Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1891)
- Date
- 1891-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448182--32607-2480461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1196 die Urenkel jener Jdealgestalten zu sein beansprucht, merkt man nichts von diesen Tugenden; denn Lüge ist eure Losung, Unfriede und Haß Euer Panier und die Feigheit, die Ihr den Israeliten vorwerft, müßt Ihr im eignen Lager suchen; das Volk Gottes, die Streiter für den Einig-Einzigen, trifft Euer Vorwurf nicht. Oberrarnstadt, 11. August. In unserem Orte will Herr Dr. Böckel im Laufe des Monats September eine große Volksversammlung abhalten. Der Vorstand des Turnvereins hat es verweigert, den Turnsaal, den man in Ermangelung eines andern Locales miethen wollte, zu diesem Zwecke herzugcben. Berlin. Nachstehenden ehrenden Nachruf hat der Magistrat von Berlin dem verstorbenen Stadtrath Moritz Stadthagen gewidmet: „Am 28. v. M. verschied nach langen, schweren Leiden der unbesoldete Stadtrath Moritz Stadthagen. Er hatte schon im Jahre 1868 städtische Ehrenämter übernommen, war 1871 in die Stadtverordneten- Versammlung, 1875 in den Magistrat getreten. An jeder dieser Stelle hat er mit gewissenhafter Treue seines Amtes gewaltet. Als Mitglied unseres Kollegiums war seine hauptsächliche Thätigkeit der Armenverwaltung, insbesondere den seiner Leitung anvertrauten Wohlthätigkeitsanstalteu gewidmet. Das Interesse für sein Krankenhaus, für seine Hospitäler hat ihn trotz schmerzhafter Krankheit angetrieben, noch bis zur nahen Todesstunde an sie zu denken, für sie zu arbeiten. „Ein treuer Mitarbeiter, ein lauterer Charakter, ein anspruchsloser, liebenswürdiger Mensch ist mit ihm aus unserer Mitte geschieden. Wir bewahren ihm ein treues Gedächtniß." Hannover. Auf dem zehnten deutschen Turntag kam u. A. der Antrag Schwarz und Genossen zur Besprechung, nach welchem die Turuerschaft ihren Beschluß aus dem Jahre 1888 in Bezug auf Ausschließung des niederöstcrreichischen Turngaues wegen seiner antisemitischen Bestrebungen widerrufen soll. Der Antrag wird unterstützt durch die meisten österreichischen Abgeordneten, von dem Ausschüsse jedoch bekämpft und durch eine motivirte Tagesordnung beseitigt, in welcher gesagt ist, daß die Turuerschaft von der Anerkennung ihrer Grundgesetze nicht abgehen könne und diese Anerkennung von den niederösterreichischen Vereinen nicht zu erwarten sei. Königstein, (Sachsen). Die kühne That eines jüdischen Soldaten, des Gefreiten Israel, machte hier viel von sich reden. Auf der Festung gericth eine Kaserne ans bisher noch unaufgeklärte Weife in Brand. Die Flammen griffen so schnell um sich, daß man sich darauf beschränken mußte, die Familien des Oberstlieutenants v. Egidy und des Stabsarztes B e ch zu retten. Hierbei verunglückte der Gefreite Israel schwer, der mit eigener Lebensgefahr ein Kind des Stabsarztes den Flammen entriß. Während des Brandes war der Felsen in so dichten Nebel gehüllt, daß man selbst in dem am Fuße liegenden Städtchen Königstein das Feuer nicht bemerkte. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 1. August. Der vierzehnjährige Lehrjunge Ignaz Kapella lebte seit einiger Zeit mit dem gleichalterigen Realschüler Gustav Vogel in böser Fehde; Kapella bekennt sich nämlich trotz seiner vierzehn Jahre schon zur antisemitischen Lehre nnd so war ihm der Realschüler, der den Fehler begangen hat, als Jude zur Welt gekommen zu sein, ein Dorn im Auge. Zwischen den beiden Knaben war es einmal zu einer Rempelei, später zu einer Rauferei gekommen, die eine polizeiliche Untersuchung gegen Kapella zur Folge hatte, und bei dieser Gelegenheit hatte die Mutter Kapella's, offenbar auch eine sehr honorige Dame, zu Vogel die Aeußerung gethan: „Wart', Judenbub', das wirst Du noch zu büßen haben von meinem Buben!" Der junge Kapella prägte sich die indirekte Aufforderung, welche in dieser „Ansprache" seiner Frau Mutter gelegen war, gebührend ein, und als er am 14. Mai gegen 9 Uhr Abends in Begleitung zweier anderer Lehrbuben, des vierzehnjährigen Johann Ambüschel und des gleichalterigen Albert Frey, in der Phorusgasse promenirte und dem Vogel begegnete, hielt er die Gelegenheit für günstig, das von seiner Frau Mutter gegebene Versprechen mit aller Promptheit einzulösen. Unter dem Rufe: „Servus Judenbub'!" stürzte er auf Vogel los und forderte seinen Freund Ambüschel ans, dem Judenbuben einen „Fleck" zu geben. Ambüschel kam dieser Aufforderung nach und nun regnete cs Hiebe über den Realschüler; von Ambüschel bekam er eine Ohrfeige, Schläge auf Kopf und Rücken; Frey bemühte sich, dem so Hartbedrängten einen Stein anzuschleudern, der glücklicherweise sein Ziel verfehlte und Kapella krönte die Heldenthat damit, daß er dem Vogel mit der Kante eines Holzpantoffels derartig heftig ins Auge schlug, daß dieser unter dem Schmerzensrufe: „O weh, mein Auge l" heftig blutend zurücktaumelte. Als die drei Helden das Blut sahen, nahmen sie Reißaus. Gestern standen die drei minderjährigen Antisemiten vor einem Erkenntnißsenat unter Vorsitz des Landesgerichtsraths v. Edeskuty. Nach dem wiederholt bewährten Muster erwachsener Gesinnungsgenoffen suchten die drei Burschen sich gegenseitig zu belasten; jeder