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Der Israelit · 1891-08-06 · Heft 62 (6.8.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 62 (6.8.1891)
Date
1891-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Hermann Adler bei seiner Amtseinführung als Chief Rabbi der vereinigten jüdischen Gemeinden des britischen Reiches ist im Drucke erschienen. „Genau sechs und vierzig Jahre sind es," heißt es in der Einleitung, „seit ich in jener Gallerte gesessen, eng an meine theuere Mutter geschmiegt mit kindlicher Verwunderung den auffälligen Vorgang anstarrend, der eben dort unten sich vollzog, die Amtseinführung eines neuen Chief Rabbi. Ich verstand damals nur wenig von der Rede, die bei jener Gelegenheit gehalten wurde, aber seit jener Zeit habe ich oft die Worte gelesen und überlesen, die von meinem geliebten Vater und verehrten Vorgänger gesprochen wurden. Er verweilte bei den Gefühlen der Mutlosigkeit und Angst, mit der er sein neues Amt betrat, ein Fremder in fremdem Laude, dessen Sprache er damals noch unvollkommen verstand, hineingestellt in eine Umgebung, die dazumal ihm neu war. Noch sind, so glaube ich, heute mehrere hier, welche der Gluth sich erinnern, mit der er Gottes Hilfe und Segen anrief, eine Hilfe und ein Segen, welche in der That so sichtbarlich von dem Augenblicke an sich an ihm äußerten, da er den Fuß auf diese Küste setzte bis zu der Zeit, da seine Seele in ihre himmlische Heimath in Heiligkeit und Reinheit wiederkehrte. Meine Stellung ist von wesentlich verschiedenem Character. Ich bin in Ihrer Mitte aufgewachsen. Ich habe es versucht meine geistige Nahrung aus den reichen Vorrathshäusern des Denkens und der Gelehrsamkeit unseres theueren England zu schöpfen. In meinem Vaterhause ist mir als Schüler und Student und nachher durch ein Jahrzehnt stufenmäßig zunehmender Verantwortlichkeit jede Einzelheit des erhabenen Amtes, zu dem durch die Vorsehung Gottes und die Stimme der Gemeinde ich berufen wurde, mir vertraut geworden. Ich stehe hier vor Freunden. Viele von Ihnen sind meiner Seele verknüpft. Wir haben süßen Rath mit einander gepflogen, Ihre treue Freundschaft hat sich mir als Halt, als Trost, als Entzücken erwiesen. Und doch muß ich bekennen, daß mich Gefühle von Bangen und Besorgnissen beschleichen, nicht minder scharf und stechend als jene waren, die durch die Brust unseres verewigten Chief Rabbi gezogen sind. Und Sie Alle können dies würdigen, wie ich hoffe, daß Sie Alle mit den Motiven und Ursachen übereinstimmen werden, welche diese Bangigkeit eingeben und diese Zweifel Hervorrufen. Wie sollte ich nicht angesichts der Verantwortlichkeit erbleichen, die mir zufällig, da ich die religiöse Führung der vielen englischen, über jeden Theil der Erde zerstreuten Gemeinden, die über das britische Reich und darüber sich ausdehnen, übernehmen soll? Wie mächtig hat die jüdische Bevölkerung des vereinigten Königreichs innerhalb des letzten halben Jahrhunderts sich ausgebreitet! Sie hat sich verdreifacht, wenn nicht vervierfacht. Betrachten wir nur die Hauptstadt. Das ist keine Stadt mehr, sondern ein Land, mit ihren Synagogen von Hampstead im Norden bis Lewisham im Süden, von Hammersmith im Westen bei Stepney und bald wie ich hoffe, bis Poplar im Osten. Und welch eine mächtige Zunahme in der Zahl unserer erziehlichen und wohltätigen Einrichtungen und Institutionen, deren jede der Aufsicht bedarf, einen rechtmäßigen Anspruch erhebt auf des Chief Rabbi Zeit und Sorgfalt! Und wie verschiedenartig sind die Elemente dieser Bevölkerung, weit in der Bildung auseinandergehend, zwischen den beiden Endpunkten des religiösen Wärmemessers sich bewegend, zwischen seinem Siede- und Gefrierpunkt, in den verschiedenen Theilen einer verschiedenen Behandlung bedürftig! Wahrlich, wenn ich an die vielen Pflichten und Verantwortlichkeiten denke, die meiner warten, wenn ich die schweren Aufgaben betrachte, denen ich gegenüber gestellt werde, wenn ich von all dem höre, was ich, wie man erwartet, vollführen soll, dann frage ich mit Hiob: „Ist denn meine Kraft der Steine Kraft und ist mein Fleisch aus Erz?" Redner schildert dann ausführlich unter Zugrundelegung des an den Hohenpriester gerichteten Verses 2. B. M., K. 28, B. 30: „Es soll Aharon die Namen der Kinder Israels auf seinem Herzen tragen vor dem Ewigen beständig", die verschiedenartigen verantwortlichen Pflichten eines Rabbiners.

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