Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1891)
- Date
- 1891-08-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWWWUD^M^WWM' 1163 Religionsgesetze emtritt und den Judenfeinden manches für sie herbe Wort der Wahrheit vor Augen führt. Aus Küstrin wird der „Berl. Ztg." mitgetheilt, „daß ein Offizier seine dienstliche Stellung dazu mißbraucht habe, um einen jüdischen Soldaten gröblich zu beschimpfen." Das Blatt Iheilt genaue Einzelheiten darüber mit, und es ist an-- zunehmen, daß der Fall zur Kenntniß des Herrn Kriegsministers kommen werde. Freiherr von Schaffenberg auf Kalkofcn im Kreise Esch Wege, Majoratsherr und preußischer Husaren-Rittmeifter der Reserve, spendete kürzlich zum Synagogenbau in Wannfried den Betrag von 900 Mk., welche er dem Vorsteher der Synagogengemeinde übersandte, nachdem er mit Letzerem, einem schlichten Handelsmann, Tags vorher gelegentlich über den Bau eines Gotteshauses gesprochen. Da die jüdische Gemeinde in Wannfried klein und nicht besonders leistungsfähig ist, so ist das Geschenk mit ganz besonderer Freude ausgenommen worden. Oedenburg (Ungarn) 20. Juli. Am 17. d. fand die Einweihung der neuerbauten Synagoge der hiesigen orthodoxen Gemeinde statt, an der sich außer den Gemeindemitgliedern die Staats- und Stadtbehordeu sowie viele christliche Mitbürger betheiligten. Die Herren Rabbiner S. Kuttner '"3 aus Eisenstadl und Grünewald von hier hielten meisterhafte Reden, die beim zahlreich versammelten Publicum begeisterten Beifall fanden; am darauffolgenden rot? erfreute uns Herr Rabbiner Alt J aus Kobersdorf mit einer gediegenen nicm. Konstantinopel, 28. Juli. b Der hiesige Berichterstatter der „Times" ist von der türkischen Regierung formell ersucht worden, die von Wien ansgegangene Meldung, daß englische nach Jaffa bestimmte Dampfer mit russischjüdischen Emigranten an Bord angehalten worden seien und die britische Botschaft dagegen protestirt habe, als unbegründet zu erklären. t ett« ^cibbatcn fpieitü. h i st o r i f ch e Erzählung 'Ernst Scknvarr. (Fortsetzung.) Mehr und mehr wagte sich die Kleine hervor, ängstlich suchend blickte sic in alle Winkel. „Papa!" rief sie laut, „Mama! Papa!" Plötzlich stieß sie einen gellenden Schrei aus. Unter einem Haufen Federn dort im Winkel hatte sie die Füße ihrer Eltern erblickt. — Wie sinnlos flog sie dorthin, schob die blutgetränkten Federn zurück und hatte nun die blutbedeckten Leichen ihrer Eltern vor sich. — Die Leiche der Mutter lag noch auf der Leiche des Vaters. Das Wehgeschrei des Kindes erfüllte die Luft. „Mama! Papa!" schrie sie unaufhörlich und rang die kleinen Hände, „Mama! — Papa! —" und mit allen ihren Kräften bemühte sie sich, das Haupt ihrer Mutter zu heben, um ihr in's Antlitz zu schauen — es wollte ihr nicht gelingen. Dann kniete sie neben den Leichen nieder und bemühte sich, mit ihrer Schürze das blutüberströmte Angesicht ihres Vaters zu trocknen und dabei rief sie die Eltern unaufhörlich mit den süßesten Schmeichclnamen und flehte sie an, aufzustehcn oder wenigstens mit ihr zu sprechen. Die Eltern regten sich nicht. Die Verzweiflung des Kindes steigerte sich von Minute zu Minute, aber sie ließ nicht nach mit ihren Bitten und ihrem Flehen und dabei streichelte sie die bereits erkalteten Leichen. „Mama! Mama! schau' Sorel an! — Papa! Papa!" „Was treibst Du da, Kind?" fragte plötzlich eine fremde Stimme in ihrer unmittelbaren Nähe, und eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Unwillkürlich wandte sich das Kind um, zwei schwarzgekleidete Frauen, Klosterschwestern, standen neben ihr. Sie hatten im Vorübergehen durch die zertrümmerten Fenster die lauten Klagen des kleinen Mädchens vernomnien, ein Blick in das Innere hatte sie belehrt, was hier vorgegangen und sie hatten inniges Mitlciden mit dem verlassenen Kinde empfunden. Daß es vollständig verlassen war, bezweifelten sie nicht, denn sie hatten bereits das Dorf durchschritten und überall nur leere Häuser oder Leichen gefunden. Sorel, durch die Gegenwart der Klosterfrauen eingeschüchtert, unterdrückte ihre lauten Klagen, aber sie neigte sich über die Leichen und flüsterte ihnen Liebesworte zu und beschwor sie flüsternd, sie möchten sie doch anschauen und aufstehen. Die menschenfreundlichen Nonnen waren sichtlich erschüttert. „Komm' mit uns, Kleine", sagte die Eine, sich zu ihr neigend. Sorel schüttelte abwchrend den Kopf und umschlang die Leichen. „Komm' mit uns," wiederholte die Nonne freundlich, „Du kannst doch hier nicht ganz allein bleiben." Sorel neigte sich über die Leichen und flüsterte ihnen weiter Schmeichelworte zu. „Komm' mit uns, Deine Eltern hören Dich nicht mehr, sie sind todt." „Todt!" schrie das Kind voll Entsetzen, „todt!" wiederholte es, von unnennbarem Grauen erfaßt. Sie schien aufspringen zu wollen, doch plötzlich ward cs schwarz vor ihren Augen und mit einem halblauten Aechzen fiel sie rücklings zu Boden. Beide Nonnen neigten sich zu ihr und hoben sie empor. „Sie ist ohnmächtig," sagte die Eine, „armes Kind!" „Es ist besser so," entgegnete die Andere, „sie ist nicht schwer, wir können sie abwechselnd tragen."