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Der Israelit · 1891-08-13 · Heft 64 (13.8.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 64 (13.8.1891)
Date
1891-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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die Lügner zu entlarven. Wir wollen darum heute mit einer Behauptung unserer Feinde uns beschäftigen, welche dieselben durch Wort und Schrift verbreiten und welche, gerade weil sie eine gemeine Lüge ist. darauf berechnet wird, die Massen zu täuschen und den Frieden zwischen Juden und Christen zu stören. Nitualmorde verfangen in Deutschland Gottlob nicht mehr, seitdem bei Gelegenheit des Tisza-Eslar- Skandals christliche Autoritäten diesseits und jenseits der Alpen die Grund- und Haltlosigkeit dieser frivolen Beschuldigungen bewiesen und mit den wuchtigen Keulenschlägen des unparteiischen Urtheils ehrenhafter Männer der Wissenschaft das ganze Lügengebäude zerschmettert haben, und so greift man denn zu einem andern Mittel, die Juden zu verdächtigen und zu verleumden. Eines der beliebten Schlagwörter jener schon unzähligemal gehaltenen Reden der Hetzapostel der Antisemiten heißt: Feigheit. Sie werfen uns vor, unsere Glaubensgenossen hätten an den glorreichen Waffenzügen der Jahre 1870/71 wohl theilgenommen, sich aber im Momente der Gefahr in Sicherheit zu bringen verstanden und folgern dieses daraus, daß so wenig Israeliten ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen hätten. Welch eine unerhörte Lüge! Woher wissen denn die Herren Antisemiten die Anzahl der 1870/71 im Felde gefallener Glaubensgenossen? Haben sie vielleicht die Akten des Kriegsministeriums etngesehen und an der Hand dieses Materials Vergleiche angestellt? Oder haben sie bei den politischen oder Religionsgemeinden Umfrage gehalten und sich auf diese Weise zuverlässiges Material zu verschaffen gewußt? Keines von beiden. Weder das Kriegsministerium noch die politischen und Religionsgemeinden würden sich in den Dienst des Antisemitismus stellen und demselben zu seinen unlauteren Zwecken Material liefern! Wozu bedarf es dessen auch! Nur kühn darauf los gelogen; je größer die Lüge, um so größer ist ihre Wirkung, um so mehr staunt das Volk über die Dreistigkeit und Unverfrorenheit jener Maulhelden, über die Dummheit selbst der militärischen Behörden, die sich sammt und sonders von den paar Juden ein Schnippchen hätten schlagen lasten! Wenn die Lüge und die Unmöglichkeit dieser behaupteten Thatsachen nicht auf der Hand lägen, könnten wir uns durch das Compliment, welches der Antisemitismus mit dieser Lüge der jüdischen Intelligenz macht, geschmeichelt fühlen. Aber wir danken dafür; wir wollen „weder ihren Stachel noch ihren Honig." Worauf gründet sich also diese maßlose Lüge? Ja, worauf? Bedarf denn die Lüge einer Begründung? Doch wir wollen ja keine philosophische Abhandlung über die Lüge schreiben, sondern an der Hand des erreichbar gewesenen kärglichen Materials beweisen, daß die Antisemiten wieder gelogen haben. Herr Liebermann von Sonneuberg hat in einer Versammlung in Bremen diese Lüge aufgetischt und unter Anderm nach dem „Deutschen Reichs-Blatt" auch folgenden logischen Schluß verbrochen: In allen Orten, wo ich verweile, sehe ich mir hauptsächlich die Kriegsdenkmäler an. Unter all den darauf verzeichnten Gefallenen habe ich nur einen Israeliten gefunden, . ergo Schluß: 1870/71 ist nur ein Jude gefallen! Wir wollen dem Herrn mit einem ähnlichen Schluß nicht dienen, da wir sonst leicht einen Beleidigungs-Prozeß bekommen könnten , und sagen wir mit Fritz Reuter — einen Prozeß wollen wir nicht haben. Ueber die Anzahl der 1870/71 gefallenen Israeliten ist eine zuverlässige Angabe nicht zu erhalten. Den einzigen Anhaltspunkt gibt „Philippsohn, Gedenkbuch an den deutsch-französischen Krieg", und auch die darin angeführten Daten und Zahlen sind äußerst mangelhaft. Jedenfalls aber beweisen diese Zahlen, daß der Vorwurf, den Herr v. Sonnenberg uns Israeliten in seiner Rede in Bremen gemacht hat, ganz gleichen Werth hat wie die übrigen Beschuldigungen, mit denen die Antisemiten um sich werfen. Wir haben die statistisch erwiesenen Angaben von 36 kleineren deutschen Gemeinden mit einander verglichen und von 431 Soldaten isr. Confession die ins Feld rückten, 43 Gefallene zu verzeichnen; das sind ca. 10°/y. Nehmen wir nun noch an, daß nicht jeder Verwundete gestorben, und erwägen ferner, daß unsere Berechnung nur kleinere Gemeinden umfaßt, wo jede Person, die zur Fahne eilt, bekannt ist, während die größeren Gemeinden (Berlin, Stettin, Königsberg, Hamburg, Frankfurt re.) die jedenfalls den Prozentsatz der Gefallenen noch erhöhen würden, ganz außer Betracht blieben, bedenken wir ferner, daß unter den Rittern des eisernen Kreuzes 82 Juden ermittelt wurden (diese Zahl wird vielleicht dem 10. Theil der in Wirklichkeit Dekorirten entsprechen), so dürfen wir den Vorwurf der Feigheit, den der Antisemitismus den Juden macht, getrost zurückweisen. Lüge, Lüge, nichts als Lüge sind Eure Reden, Ihr Ehrenmännner; Störung des confessionellen Friedens, Verhetzung friedlich beisammen lebender Bürger gegen einander ist all euer Dichten und Trachten und Euch ist kein Mittel zu verwerflich, wenn es Euch zur Förderung Eurer Zwecke nur dienlich erscheint. Eines aber möchten wir Euch zu bedenken geben, nämlich, daß es eines deutschen Mannes unwürdig ist zu lügen und Lügen zu verbreiten. Ihr pocht ja auf Eure deutschen Voreltern; nun wohl, übtauch deren Tugenden! Eine hervorragende Tugend der alten Germanen soll ihre Treue und ihre Wahrheitsliebe gewesen sein; an Euch, die ihr

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