Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-08-10 · Heft 63 (10.8.1891) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 63 (10.8.1891)
Date
1891-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448181--32593-2480446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1183 Samuel KowLzs hat sich um die israelitische Volksschule daselbst unvergängliche Verdienste erworben. Um nun der Anerkennung und Würdigung dieser, in unserer Zeit besonders bemerkenswerthen, humanen That Ausdruck zu geben, ließ der Schulstuhl das Porträt dieses edlen Mannes malen, und wurde dasselbe am bezeichneten Tage im Beisein der höchsten geistlichen und weltlichen Würdenträger vom Schulpräses feierlich enthüllt. Der Gefeierte war von der ihm bereiteten Ovation so freudig überrascht, daß er blos wenige Worte des Dankes hervorbringen konnte. L. G.—g. ■ffabbatai Demi. historis che Erzählung P>rhnmr7. (Fortsetzung.) Sorel's Genesung machte rasche Fortschritte. Schon nach vierzehn Tagen war sie im Stande, auf einige Stunden im Tage das Bett zu verlassen, und wenn es auch noch lange währte, bevor sie wie ehedem herumspringen konnte, so war sie doch schon bald im Stande, an der Hand der freundlichen Nonnen durch das Zimmer zu gehen. Hin und wieder weinte sie zwar noch über den Verlust ihrer Eltern, aber sie war den Trosteswortcn der Klosterfrauen doch bereits zugänglich geworden, und Alle waren eifrigst bemüht, das schöne Kind zu trösten und zu unterhalten. Sie war der Liebling sämmtltcher Bewohnerinnen des Klosters, Alle plauderten gern mit ihr und amüsirten sich über ihre naiven, lebhaften Bemerkungen-, sie erzählten ihr Legenden, beschenkten sie mit Heiligenbildern und bemühten sich in jeder Beziehung, ihr die Zeit so angenehm als möglich zu vertreiben. Sorel, obgleich sie noch lange der Eltern gedachte und zuweilen im Stillen über ihren Verlust weinte, fühlte sich nach einiger Zeit doch ganz, behaglich in ihrer neuen Umgebung. Nur, wenn die Nonnen sie zuweilen zu bewegen suchten, niederzuknien und zu beten und sich zu bekreuzigen, dann konnte sie wild werden und ihre großen, funkelnden Augen schleuderten Blitze, wenn sie erklärte, sie wäre Jüdin und dürfe nicht vor Bildern knien und dürfe kein Kreuz schlagen. Vergebens bemühten sich die Nonnen, sie zu überzeugen, daß sie längst aufgehört habe, Jüdin zu sein, indem sie durch die an ihr vollzogenen Taufe Katholikin geworden. Davon wollte sie jedoch nichts hören, sie wäre Jüdin und wolle immer Jüdin bleiben und wenn der Messias käme, wolle sie mit ihrem Bruder Samuel in das Land reisen, wo Milch und Honig fließe und wo es lauter gute Sachen gebe. Die ob dieser ketzerischen Reden geängsteten Klosterfrauen hielten sich verpflichtet, dieselben der Oberin mitzutheilen. Diese war jedoch einsichtsvoll genug, anzuordnen, daß der kleinen Convertitin gegenwärtig kein Zwang auferlegt werden dürfe; wolle sie nicht knieen und sich nicht bekreuzigen, so solle sie vorläufig auch nicht dazu aufgefordert werden. Man möge nur fortfahren, sie freundlich zu behandeln, ihr fleißig fromme Geschichten erzählen, sie fromme Lieder singen lehren und dergleichen mehr, dann werde sich mit der Zeit ihre Abneigung gegen das Knieen und Bekreuzigen schon von selbst verlieren. Die Nonnen waren über die Anweisung höchlichst erfreut, denn es entsprach allseitig ihrer Neigung, der Kleinen in jeder Beziehung freundlich zu begegnen, und mit dem, was ihr unangenehm war, sie nicht zu behelligen. Nur in einer Beziehung war Sorel gezwungen, sich zu fügen, sie mußte auf den Namen Marie hören, den sie in der Taufe erhalten hatte. Zwar sträubte sie sich anfangs auch dagegen und wollte Sorel gerufen werden. Da sie jedoch hiezu Niemanden bewegen konnte, sondern von Allen Marie genannt wurde, so gewöhnte sie sich verhältnißmäßig rasch daran. Die Zeit verstrich, Sorcls Schönheit entwickelte sich mehr und mehr. Sie war noch immer der Liebling aller Klosterschwestern, die sie in all' den kleinen Künsten unterrichteten, die ihnen selbst zu eigen. Sie war anstellig und überaus klug und trotz ihres lebhaften Wesens sehr schmiegsam. Denn sie sah wohl ein, daß es in ihrem Vortheil lag, von Allen geliebt zu sein. Sie hatte daher auch ihre Abneigung, die Gebräuche der katholischen Lehre zu beobachten, längst überwunden, kniete, so oft sie die Nonnen knieen sah, bekreuzigte sich, so oft man es von ihr verlangte und betete ihren Rosenkranz ab, als ob sie es von ihrer Mutter vor sich gesehen hätte. Im Herzen jedoch mißfiel ihr gar sehr ihr eigenes Thun und sie glaubte nicht das Mindeste von Allem, was sie gelehrt wurde. Des letzten Gespräches mit ihrer Mutter über den Messias gedachte sie jedoch häufig, und oft lag sie in ihrem Bette und träumte mit offenen Augen von all' den Herrlichkeiten, die ihrer warteten, wenn der Messias gekommen sein werde und sie mit ihrem Bruder in das herrliche Land ziehen werde. Ein einzigesmal hatte sie in diesem Sinne zu den Nonnen sich geäußert, diese hatten sich darauf bemüht, sie zu überzeugen, daß der von ihr erwartete Messias längst gekommen, und hatten ihr erzählt von all' dem Großen und Herrlichen, das der Messias vollbracht — aber sie hatten dadurch nichts weiter erreicht, als daß das klug berechnende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.