Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1891)
- Date
- 1891-08-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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[ XXXII. Jahrgang. ®Vftt Beilage,u M 62„Israelit Irschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Sie haben in Ihren jüngsten Nummern den Bericht des Herrn Arnold White, des vom Herrn Baron Hirsch entsandten Delegirten gebracht. Derselbe zollte den - jüdischen Ackerbau- Eolonien in Rußland sein ungethetltes Lob. Wir glaubten, das Urtheil dieses Fachmannes, der die Pflicht hat, seinem Austraggeber reinen Wein einzuschenken, hätte genügt, um alle gegnerischen Meinungen verstummen zu machen. Eine Petersb. Zeit, die „Russkaja Shisn", glaubt anderer Ansicht sein zu müssen. Dteselbeschreibt: „Da der Versuch jüdischer Ackerbauer-Colonten im Süden wenig Früchte-getragen, so wurde höheren Orts beschlossen die Ländereien derjenigen Ansiedler, die sich nicht bewährt, staatlich anzukaufen. Die wenigen Bewährten sollen zu einer Colonie verschmolzen und mit gutem Lande versehen werden. Dagegen sollen die „Ungeschickten", deren Zahl sehr groß sein soll, nach dem Ansiedlungsrayon verschickt werden." — Sonderbar an der ganzen Geschichte klingt das Zusammentreffen dieser Entdeckung mit den Zugeständnissen an Baron Hirsch. An einem andern Ende der russischen Hauptstadt stößt ein Correspondent der „Nova Wr." tiefe Klagen aus, daß es in dem südwestlichen Rußland schlecht mit den russischen Staaisinteressen stehe. Diesmal wären es nicht die Deutschen, sondern die Polen und Juden, welche das Russenthum schädigen. Die russischen Güterbesitzer unterlassen es nämlich ihren Grundbesitz selbst zu verwalten, übergeben vielmehr dieses mühselige Geschäft den Polen und Juden und verbrauchen ihren Pachtschilling in der Großstadt, die ihnen allerdings etwas mehr Abwechslung bietet, als die langgestreckten Kartoffelfelder. Da soll nun Remedur eintreten, die russischen Gesetze müßten auch auf den Südwesten ausgedehnt werden, um auch da mit den jüdischen Pächtern baldmöglichst aufzuräumen. Die „Nova Wr." weist allerdings ihren Correspondenten zurecht und räth ihm gerechtere Mittel vorzuschlagen und nicht den Fleiß und die Ueberlegenheit des polnisch-hebräischen Elementes zum Gegenstand eines ganz unberechtigten feindseligen Angriffes zu machen. Man erkennt aber recht deutlich, wie hie und da die entgegenftehenden Ansichten keimen, um dort die jüdischen Landleute um ihrer Unfähigkeit willen zu entfernen und ihnen hier die allzu große Fähigkeit den Boden zu bebauen, zum Vorwurf zu machen. — So dürfen wir hoffen, daß es dem Baron Hirsch und seinen edlen Mitverbündeten an schätzbarem Menschenmaterial nicht fehlen wird. Berlin. Man meldet aus Bukarest die unglaublich klingende Nachricht, daß daselbst 27 jüdische Flüchtlinge aus Rußland angelangt sind. Daß die Regierung dieselben bei Burdujeni über die Grenze geschafft hat, wollen wir nicht bezweifeln. — Lemberger Blätter melden, daß die städtischen Behörden in Russisch-Polen den Befehl erhielten, sämmtliche ausländische Juden, die ohne Genehmigung des Ministers die Grenze passirten, schleunigst auszuweisen. — Auch in Thorn (Provinz Posen) — so meldet die „Thorner Zeitung" —, verfahren die nieder» Polizeibeamten seit jüngster Zeit mit einer rücksichtslosen Strenge gegen die Auswanderer. Es wird von jeder Familie verlangt, sich durch einen Auslandspaß, durch Fahrkarten und genügende Geldmittel zu legitimiren. Diejenigen', welche diesen Nachweis nicht führen konnten, wurden zwangsweise nach der Heimath befördert. Durch diese strenge Maßregel nimmt die Zahl der Emigranten mit jedem Dage immer mehr ab. Das kaiserliche russ. Finanzministerium hat ein neues Börsenstatut entworfen. Der Besuch soll allen Kaufleuten 1. und 2. Gilde gestattet werden. Auch die Nichtgetauften dürfen ihr Glück suchen oder Pech sinden. Dagegen soll das Institut der Börsenmakler zu drei Vierteln aus getauften Herren bestehen, und nur ein kleines Viertel Nichtgetaufter darf es wagen den höher Begnadeten gleich zu thun. Murawiew, der große Polenschlächter soll in Wilna durch ein Denkmal verewigt werden. Da dem Verblichenen das Alleinstehen langweilen könnte, so erlauben wir uns den großen Judenfresser Jgnatief als Nebenmann zu empfehlen. AuS der Provinz Pose«, 2. August. Zur Jllustrirung der in Nr. 60 dss. gesch. Bl. enthaltenen Berichtigung möge Nachstehendes dienen: Nicht nur der betr. Rabbiner, sondern auch 54 Gemeindemitglieder hatten an die Kgl. Regierung eine Beschwerde gerichtet, wodurch der Beschluß des Vorstandes aufgehoben wurde; die Berufung des Vorstandes an den Kgl. Herrn Oberpräfidenten wurde ebenfalls zurückgewiesen. Als vor Ablauf der Amtsperiode des betr. Rabbiners die Gemeinde und die überwiegende Majorität der Repräsentanten — die während dieser Zeit von der lautern Handlungsweise des betr. Herrn Rabbiners sich überzeugt hatten — die Wiederwahl desselben forderte, wurde von dem Vorstand und mit ihm von der Minorität der Repräsentanten geltend gemacht, daß ein Rab-