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Der Israelit · 1891-08-03 · Heft 61 (3.8.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 61 (3.8.1891)
Date
1891-08-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ii5o Begräbnißplatz heimlich zu liegrabeu; dieser soll deu alteu Sarda morgens vor seinem Hause neben dem Sack gesehen haben, welcher die Leiche des Mädchens enthielt. Dem gegenüber erklärt der Polizeiinspektor S. Mariza, daß „seit sehr vielen Jahren keine Person mit Namen Charalampis oder SarkoPulo als Polizeibeamter in Korfu gedient haben". Das Original ist griechisch und die Unterschrift ist von dem Präfekten zu Korfu, Herrn G. Buklakos, bestätigt. Zwei Erklärungen im Journal „Ergates", die eine vom Oberrabbiner Da Fano, die andere vom Präfekten L. Vlachos bestätigen auf Grund der officiellen Listen, daß das gemordete Kind die ehelich geborene Tochter des Schneiders Haim Sarda gewesen. So ist das Lügengewebe, wie es eine niederträchtige Hetze gesponnen und wie es von den antisemitischen Blättern ausgebeutet worden, vor aller Augen zerrissen, so ist klar gezeigt, wie Niedertracht und Gemeinheit mit der Verlogenheit Hand in Hand gehen, wo der Antisemitismus seine unheilschwangere Minirarbeit ins Werk setzt. Literarische Ilmschau. Frankfurter Israelitischer Bolks-Kalender nebst Jüd. Hotel-Adreßbuch. Neunter Jahrgang (Vom 3. Oktober 1891 — 2 i. September 1892) Frankfurt a. M. 1891. Verlag von I. Kauffmann. Preis 40 Pf. Als ein alter willkommener Gast erscheint auch in diesem Jahre der Kanffmann'sche Volkskalender und er wird wie immer freudig in allen Häusern begrüßt werden. Außer dem Kalendarium finden wir das im allgemeinen dankenswerthe, im besonderen aber der Correctur bedürftige Hotel-Adreßbuch, drei recht hübsche Erzählungen und einen reichen Jnseratcntheil. Die Ausstattung ist vorzüglich. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen» Deutsch! and. Mainz, 2. August. Bezugnehmend auf die in der vorigen Nummer unseres Blattes gebrachte Notiz aus Blanken b ergh e, hören wir aus authentischer Quelle, daß das nntto des Hotels Mayer darauf beruht, daß dasselbe in anerkennenswerther Weise einen icny besitzt und kann für die Zeit, innerhalb welcher der daselbst die Aufsicht führt, das genannte Gasthaus allen gesetzestrcuen Jchudim empfohlen werden. Berlin. Die frekconservative „Post" ruft die s ä m m t l i ch e n E o n s e r v a t i v e n d e s R e i ch e s auf, Herrn Stöcker und seinem „Volk" den Absagebrief zu geben. Das Organ des entlassenen Hofpredigers hat nämlich unter wiederholten Schimpfereien und Verketzerung aller Andersdenkenden die Casseler Getreuen nachdrücklichst ermahnt, ihre Stimmen dem Sozialdemokraten zu geben. Das versetzt die „Post" in höllische Wuth und in dieser ihrer ernstlichen Entrüstung schüttelt sie den Hosprediger sammt seiner „reichsfcindlichen" Presse von ihren und aller Couseroativen Nockschößen. Um aber nicht in den Vorwurf einer Jndenfreundlichkeit zu gerathen, wird der Offenbacher Prozeß recht breit getreten und die schmutzige Vorgeschichte mit allen ihren mähren und vermntheten Einzelheiten aller Welt mitgetheilt. Wir hoffen, daß diese Probe antisemitischer G e s i n n u n g s t ü ch t i g k e i t den verstoßenen Herrn Demokratenfreund wieder besänftigen wird. Nach anderen Berichten hat das antisemitischsozialistische „Volk", das heuchlerisch die Phrase „mit Gott für Kaiser und Reich" an der Stirn trügt, „Wahlcnthaltung" proklamirt. Wie das sozialdemokratische Hauptorgan, der „Vorwärts", die Sachlage benrtheilte, geht aus den nachstehenden Aeußcrungen hervor: „Die Anhänger das Kapitalismus und Verehrer des goldenen Kalbes, einerlei ob sie sich fortschrittlich, nationalliberal, konservativ oder antisemitisch nennen, haben sich zn der berühmten „einen reaktionären Masse", die bei solchen Gelegenheiten stets eine Wahrheit ist, zusammengeballt, und mit Hülfe der grimmigen Judenhetzcr ist der „Judenknecht" gewühlt worden. Wer jetzt noch nicht begreift, daß die wuthschüumenden Reden der Vöckel, Förster und Konsorten gegen Ausbeuter und Wucherer eitel Schaum, Schwindel und Hanswursterei sind, dem ist eben nicht zu helfen. Unsere Genossen im Hessischen, wo noch einige antisemitische Reblausherde sich befinden, haben durch die Kaffcl-Melsnnger Wahl ganz vortreffliche Waffen bekommen." Die „Nationalzcitung", das Berliner Hauptorgan der Natioualliberalen, forderte ihre Partei auf, sich zu bemühen, daß die beiden extremsten Richtungen : „Sockaldemokraten und Antisemiten" von der Vertretung im Reichstage ausgeschlossen bleiben. Hamburg, 31. Juli. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 38 Ihrer gcsch. Bl. tadelt ein Hamburger Korrespondent das Wirken des hiesigen Ässistenz-Comitös für russisch-jüdische Flüchtlinge in ungerechter, gehässiger Weise. Es ist daraus zu erwiedern: Diese jungen Leute, die seit vielen Wochen mit unermüdlichem Eifer thätig sind, um den russischjüdischen Flüchtlingen, deren Strom sich zum großen Theile über Hamburg ergießt, die nöthige Hilfe zu schaffen, haben cs bis jetzt vorgezogen, von ihrem Werke in dieser oder jener Weise keinerlei Lärm zn schlagen, um in keiner Art die Anerkennung der Welt zu werben. Sie thun es, weil das Mitleid, die Menschlichkeit und die Bruderliebe es in gebieterischer Weise fordern. Sie fühlen, daß es mit einer Geldspende nicht geihan ist, ihre ganze Kraft setzen sie ein, um dem Pulsschlag des Elends nach-

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