Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1891)
- Date
- 1891-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1181 das weiter Erwähnte durch Ihr vielgelesenes Blatt bekannt gegeben zu werden. Am 1. August waren es 25 Jahre, daß Herr Dr.Kö n i gshöfer, damaliger Rabbiner in Hachenbach, als Direktor und Pflegevater in das hiesige israel. Waisenhaus seinen Einzug hielt. Mit welchem Eifer, in welcher Hingebung durch rastlose Arbeit und stete Fürsorge für seine Pflegbefohlenen Herr Dr. K. während der ganzen Dauer dieser Zeit wirkte, um sowohl die ihm anvertrauten Waisenkinder als brauchbare Menschen heranzubilden und zu erziehen, als auch die Anstalt selbst als Muster fürgleiche Institute voranzustellen, beweist schon, daß diese Anstalt, welche beim Antritt des Herrn Dr.K. nur 13 Zöglinge hatte und die Mittel für eine größere Zahl nicht besaß, nunmehr 46 Knaben und 16 Mädchen in ihren Räumen birgt, wo ihnen, sowohl von Herrn Dr. als auch dessen Gattin die sorgsamste Pflege und Erziehung , verbunden mit aufopfernder Liebe und Sorge für deren Gedeihen und Wohlergehen zu Theil wird. Gar viele, welche ihre Erziehung und Heranbildung nur in dieser Anstalt genossen, fungiren jetzt in der Welt als Lehrer, Kaufleute 2c. und haben dort gelernt ihren Erwerb zu finden und in der menschlichen Gesellschaft als Muster dazustehen. Mit Recht läßt sich auf den Jubilar sagen, daß er ein D'öirvn ist. Wissen doch die meisten Zöglinge, welche im zartesten Kindesalter die Anstalt betreten, kaum den Unterschied, daß sie noch einen andern Vater gehabt. Herr Dr. K. und dessen Gattin sind aber auch stets bestrebt, die Kinder mit hingebenster Liebe zu dehandeln. Die Administration der Waisenanstalt hat aus diesem Anlaß ihr Lob und Dank auch in anerkennendster Weise kundgegeben. Möge es der Anstalt und der hiesigen Gemeinde vergönnt sein, noch viele Jahre des segensreichen Wirkens des Herrn Dr. K. theilhaftig zu werden. Ploni. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Aus Ungarn, 31. Juli. In dem Maße, als das bisher unverständliche und tadelnswerthc passive Verhalten der ungarländischen Judenheit in Angelegenheit des „Sonntagsruhe - Gesetzes" war, ebenso lobens- und anerkennenswerth ist das eifrige Streben, welches die gesetzestreuen Juden und ihre Vertretung, die orthodoxe Durchführungskommission, jetzt, nach Jnslebentreten dieses drakonischen Gesetzes an den Tag legen. Aus vielen Theilen des Landes meldet man über energische Schritte, welche die jüd. Kaufleute und Handwerker einzuleiten gedenken, um eine Milderung des speziell sie in hohem Grade schädigenden Gesetzes zu erwirken. Besondere Aufmerksamkeit verdient die von den gesetzestreuen Juden der Hauptstadt ausgehende Bewegung. Herr Adolf Frankel hat nämlich auf den 26. d. nach Budapest eine Versammlung einberufen, in der er auseinandersetzte, daß es unmöglich den Intentionen der Regierung entsprechen kann, einen so bedeutenden Theil der patriotischen Bürgerschaft, wie es die Orthodoxen sind, in so schwere Bedrängniß zu bringen; daher es Aufgabe der Orthodoxen sei, dem Minister die Ueberzcugung beizubringen, daß sie es mit dem Sabbat ernst meinen. Hieraus wurde auf Antrag des Herrn Frankel ein Comits gewählt, welches über die Einberufung einer „Landcs-Confcrenz" berathen soll. Zugleich wurden der Antragsteller zum Präsidenten, die Herren Rath. Löw und M. Herzog zu Vizepräsidenten dieses Comitss gewählt. — Die orth. Durchführungskommission hat ebenfalls in dieser Angelegenheit ein Rundschreiben an die orth. Gemeinden gerichtet, in welchem sie die Vorstände ersucht, die den nas? streng beobachtenden Kaufleute und Handwerker durch die Behörde konskribiren zu lassen und die Daten ihr zur Verfügung zu stellen, welche sic dann dem Minister unterbreiten wird. L. G-g. Lemberg, 4. August. Die polnischen Blatter bringen heute aus Petersburg die unwahrscheinlich klingende Nachricht, der Ober-Procurator der Heil. Synode, Herr Pobedonoscew, habe bereits die behördliche Verordnung durchgesetzt, wonach jüdischen Geschäftsleuten in Rußland fortan verboten werden soll, ihre Kaufläden an Samstagen und jüdischen Feiertagen zu schließen. Rußland. Der Polizeimeister von Moskau hat der „Times" zufolge öffentlich sich gerühmt, daß in drei Monaten jeder Jude aus dieser Stadt vertrieben sein werde! — England. London, 5. August. Das Londoner „Echo" schreibt: „Es ist hohe Zeit, daß man einmal dem schändlichen Unsinn, welcher jetzt so häufig über die „ausländische Armenauswanderung" vernommen wird, entschieden entgegentritr. Geht man auf den Grund der Thatsachen, so stellt sich heraus, daß eine „ausländische Armeneinwanderung" gar nicht exiftirt, da selbst die ärmsten Auswanderer, welche hier Zuflucht suchen, mit dem festen Vorsatz nach England kommen, ihr eigenes Vrod zu verdienen und ihren Vorsatz in den meisten Fallen auch ausführen. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß arme Ausländer wesentlich zur Gründung neuer Industriezweige beigetragen und durch billige Produktion englischen Erzeugnissen im Auslande neue