Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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«WWW 1146 Israel beim Heimgange solcher Männer erlitten, darauf hinzuweisen, daß sein Wirken mit ihm nicht schwinden, sondern einen dauernden Werth behalten wird. Der Wittwe, einer Tochter des einstigen „Schönlanker Raws", Blaschke, die dem Verstorbenen eine verständnißinnlge Lebensgefährtin in Freud und Leid gewesen, muß cs zum hohen Tröste gereichen, den dahingegangencn Gatten so allgemein betrauert und anerkannt zu sehen, rraiun Aus Mittelfranken, 26. Juli. Das „Evangelische Sonntagsblatt", das im Priestergewande bei unseren Bauern erscheint, sieht mit Schrecken der Zukunft Deutschlands entgegen, — weil im Nürnberger Gymnasium sich unter 400 Christen auch 100 Juden befinden sollen. Da müssen die Juden doch sehr intelligente Köpfe sein, wenn sie eine übergroße Majorität überwältigen können, um dieselbe zu „verluden", was das ehrwürdige Pastorblatt in christlicher Liebe befürchtet. Auf die zu Grunde liegende Gesinnung einzugehen, ist überflüssig, da das Blatt nahezu mit Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheint. Karlsruhe, 26. Juli. Ein Antisemit wegen Wucher angeklagt, das ist das Neueste auf dem Gebiet des rettenden Antisemitismus. Dem „Mannh. Anz." wird hierüber geschrieben: „Vor einiger Zeit berichtete ich Ihnen, daß gegen den Antisemitenapostel Prof. Dr. Sevin, früher in Ladenburg, jetzt in Ueberlingen am Bodensee, gerichtliche Untersuchung wegen qualifizirten Wuchers eingeleitet sei. Die Korrespondenz ging auch in andere Blätter über und meines Emmerns hat Herr Dr. Sevin sich in einer öffentlichen Erklärung reinzuwaschen gesucht. Dies ist ihm nicht gelungen, vielmehr dargethan, daß er nicht nur der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter, sondern auch einem Richter-Collegium „hinreichend verdächtig" erscheint. Es wurde nämlich gegen den Angeschuldigten mittlerweile das Hauptverfahren eröffnet und es findet die Verhandlung vor der hiesigen Strafkauuner am 30. d. M. statt. R u m ä n i e n. Dr. C. Bukarest, 26. Juli. Die Alarmirung der Gemüther mit der vom Deputaten Aßlam vorgeschlagenen und von Kammer und Minister angenommenen Resolution hat sich in eitel Wohlgefallen aufgelöst und man könnte beinahe sagen: „Ende gut, Alles gut", wenn leider die Verwaltungsorgane, Polizei und ähnliche, nicht ihre eigene Politik, die nun einmal angeregt, weiter spielten. Beispiele davon ein andermal. Für jetzt will ich sagen, daß die Absicht des Aßlan durch die von ihm als Erstes vorgeschlagene „Spezial-Kommission" eine Art Nebenregierung in's Leben zu rufen, mit Hilfe welcher e r — natürlich, sollte er in derselben sein — und die übrigen Mitglieder auf dem zu schlagenden Buckel der „Juden" im Trüben . . . . „Geschäftchen" machen wollte, vorläufig iu's Wasser gefallen ist. A m e r i k a. Treton, 21. Juli. Gestern wurde hier der Anfang zur Gründung einer neuen Colonie im südlichen New-Jersey gemacht. Namens einer jüdischen Gesellschaft schloß Herr Leon Lait, ein russischer Bankier in New-Aork, hier einen Ankaufs- Vertrag über 3000 Acres Holzland in dem in Cumberland County gelegenen und nur fünf Meilen von den jüdischen Colonien Alliance und Rosenhayn entfernten Hulberton ab. Die Gesellschaft will das Land in kleinen Farmen thetlen und Häuser auf demselben errichten, in welchen einige der besten russisch-jüdischen Familien, die in Newyork anlangen, Platz finden sollen. Jede Farm wird 10—20 Acres umfassen; 17 Häuser sind schon errichtet. Man wird im Ganzen dem von der benachbarten jüdischen Colonl" Alliance gegebenen Beispiel folgen, in welchem viele der Flüchtlinge von 1882 sich jetzt in vorzüglichen Verhältnissen befinden. Es sollen ferner mehrere Fabriken in Hulberton errichtet werden, um möglichst vielen Personen Beschäftigung zu gewähren. Vermischtes. Berlin. Die Einwanderung der Juden in Palästina und in Syrien nimmt eine ungeheure Ausdehnung an, so daß sich in Folge dessen die Preise für Wohnungsmiethe und Getreide außerordentlich gesteigert haben. Aus die Klage der Einwohner ist vom Sultan ein Jrade erlassen worden, lvonach eS für jeden einwandernden Israeliten einer besonderen Erlaubniß der Regierung bedarf. Den bereits ansässig Gewordenen ist ein besonderer Termin bewilligt worden, um diese Erlaubniß nachträglich einholen zu können. Reiche jüdische Kapitalisten haben inzwischen große Landstrecken anangekaust, um ihren Religionsgenossen aus der Fremde die Gelegenheit zum Ansiedeln zu bieten. Das Sandschak von Gaza wird einen Hauptplaß für die in Aussicht genommenen jüdischen Kolonien abgeben. Myslowitz. In der vergangenen Woche trafen wiederholt Extrazüge mii 368,200 u. s. f. Auswanderer nach Hamburg, Bremen und Stettin hier ein. Die Heimathlosen wurden gesichtet, verpflegt und weiterbefördert. Welch' schwieriger Arbeit sich die Hilfkomitees damit unterzogen, und welche Verantwortung sie zu tragen haben, läßt sich kaum beschreiben und nur dann beurtheilen, wenn man persönlich der Sichtung auf dem Bahnhofe beiwohnt. Am 22. waren auch mehrere Mitglieder des Kattowitzer Comitees hier, insbesondere aber verdient die Hilfeleistung des Oberrabbiners Herrn Schnur aus Oswiencim, welcher mit dem Krakauer Hilfscomitee einen wesentlichen Theil der Arbeit durch Ausstellung der Listen vor Uebertritt der Ausgewiesenen über die Grenze übernommen, alle Anerkennung. Deutz-Köln, 17. Juli. Eine der besten und edelsten Frauen unserer Stadt, Frau Rosalie Kossmann, die Gattin