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Der Israelit · 1891-08-03 · Heft 61 (3.8.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 61 (3.8.1891)
Date
1891-08-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1145 sie in Wahrheit vom Untergänge retten können. Wir ßlflitk'u das Uusrige gethan zu haben , wenn wir für die armen Flüchtlinge Eisenbahn- und Schifffahrts-Karten lösen und sic mit Speise und Trank erquickt in die Ferne entsenden, unbekümmert darum, ob sich dort ihnen eine Heünath erschließen wird, obgleich alle Anzeichen dafür sprechen, daß alle bewohnten Länder der Erde sich gegen sie versperren. Wir beschwichtigen unser Gewissen mit der trügerischen Vorstellung, das; das deutsche Eentral-Eomit« mit den andern Vereinigungen die Sorge und die Verpflichtung übernommen haben, die Humathlosen in eine neue Heimath zu führen. Darin aber täuschen wir uns. So lauge nicht in Wirklichkeit von Seiten der Eentralstellen zur allgemeinen Knude die bestimmie Zusicherung crthcilt werden kann, daß den Auswanderern in denjenigen Ländern, wohin sie befördert werden, eine Heimstätte zur Gewinnung einer selbstständigen Existenz erschlossen ist, so lange dürfen wir uns nicht in dem Gedanken wiegen, daß wir unserer Bruderpflicht Genüge geleistet haben, so lauge tragen wir Alle die Verantwortung vor Gott für das Elend, so lange sind wir mitschuldig au dem Untergänge unserer Brüder. Es dringt zu uns die Kunde, daß den Grcnz- Eomites bestimmte Weisungen (seitens des deutschen Central-Eomittzs?) crtheilt worden sind, mit eine „Sichtung" unter den Flüchtlingen vorzuuehmen. Diese „Sichtung" soll, wenn wir recht berichtet sind, darin bestehen, daß die Eomitös nur sich solcher Auswanderer aunehmen dürfen, die einige Mittel besitzen, die Anderen aber werden zur Rückkehr in das russische Elend angehalten. Welchem Schicksal die Aermsten der Armen verfallen sind, — wo gebe es eine Phantasie, die sich die Verzweiflung, die Noth nnd den Jammer im vollen Ausmaße vorzustellcn vermöchte!? Wie soll das enden? Die „North-American-Review" bringt ein Expose des Herrn von Hirsch, in welchem dieser Philantrop seine Absichten darlegt. Wir erkennen daraus, daß Baron Hirschs edle Bestrebungen in der That, wie wir solches bereits früher hervorhoben, nur einem sehr kleinen Theil der Unglücklichen zu Gute kommen können. Nur diejenigen, die im Staude sind, das schwere Werk der Urbarmachung von Einöden nnd Wildnissen zu vollbringen, werden in Argentinien vielleicht mit der Zeit vorwärts kommen. Nur ganz kräftige, im rüstigen Alter Stehende werden als die kleine Elite der Vertriebenen für diese Mission auserwählt werden können. Wer sorgt aber für die ungeheure Menge? Es muß endlich Klarheit geschaffen werden. Das „deutsche Central-Comite" darf sich nicht länger in Schweigen hüllen. Die gesammte Judenheit ist so berechtigt wie verpflichtet zu verlangen, daß endlich die erforderlichen Maßregeln ergriffen werden, um au den unglücklichen russischen Brüdern das Hilfswerk in Wahrheit zu üben. Wir wiederholen deßhalb die dringende Forderung zur Veranstaltung eines international-jüdischen Eongresses, der Rath pflegen und eine kräftige Actiou ins Leben rufen muß. Der vereinten Kraft und dem wirklich ernsten Willen wird es unter Gottes Beistand gelingen, das Rechte zu finden und zur Ausführung zu bringen. Die Regierungen können sich nicht der Bitte verschließen, wenn solche von der gesammten Judenheit in eindringlicher Weise vorgelragen wird, daß überall in angemessener Anzahl den russischen Juden unter Garantie ihrer Glaubensbrüder die Genehmigung zur Niederlassung ertheilt werden möge. Verabsäumt aber das Eentral-Comittz noch länger die Initiative zur Einberufung eines solch en Kongresse s zu er greifen, so ist es dringend geboten, daß andere Männer zusammentreten, um das Rettungswerk zu versuchen. Isaak Hirsch. Czarnikau. (Verspätet.) Vor Kurzem starb nach 36jährigcr Amtsthätigkcit unser Rabbiner Dr. Po per. Sein Leicheubegüngniß legte Zengniß für die Schätzung ab, deren sich der Verstorbene nicht nur in allen Kreisen seines Bezirks, sondern auch in der Ferne zu erfreuen hatte. Zahlreiche Verehrer, ehemalige Schüler und Alle, die zu ihm in Beziehung getreten waren, hatten sich, so weit es möglich war, eingcfunden, um ihm die letzte ihnen Ehre zu erweisen. Von Amtsgenossen bemerkten wir die Herren Rabbiner Braun-Schneidemühl, Rabbiner Wäldler-Schönlauke, Dr. R ose nt ha l- Rogasen und Dr. W r e s ch n e r-Samter. Nachdem die Leiche in die angemessen und sinnig geschmückte Synagoge gebracht worden war, sprachen die beiden erstgenannten Herrn Rabbinen, langjährige Freunde des Verstorbenen. Sie waren so recht im Stand, in erschütternder Weise darzustellen, was Dr. Poper, sowohl als Vertreter des echten alttalmudischen Geistes, als Schüler hervorragender Männer auf dem Gebiete, besonders des unvergeßlichen Rabbiner Blaschke y'sn und zugleich als Träger des neuzeitlichen Wissens für seine Gemeinde und seinen Kreis gewesen ist! Aus ihren trefflichen Worten ging hervor, wie hingebungsvoll der Verewigte feines Amtes zu Ehren der Thora, der Gottesfurcht und zum Besten der Gemeinde und ihres Zusammenhangs gewirkt. Am Grabe ergriffen die beiden letztgenannten Rabbinen das Wort, um nach einer aus tiefstem Herzen kommenden Würdigung seiner Verdienste und des Verlustes, den besonders jetzt

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