Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1891)
- Date
- 1891-08-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1161 treuer und charakterfester Genosse, wurde durch einen allzufrühen Tod seiner frommen Wirksamkeit entrissen. Lehrer und Kollegen werden den edlen Heimgegangenen allezeit eine liebevolle Erinnerung bewahren. — Wenden wir uns wieder den Lebenden und ihrem gedeihlichen Wirken zu, so haben wir dankbaren Herzens zu conftatiren, daß der im Dienste Gottes ergraute Rector nach wie vor seines schweren Amtes als Leiter der Anstalt und Vorsitzender des Kuratoriums waltet. Gehört auch der Meister nicht zu „den Geduldigen, die immer Frieden wollen und nie in Zorn entbrennen", denn sein höchstes Ideal ist die Wahrheit, die nicht schonen kann, wo sie treffen muß, so weht dennoch ein milder Hauch freundlicher Duldung über sein ganzes Walten. Darum öffnen sich ihm auch die Herzen derjenigen Brüder, die nicht mit ihm den Gang nach dem Heiligthume unternehmen. Immer eilt ihm der Ruf von dem, was er Heiliges und Großes erstrebt, voraus, und kein Edler verschließt ihm seine Pforten, Alle finden sich bereit, ihre Gaben zu spenden, wenn Dr. Hildesheimer mahnt, wenn er an den Opferaltar ruft. Doch das Nehmen und Empfangen ist nicht das Hauptverdienst des emsigen Leiters der Schule, die sein Name schmücken wird für alle Zeiten. Höher stehen die Lehren und das Leben, die vorbildlich wirken auf Schüler und Gemeinden, deren Glanz nicht erlöschen wird, so lange man zu dem Gott unserer Väter hienieden Herz und Geist erheben wird. „Nicht, was Dir gegeben wird, was Du selber gibst, was Du Unsterbliches leistest, bestimmt den Reichthum Deines thatenreichen Lebens." Berlin, 30. Juli. Die „Nat.-Ztg." bringt einen Artikel, in welchem sie aus der Kriminalstatistik nachweist, daß zu der Anzahl der bestraften Personen die Katholiken einen größeren Prozentsatz stellen, als es nach ihrem Verhältniß zur Bevölkerungsanzahl gerechtfertigt sein würde. Allerdings fügen sowohl der Verfasser des Artikels selbst wie die Redaction einige einschränkende Bemerkungen hinzu. Sehr richtig bemerkt hierzu die „Freis. Ztg.": „Wir müssen uns grundsätzlich gegen solche Ausführungen erklären. Es liegtauf der Hand, daß die Konfession kein Anlaß sein kann, die Neigung zu verbrecherischen Handlungen zu bestärken. Wenn wirklich eine Konfession an der Anzahl der bestraften Personen im Verhältniß stärker betheiligt ist als eine andere, so liegt die Ursache darin, daß die Verhältnisse des Besitzes und der Bildung verschieden vcrthcilt sind. Alle solche Ausführungen leisten nur der Konfcssionshetze Vorschub." Aus Baden, 28. Juli. Der neu ausgegebene 3. Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden zeigt in erfreulicher Weise, wie sich das Gefühl des Erbarmens über Kinder, die das Unglück hatten frühzeitig ihre Eltern zu verlieren, durch reichliche Gaben der Milde und Wohlthätigkeit kundgibt tan D’jcm »» o'jom Nur wenige Gemeinden sind zurückgeblieben und fast alle Bemittelten in diesen Gemeinden zahlen einen jährlichen Beitrag von 4 M. und geben noch sonst freiwillige Spenden, so daß die Summe der Jahresbeiträge für das verflossene Jahr 9229 M. 80 Pfg. und die Schenkungen und Spenden 21354 M. 73 Pfg., die Gesammteinnahmc 35338 M. 71 Pfg. (mit Kapitalzinsen) betragen und schon 33 Waisen in Fürsorge des Vereins sich befinden und auf Kosten desselben verpflegt werden können, linier den Stiftungen, die dem Verein im verflossenen Jahre gemacht worden sind, ist die zum Andenken an die verewigte Rosa Sulzberger, geb. Weil, gestorben in New-Aork, von ihrem Manne FerdinandSulzberger aus Obergrombach bei Bruchsal, jetzt in New-Pork wohnhaft, mit 10,000 M. und von ihren Brüdern Jonas und Samuel Weil aus Emmendingen in Baden, jetzt ebenfalls in New Port mit 4000 M., zusammen 14000 M. rühmend zu verzeichnen. Der Vermögensstand beträgt an Kapitalien 72554 M. 10 Pfg., Kaffenvorrath 4313 M. 06 Pfg., Utensilien 207 M. 05 Pfg., zusammen 77074 M. 21 Pfg- Unterm 18. October 1890 Nr. 629 wurde von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog dem Verein die.Körperschaftsrechte verliehen, und hat derselbe dadurch die staatliche Anerkennung erhalten. Möge der Verein auch ferner wie seither an Kraft und Stärke zunehmen, damit er allen herantretenden Anforderungen gerecht werden könne. O e st e r r. - U n g a r. Monarch! e. Budapest. Die ersten jüdischen Auswanderer aus Kiew, 6 Familien, sind hier angelangt, die meisten so versunken in ihren Schmerz, daß sie völlig theilnahmslos sind sogar den Sympathien gegenüber, die ihnen von der hiesigen Bevölkerung entgegengebracht werden. Ein Jude von ungefähr 40 Jahren berichtete unter Thronen und Seufzern Folgendes: „Ich bin der unglücklichste Mann unter der Sonne! Vor wenigen Wochen noch war ich ein wohlhabender Kaufmann, geachtet und beliebt bei meinen Mitmenschen um meiner Rechtschaffenheit willen, wie ist nun alles anders gekommen!" Er erzählt, daß er lange bevor er den Answeisungsbefehl erhielt, entschlossen war, Kiew zu verlassen, aber fein Weib lag krank darnieder ohne ärztliche Hilfe; die jüdischen Aerzte waren ausgewiesen worden und von den christlichen wagte es keiner,