Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-08-06 · Heft 62 (6.8.1891) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 62 (6.8.1891)
Date
1891-08-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448180--32573-2480425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1164 Ohne sich weiter umzufehen, verließen die Nonnen das verwüstete Haus, für die Leichen konnten sie nicht sorgen. Aber das kleine Mädchen trugen sie abwechselnd wohl eine Stunde lang, bis zu ihrem, abseits von der Heerstraße in der Nähe eines Waldes gelegenen Kloster. Es war eine tiefe, lang anhaltende Ohnmacht, die die Sinne des Kindes umfangen hielt, Schreckliches war ihr im Laufe dieses Tages widerfahren und überdieß hatte sie seit nahezu zwölf Stunden keinerlei Nahrung zu sich genommen. Sobald die Nonnen ihr Kloster erreicht hatten, benachrichtigten sie die Oberin, daß sie ein verwaistes Kind gefunden, und diese ließ bereitwilligst die erforderlichen Anstalten treffen, das allem Anscheine nach schwer erkrankte Kind in Pflege zu nehmen. Als man sie entkleidet und zu Bette gebracht hatte, hatte sie doch auf einen Moment die Augen aufgeschlagen, aber sie waren ihr sofort wieder zugesallen und das Bewußtsein schien nicht zurückgekehrt. Die Klosterfrauen pflegten sie mit aufopfernder Treue, Tag und Nacht verbrachten sie abwechselnd an dem Krankenbette, denn ein hitziges Fieber hatte sie ergriffen. Viele Tage lag sie im wildesten Delirium, in dem die Schreckensszenen, die ihre Krankheit hervorgernfen hatten, sie unablässig verfolgten. Bald glaubte sie sich verfolgt von den wütheuden Kosaken, bald wollte sie die Mutter fortreißen aus dem Arm des Wütherichs, bald wollte sie dem Vater das blutüberströmte Antlitz trocknen. Und dann schrie sie plötzlich auf „tobt! todt!" und rang in wildem Schluchzen die Hände. Alles beruhigende Zureden war vergebens, denn sie schien kaum zu hören, wenigstens nicht zu verstehen, was inan zu ihr sprach. Endlich, nach zehn Tagen war die Krisis überftanden, die wilden Fieberphantasien ließen nach, aber vollständig erschöpft und auch noch immer nicht fieberfrei lag sie da. Als das Fieber den höchsten Grad erreicht hatte und die Klosterfrauen von Stunde zu Stunde den Eintritt der Katastrophe fürchteten, hatte die Oberin, die, eine überaus fromme Frau, um das Seelenheil des unglücklichen Kindes besorgt, an diesem die Nothtaufe vollziehen lassen. Seit jener Stunde hatte sich die Theilnahme der Nonnen für das schöne Kind noch gesteigert und Alle athmeten erleichtert auf, als die Krisis überstanden und die Krankheit sich zum Guten zu wenden schien. Abermals war eine Reihe von Tagen vergangen, Sorel befand sich jetzt entschieden in der Reconvalescenz, aber das ehedem so frische, lebhafte 'Kind war noch überaus matt und hinfällig. Sie beantwortete zwar an sie gerichtete Fragen mit leisen, möglichst einsilbigen Worten, sonst sprach sie nichts, lag entweder mit geschlossenen Augen oder starrte träumerisch vor sich hin. Die Klosterfrauen ließen sie nie allein und sorgten mit größter Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse. (Fortsetzung folgt.) Auflösung des Kevr. Wätyfels in Wr. 60. ptr1? Sprache. — Zunge. Richtige Söfnttgett sandten ein: Siegfried und Isaak Steiu iu Harburg (Bayer»). Lehrer und Kantor M. Sulmauu in Lechenich. Joseph Saiuuek iu Zülpich. Saily Lehman» in Darmstadt. Lehrer Max Bonyhadi in Warlberg. Marx Karlfmann in Lichtenau (Baden). Nathan, Sohn des Jsaac Eschwege in Fulda. Daniel Dreysust in Ussheim. M. Lipschütz in Paris. Lehrer Marcus Schatz in Rüsselsheim. S. Schotten in Pecsenyed. „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich k2 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel Jtt beziehen bei E. F. Strinacker. Leipzig, Dofzplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Emirs. — Directe Francozniendniig unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. (Fortges. von Likpm. Ph. Prins, Frankfurt a. M.) — Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Ans Baden. —Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Frankreich: Paris. — Amerika: Washington. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorresyondenzen: Deutschland: Berlin. Ans der Provinz Posen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Munkacs. — Schweiz: Faido. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Schwestern. Von H. Berger. (Fortsetzung.) Inhalt der zweiten Beilage: Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. Prag. Lemberg. — Türkei: Kauen. — Spanien: Madrid. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction : Oscar Leh n.ann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hosbuchdrnckerei Actien Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.