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Der Israelit · 1891-08-06 · Heft 62 (6.8.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 62 (6.8.1891)
Date
1891-08-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1166 Bitter für die Gemeinde nicht mehr nöthig sei, resp. deren pekuniäre Lage es nicht ermögliche, die Mittel hiesür aufzubringen. Dieser Grund wurde von der Kgl. Regierung acceptirt, trotzdem 9 Repräfeutauten und 51 Gemeiudemitglieder — die ganze Gemeinde zählt 76 steuerpflichtige Mitglieder — um Wiederwahl der betr. Rabbiners vorstellig wurden und gegen obenerwähnten Grund proteftirten. Die Angelegenheit ist nunmehr von den Repräsentanten und der Gemeinde dem Kgl. Herrn Oberpräsidenten zur Entscheidung unterbreitet. O esterr. - Ungar. Monarchie. Munkacs, 26. Juli. Die hiesigen jüdischen Kaufleute, die fast durchwegs Orthodoxe sind, hielten dieser Tage eine Berathung über den schädigenden Einfluß der Sonntagsruhe auf ihren Handel, welcher nun zwei Tage ruhen muß, wenn die Kaufleute nicht ihren Glaubenssatzungen untren werden wollen. Es wurde beschlossen, die Comitate Bereg, Ung, Ugocsa und Marmaros in die Aetion miteinzuziehen und sich dann an die Debrecziner Handels¬ und Gewerbekammer zu wenden, damit diese bei der Regierung irgend welche Abhilfe erwirken möge. Großen Schaden erleidet auch die Bereger Regalienpachtung. Das Consortium zahlt täglich 310 fl. Pachtzins und hat am vergangenen ersten Rnhesountag nur eine Einnahme von 85 fl. gehabt. Schweiz. Aus Faido (Schweiz) wird gemeldet: Die Berichte der Blätter über die den 50 Eorfiotischen Flüchlingen untersagte Landung in Genua sind ungenau. Die mittellosen Auswanderer wollten in Marseille landen, was jedoch von den republikanischen Behörden nicht gestattet wurde. Daraus steuerte das Schiff „Marie Louise" nach dem italienischen Hasen in der Hoffnung daselbst gastliche Ausnahme zu finden. Jedoch wollten die Italiener den Franzosen in der Respectirung der Menschenrechte den Vorrang nicht ablausen, darum wurde auch hier das Betreten der Stadt verboten. So geschehen im Jahre 1891. Rußland. Petersburg, 1. August. Der „Rowoje Wremjä" zufolge ist bestimmt worden, daß die Kinder ausländischer Juden, welche nicht zum Aufenthalt in Rußland berechtigt sind, vom nächsten Schuljahre ab nicht in höhere und mittlere Lehranstalten ausgenonimen werden sollen. > vermischtes. < Dresden. Das königliche Ministerium lehnte das Gesuch des Buchdruckereibesitzers Gloß um Intervention bei dem österreichischen Ministerium des Aeußern behufs Aufhebung der Beschlagnahme der Beeverschen Broschüre „Bismark und Rothschild" ab. Die Beschlagnahme erfolgte auf Antrag Rothschilds. In Prag hat sich anläßlich des projeltirten, von den Jungczechen begünstigten Ausstellungszuges Wiener Antisemiten nach Prag ein Comitö jüdischer Aussteller gebildet, um eine Gegenbewegung einzuleiten. Belgrad, 31. Juli. Eine Anzahl süd-russicher Juden hat beschlossen, nach dem Khanat Bokhara zu übersiedeln. Paris. Oberrabbiner Dreifuß hat am 25. v. M. seine Stelle angetreten. — Bei dem am 26. v. M. stattgehabten Eisenbahnunglück in dem benachbarten Saint-Maudö ist auch eine hiesige israelitische Familie schwer betroffen worden; eine Frau Kahn, 65 Jahre alt, ihr Sohn Salomon, 40 Jahre alt und ihre 33 Jahre alte Tochter fanden bei der Kala strophe den Tod. Ein junger russischer Jude, Namens Zembrowsky wurde schwer verwundet. Petersburg. Eine medicinische Hochschule für weibliche Studenten wird hier binnen Kurzem ins Leben treten. Der Cursus ist auf 4 Jahre berechnet. Rach Absolvirung der theoretischen Studien muß ein zweijähriger praktischer Cursus in öffentlichen Krankenhäusern folgen, worauf die Aspirantin zur Erlangung der Würde eines weiblichen Arztes berechtigt wird. Als Docent ist Herr Dr. Benjamin Tar nowsky in Aussicht genommen. Rom. Die aus Rußland vertriebenen Juden sollen zum Theil auch in Italien aufgeuommen werden. Der Senator Bonghi steht au der Spitze eines Comit^s, das den Zweck ver folgt, Geld für die russischen Juden zu sammeln. Sämmtliche liberalen Blätter in Rom unterstützen mit großem Eifer das Werk. Bonghi ist mit Rothschild in Verbindung getreten. Der Millionenkönig verspricht besondere finanzielle^ Unterstützung, wenn man einige jüdische Kolonien in Italien an legen läßt. Athen, 22. Juli. Wie der „P. C." gemeldet wird, dauert die Rückkehr der geflüchteten Juden nach Korfu fort und wird von der griechischen Regierung unterstützt. Unlängst hat dieselbe das griechische Geueralconsulat in Alexandria bevollmächtigt 150 jüdische Flüchtlinge, welche zur Rückkehr bereit waren, auf Kosten, der Regierung zu repartiren. MW :<'5 Die rZckrrvePteer». - Von H. Berger. (Nachdruck verboten; alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung aus Nr. 60.) „Deine Mutter ist meine einzige Schwester", begann die Tante. „Ich sage: ist meine Schwester, denn ich weiß nicht, ob sie noch lebt oder ob schon das kühle Grab sie umsaßt. Seit dem Tage, an detn sie mir vor fünfzehn Jahren ihr dreijähriges Töchterchen übergab, habe ich sie nicht mehr gesehen, nichts mehr von ihr gehört. Ich hoffe, daß sie noch lebt und bald zu uns zurückkehren wird.

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