Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1891)
- Date
- 1891-08-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1198 täglich unter demselben Vorwand Israeliten eingegebracht, welche, wie Verbrecher an den Pferden der Milizreiter angebunden, zu Fuß gehend eskortirt werden; und das sind z. B. David S ch o s und Moses Getzels Pächter des Gutes Vogdanechti, Baruch Edelstein, Armee-Feldwebel und Gutspächter, M. Ad els b erg, Cichorienfabrikant aus Jassy, alle mit ru m än. Legitimationspapieren. Die Namen vieler anderer Eskortirten, die unterwegs von den Kavalleristen malträtirt und in Bacau in die Arreste geworfen wurden, sind noch unbekannt. Aus den Dörfern um Jassy wird bekannt, daß den isr. Pächtern und deren Angestellten die Weisung zugegangen ist, binnen wenigen Tagen ihre Geschäfte zu liqnidiren und die Dörfer zu verlassen. In Jassy selbst benützt der Bezirksrichter I. Gawrilecu die jetzige Strömung zu Ausfällen gegen Israeliten in öffentlicher Sitzung, wie: „was willst Du, Jude? Gehe nach Amerika, nach Palästina!" und zu ordinären Beschimpfungen; und obwohl in einem Prozesse zwischen einem israel. Ztegeleibesitzer und zwei Christen diese ihre Geldschuld anerkannten, wies er die Klage des Israeliten zurück und verurtheilte ihn in die Kosten! Die, wie gemeldet, vom Tribunal freigesprochenen 3 russ. Isr. wurden vom Appellgericht zu je 6 Monaten und einen Tag Gefängniß und Ausweisung verurtheilt! Daß russ. Leute rumän. Gesetze kennen sollen, ist wohl auch sehr seltsam. So gehen unsere Sachen. Vermischtes. -4- Berlin. Auf Veranlassung des deutschen Eerttralcomites für die aus Rußland ausgewiesenen Juden hat der Eisenbahn-Minister verfügt, daß diesen Auswanderern bei Benutzung der vierten Wagenklasse auf den preußischen Staatseisenbahnen diejenige Vergünstigung zu Theil werde, die für die Arbeiterbeförderungen, bei denen ein öffentliches Interesse vorliegt, gewährt wird, also eine Ermäßigung von 25 pCt des üblichen Fahrpreises. In diesem Falle dürfte das öffentliche Interesse vorzugsweise darin zu erblicken sein, daß der Auswandererzug aus gesundheitlichen Rücksichten möglichst schnell von der russischen Grenze nach den Hafenorten und von da nach den überseeischen Endzielen gelenkt werde. Hamburg, 3. Aug. Wie vor einigen Tagen berichtet worden, ist von dem Hilfskomit« für die ausgewiesenen Juden der Dampfer „Rhätia" gechartert worden, um als Heim für dieselben während ihres Aufenthalts in Hamburg benutzt zu werden. Heute früh wurde die „Rhätia" nach dem Baakenhasen geholt und dort vertäut. Die gestern Abend und heute früh hier eingetroffenen Ausgewiesenen fanden bereits in dem Dampfer ein freies Quartier. Lübeck, den 2. August. Gestern Abend traf wieder eine Anzahl jüdischer Auswanderer, im Ganzen über 150 Personen, mit den Dampfern „Stadt Lübeck" und „Alpha" von Memel ein. Dieselben wurden im Schuppen Nr. 8 einquartirt, wo sie des Sabbats wegen auch noch heute und während der folgenden Nacht verbleiben werden, um morgen früh mit dem Zuge nach Hamburg weiter zu fahren. Während dieser Zeit werden die Bedürftigen von dem hiesigen jüdischen Hilfscomitö verpflegt und so weit wie möglich mit Kleidungsstücken u. dgl. versehen. Uebrigens verdient die überaus rührige Thätigkeit, mit der das hiesige Comitö bemüht ist, seinen Glaubensgenossen mit Rath und That zur Seite zu stehen, auch von Nicht-Glaubensgenossen als besonders lobend anerkannt zu werden. Hs Augsburg, 3. August. In öffentl. Magistrats- Sitzung wurde mitgetheilt, daß die berufene Visitations- Kommision über die größeren hies. Versammlungslokale Bericht erstattet habe. Es wurde betont, daß die Verbreitung des Ausgangs der Synagoge — (woran nebenbei bemerkt, auch am rottf gearbeitet wurde —) die Gefahren einer Panik rc. nicht genügend vermindere. Ueberhaupt sei es Sache der Cultusverwaltung endlich für den Neubau einer Synagoge Sorge zu tragen, anstatt in einem engen Hause und in enger Straße, und in einem nichtjüdischen Gasthof-Saale Gottesdienst abzuhalten. (Anm. d. Corresp. Vielleicht bleibt dann die Orgel weg; denn bekanntlich besuchen gerade diejenigen, welche die Orgel in die Synagogen eskamotiren, dieselben das ganze Jahr fast gar nicht.—) Bukarest, 11. August. Die Nachricht von einer angeblichen Sammlung rumänischer Truppen an der russischen Grenze behnfs Verhinderung der Einwanderung von russischen Juden ist unrichtig. An der Grenze ist nur eine gewöhnliche Militärnacht zur Ueberwachung der Grenze sowie zur Hintanhaltung des Eindringens von russischen Juden. * ti i ( f e t $ u. Habbatai Dewi. historische Erzählung Vr-nst Schwär,. (Fortsetzung.) Es war im Juni, in dein Klostergarten prangten die herrlichsten Rosen. Am nächsten Tage sollten zwei Novizen ihr Gelübde ablegen; Freunde und Verwandte der Betreffenden wurden zu dem bevorstehenden feierlichen Act erwartet, in der Kapelle des Klosters wurden mancherlei Vorbereitungen getroffen. Sorel war beauftragt, Blumen zu pflücken und Kränze zu winden, die Heiligen- und die Altarbilder damit zu schmücken. Das war eine Beschäftigung, die sie liebte, die ihrem regen Schönheitssinn weiten Spielraum bot. Einen großen Korb am Arm, eine Gartenscheere in der Hand, durchschritt sie die wohlgepflegten Gartenwege, schnitt hier mehrfach gestreifte Gräser und Buxbaumpflanzen ab, dort die prachtvoll aufgeblühten Rosen, Rosenknospen und Frühlingsblumen. Als ihr Korb nahezu gefüllt war, trug sie ihn zum Bache und setzte sich dort nieder, um ihre Arbeit zu beginnen. Doch zuvor steckte sie einige der schönsten Rosen in ihr Haar und neigte sich über den Vach, an ihrem Spiegelbilde sich zu erfreuen. Wie schön sie war! — wie wunderschön! — wie —