeftern das Wort des deutschen Dichters, daß die „Weltgeschichte das Weltgericht", erwähnt worden, und wir haben Hörden. Die Vizekönige und ihre Kapitäne hielten die Bevölkerung unter einem eisernen Joche. Neben ihnen thronten Inquisitoren, nicht weniger furchtbar als diejenigen von Sevilla und Toledo, und dennoch weniger blutig, weil sie aus keinen Widerstand fliehen, indem der Schrecken jede Willenskraft in den Staub niedergebeugt hatte. Soldaten oder Finanzmänner, die für ihre Dienste Zahlung forderten; Günstlinge, denen der König von Spanien zu einem Vermögen helfen wollte; geldgierige Hofleute, deren Sucht nach Reichthum befriedigt werden mußte: Wüstlinge, die wegen des Aergernisses ihres Lebenswandels entfernt werden sollten, erhielten als Lehen Komtureien, die so groß SÄ.,. ieiatnäStei■ MM »MM Muenos^Mres.7Kauptstadr von Argentinien. nachzuweisen versucht, wie die Nationen, wenn das Matz ihrer Sünden voll war, dahinschwanden, wie Israel dagegen stets zur richtigen Zeit vom Lenker der Geschicke ermahnt, zurückkehrte von feinen schlimmen Wegen, und wie es daher noch heute, ebenso wie vor vielen tausend Jahren, in der Vollkraft seines Lebens dasteht. Ein drastischerer Beweis als wie die neuesten Ereignisse für das genannte Dichterwort ihn darbieten, ist vielleicht sobald noch nicht dagewesen. Zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts entdeckten die Spanier die beiden Ströme Parana und Uruguay, die das heutige Argentinien durchschneiden. Von den Grenzen des Araukanergebietes bis zum nördlichen Ende des neuspanischen Kontinentes stand das gesammte Leben alsbald unter der Botmäßigkeit der spanischen Bewie ein Königreich und von Tausenden, ja sogar Millionen Indianern bewohnt waren. In dieser Weise bekam ein Bürger von Augsburg, Welser, als Pfand für einige Schulden Karls V., die ganze jetzige Republik Venezuela. Die Komturen hatten unbeschränkte Gewalt über die Bevölkerungen und preßten sie in Minen und Pflanzungen grausam aus. Unter den Lehnsherren trieben gierige Spekulanten ihr Unwesen und saugten den Indianern vollends den letzten Blutstropfen aus. Diese grausame Herrschaft vernichtete zu Tausenden die geknechteten Eingeborenen, und volkreiche Länder wurden zu Wüsteneien. Die Kara'iben verschwanden aus den Antillen; die achthundert Völkerschaften der Ufer des Amazonenstromes und seiner Nebenflüsse schmolzen allmählich zusammen; die

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