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Der Israelit · 1891-08-13 · Heft 64 (13.8.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 64 (13.8.1891)
Date
1891-08-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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— Erinnerte sie sich doch aus ihren Kinderjahren im Elternhause, wie oft der Vater wildfremde Glaubensgenossen mit nach Hause gebracht hatte und wie freundlich die Eltern die Fremden bewirthet und auch für ihr Weiterkommen gesorgt hatten. O gewiß, wenn sie Juden treffen würde, so war sie geborgen. Aber es lag ihr nicht nur daran, Glaubensgenoffen zu treffen — eben so sehr, wenn nicht noch mehr, war ihr daran gelegen, Nichtjuden zu vermeiden — konnte sie doch nicht wissen, ob nicht vom Kloster aus nach ihr geforscht werden würde. Einige Minuten stand sie überlegend da, dann kletterte sie ohne große Mühe über die Friedhofsmauer und schritt langsam zwischen den Gräbern dahim Sie fühlte sich sehr ermüdet, sie konnte unmöglich weiter, vollständig erschöpft ließ sie sich auf einen Grabhügel nieder und lehnte sich an einen Denkstein. — Sie wollte nur einige Minuten rasten, hatte sie doch in der verflossenen Nacht kaum eine Stunde geschlafen, war weit gelaufen, und überdies die heftige Erregung, in der sie sich während der letzten Stunden befunden — in den Gliedern lag es ihr wie Blei, es war ihr unmöglich, die Augen offen zu halten, gegen ihren Willen fielen sie ihr zu und bald lag sie, vom Schlafe überwältigt, lang ausgestreckt auf dem Grabe und schlief so sanft und so ruhig, wie sie nie je in ihrem Bette geschlafen hatte. Der Tag schritt vor, die Sonne stand bereits hoch am Himmel, ohne daß deren Strahlen die jugendliche Schläferin belästigt hätten, denn ohne es zu wissen, hatte sie ihre Ruhestatt dort gewählt, wo ein dichtbelaubter Kastanienbaum seine Zweige schützend über sie breitete. Dort wurde sie vom Friedhofwächter aufgefunden und, von der herbeigerufenen Frau desselben geweckt, von dem Ehepaar ins Haus geführt und aufs freundlichste empfangen. Sorel erzählte in kurzen Umrissen ihre Geschichte, wobei sich herausstellte, daß die Hausfrau eine Cousine ihrer verstorbenen Mutter ist. Bor allem zog Sorel auf Anrathen ihrer Wirthin, um bei etwaigen Nachforschungen nicht erkannt zu werden, deren Sabbatkleid und Sabbathaube an, in denen sie sich selbst kaum wiedererkannte, dann setzte die gutmüthige Frau ihr ein treffliches Frühstück vor und hatte ihre Freude über den jugendlichen Appetit ihres Gastes. Aber ihres Bleibens in diesem gastfreundlichen Hause konnte nicht lange dauern, wie leicht konnte sie hier in der Nähe des Klosters entdeckt werden und ihre Wirthe und die ganze jüdische Gemeinde in große Gefahr bringen. Sorel wollte zu ihrem Bruder reisen, der in Amsterdam Diamantenschleifer war. Ein frommer und rechtschaffener Mann aus diesem Dorfe, Elias Kohn, dem vor Kurzem in wenigen Tagen Frau und zwei Kinder gestorben, war im Begriffe, nach Holland auszuwandern, diesem schloß sich Sorel auf Anrathen ihrer Verwandten und der Gemeindevorsteher an. Nachdem Sorel von den Gemeindemitgliedern reichlich mit allem Röthigen für die Reise, sogar mit Wagen und Pferd versorgt worden war und diese ihren edlen Wohlthätern unter Thränen ihre Liefinntgfte und herzlichste Danksagung ausgedrückt hatte, reiften Beide ab. Zur Vorsicht hatte Sorel nach dem Rathe des klugen Friedhofwärters ihr irisches, liebliches Gesicht durch allerlei unschädliche Farben unkenntlich gemacht, so daß selbst die Klosterschwestern sie schwerlich wieder erkannt hätten. (Fortsetzung folgt.) und „Jeschururi* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Mau abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel zu bestehen bei G. F. Kleinackrr« Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland mid Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einPtstnde«. Inhalt <Ha»r«tbla:t>: weitender Artikel: Israels Trost. Bon Isaak Hirsch. — Zeitungsnachrichten und Corrsspondenzen: Deutschland: Mainz. Oberramstadt. Berlin. Hannover. Königstein. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Holland: Amsterdam. — Türkei: Kvnstantinopel. — Rumänien. Bukarest. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Das Lied im Leid. Bon Bez.-Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Schwestern. Von H. Berger. (Fortsetzung.) — Räthsel. Inhalt der zweiten Beilage: Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — England: London. Inhalt der belletristischen Beilage: Ein Sabbat im Schuppen zu Lübeck (mit Jllustr.) — Die neue Heimath unserer russ. Glaubensgenossen (mit versch. Jllustr.). — Vertriebene russ. Inden in London (Illustrationen). — Der israelit. Friedhof in Worms (mit Jllustr.). Von S. Rothschild in Worms. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr.2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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