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Der Israelit · 1891-08-06 · Heft 62 (6.8.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 62 (6.8.1891)
Date
1891-08-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1160 Zeitnrrgsnachrichle« ttttb Correspoudeuze«. Deutschland. Mainz, 2. August. Eine dritte Sendung mit 500 Mark ließen wir heute an Rabbi Jizchak Elchanan Spector, Oberrabbiner in Kowno, abgehen. Der greise Rabbi bestätigte uns dieser Tage den Empfang der beiden ersten Sendungen in einem von Dank überströmenden Schreiben. Wir übermitteln diesen Dank hiermit den Spendern, die mit ihren Gaben unzählige Thränen getrocknet und grausamen Hunger gestillt. Weitere Spenden nehmen wir freudig entgegen. Berlin, 2. August. Immer eilt der Ruf von dem, was wir gethan, voraus, verschließt oder öffnet uns die Pforten." — Der ernste Wille eines Mannes hat dem strenggläubigen Judenthume in Berlin eine dauernde Stätte geschaffen, um welche sich die Gesetzestreuen Deutschlands schaaren, um von ihr Licht und religiöses Leben zu empfangen. Mit dankbarer Bewunderung blicken wir auf den Mann, der rastlos vorwärts strebt, der selbst im Greisenalter nicht ermüdet stille steht, um die Vollendung einer Lebensaufgabe zu erschauen, von welcher Heil und Segen der Glaubenstreuen abhängig ist. Nach achtzehnjährigem, schweren Ringen und Arbeiten beglückt Herrn Dr. Israel Hildesheimer die freudige Empfindung, daß sein Institut, welches er in den Dienst der Religion gestellt, die Anerkennung der gläubigen Israeliten des weiten Erdkreises genießt. Der Ruf seiner selbstlosen Wirksamkeit eilt dem wackeru Kämpfer für Glaubensreinhett voraus und öffnet ihm die Pforten der Edlen in Israel, die ihr Judenthum über Alles lieben. — Ein Blick in den jüngst erschienenen Jahresbericht des Berliner Rabbiner-Seminars überzeugt uns, daß der Kreis der Gönner desselben sich mit jedem Jahre erweitert, daß der Guten nicht so wenig sind in der Welt, und daß Herr Dr. Hildesheimer sie zu finden weiß. Das Mitgliederregister hat eine erfreuliche Erweiterung erfahren crnps v.-w »pn 'i. An größer« Widmungen sind der Anstalt 4200 Mk. zugegangen. Dem Fonds wurden 16261,85 M. zugeführt, die immerwährenden Mitglieder leisteten 6322,80 M. p. a., die 1255 ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder 43055,74- M. Berlin ist mit 203 Mitgliedern vertreten, die übrigen vertheilen sich über alle Gegenden der civilisirten Welt. Alle Berufsklassen und Stästde tragen zur Erhaltung des segensvoll wirkenden Institutes bei. Nach 17 Gemeinden wurden die Hörer, deren Zahl 58 betrug, — als Rabbiner bezw. Lehrer berufen. Wahrlich ein beredtes Zeugniß für das Vertrauen, welches den streng ernsten Prinzipien entgegengebracht werden, von welchen das Seminar geleitet wird. Mit besonderer Genugthuung muß verzeichnet werden, daß zwei Hörer Seligkowitsch aus Jaffa und Wreschner aus Breslau die an der Berliner philosophischen Fakultät gestellten Preisfragen lösten und die ausgesetzten Prämien erhielten. Die kaiserliche Regierung der Reichslaude in Straßburg gewährte zwei Hörern je 1000 M. Stipendien p. a.; aus der Könkgswarter'schen Stiftung in Wien und der Gabriel Rießer-Stiftung in Fürth wurden gleichfalls nahmhafte Stipendien bewilligt. Das Gesammtvermögen des Seminars hatte am 1. September 1890 die stattliche Höhe von 321909,83 M. erreicht. — Wir wünschen dem Curatorium, daß seine wohlbercchtigten Hoffnungen, die es auf die hochherzigen Glaubensbrüocr setzt, in Erfüllung gehen, daß die Rabbinerschule alsbald der Jahresbeiträge entbehren könne. — Eine Fundirung der Anstalt, welche dieselbe von der Wandelbarkeit der laufenden Beiträge unabhängig machte, entspräche mehr der Würde des Institutes, das berufen ist die geistigen Führer der israelitischen Gemeinden Deutschlands hcranzubilden. Die Jahresbeiträge sollten nur den Hörern zu Gute kommen, welche neben dem Studium der Halacha und den Vorbereitungen für das Predigt- und Lehramt ihren philosophischen Studien obliegen und außerdem durch zeitraubenden Privatunterricht einen Theil ihres Unterhalts mühevoll erringen müssen. — Sehr berechtigt erscheinen uns die ftrengern Bedingungen, welche den Prüflingen gestellt werden. Die Zeit zwischen dem Abtturienteuexamen und dem Eintritt ins Seminar müßte stets auf einer Jeschibah verlebt werden. Der Besuch eines Gymnasiums und das Leben in der Großstadt lenken allzu sehr ab von einem gründlichen Herniedersteigen in die Tiefen des Talmud. Nur dann kann eine hinreichende Vorbildung für die Schiurim, die in Abtheilung A, in 8 und Abtheilung B ht 9 wöchentlichen Stunden abgehalten werden, ermöglicht werden. Wie das Leben des Einzelnen nicht von Trübungen verschont bleibt, so haben auch Verbände ihre Leidensgeschichte, die oft bis ins Tiefinnerste der Seele dringen. Von solch' erschütternden Ereignissen wurde auch das Seminar heimgcsucht. Der hoffnungsvolle Hörer Nathan Adler aus Frankfurt a. M. wurde von einem jähen Dod hinweggerafft. Der Rabbiner Dr. Heinrich Biberfeld, ein vortrefflicher Kenner der talmudischen Disciplinen, dessen seltene Geistesgaben und Vorzüge von sämmtlichen College» neidlos anerkannt wurden, sank in der Blüthe des Lebens in das kühle Grab. Auch ein Schüler der älteren Generation, Rabbiner Dr. Solomon Singer, ein

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