Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1147 des ersten Borstehers hiesiger Gemeinde, Herrn Joseph Kofsmanrr, wurde heute zur letzten Ruhe gebettet. Die Dahingeschiedene war eine >n ntsw im wahrsten Sinne des Wortes. Beseelt von dem wahren, unverfälschten Geiste unserer erhabenen Religion, vereinte sie in sich tiefe Frömmigkeit, schlichte Bescheidenheit mit der zartesten Mutter- und Gattenliebe und einem seltenen Wohlthätigkeitssinn. An ihrer Bahre hielt Herr Lehrer Blumenthal eine ebenso tröstende wie tiefergreifende Grabrede. Im Dorfe Scrrning bei Kornenbnrg drang eine betrunkene antifemitische Rotte in das Geschäft eines Juden ein. Da der Besitzer nicht anwesend war, wurde dessen christlicher Gehilfe mißhandelt, die Wohnung verunreinigt und eine Anzahl Gegenstände, namentlich Flaschen mit Liqucur gestohlen. ■Ifabbatat Henri. H i st o r i s ch e Erzählung Vvnsk Schmnv». (Fortsetzung.) Mitternacht war bereits seit zwei (stunden vorüber. Ech'lomoh, der Besitzer des Einkehrhanscs, und alle seine Leute lagen in tiefem Schlafe, nur seine wackere Hausfrau wachte; und auch in dem Zimmer, das er den Fremden vermiethet hatte, regte sich's, doch möglichst geräuschlos. Jachini hatte eigenhändig sämmtlichc Effekten in zwei Neisesäcke gepackt, denn der Diener, den sie mit nach Salonichi gebracht hatten, war vor einigen Wochen verunglückt und seinem Unfälle erlegen. Als alles wohlgeborgcn war, öffnete er vorsichtig die Zimmcrthür. Die lauschende Wirthin hatte das leise Knarren derselben sofort vernommen und eilte, der Verabredung gemäß, in den Stall, um den Esel herauszuführen, dann half sie Jachini die Säcke heraustragen und sie dem Esel aufladen, gleich darauf setzte sich der kleine Zug in Bewegung. Sabbatai, der vorausging, mußte doch unwillkürlich seufzen, als er gedachte, wie stolz er vor ungefähr zehn Monaten in Salonichi eingezogen war, wie die Menge ihn umjubelt hatte, wo immer er sich gezeigt hatte — und nun bei Nacht und Nebel dieser schmähliche Auszug. Doch er wußte sich zu trösten, cs war das Messiasgeschick, das wie er behauptete, längst vorausvcrküudet war. Jachini und Frau Riwkah gingen zu beiden Seiten des Esels, sie hielten die Neisesäcke, die für den kurzen Weg zum Hafen nicht aufgcschnallt waren; sie hatten auch noch Verschiedenes zu besprechen, in Betreff der Thiere, die die Reisenden nicht mit sich führen konnten. Das in Frau Riwkah's Augen kostbarste Thier, der Esel nämlich, der den Messias getragen hatte, der sollte ihr Eigenthum bleiben, für die Treue, die sie bewiesen hatte. Die Pferde jedoch, die sollte Sch'lomoh verkaufen, mit einem Theil des Erlöses sollte er sich bezahlt machen, für das, was Sabbatai ihm noch schuldete, den Rest sollte er aufbewahren, bis Jachini ihn wissen lassen werde, wohin er es schicken solle. Der Hafen war bald erreicht, die Einschiffung ging ohne Hinderniß von statten. Thränenumslortcn Auges blickte Frau Riwkah dem hehren Manne nach, von dem sie das Heil der Welt und ihr eigenes erwartete. Dann wandte sie sich, streichelte den Grauschimmel, der nun ihr Eigenthnm war, und trat mit ihm den Heimweg an. -i- -p Sabbat war's. In der Schenke des polnischen Dorfes W... y ruhten heute alle Hände, denn der Schankpächtcr war ein frommer Jude, der auch um des größten Gewinnes willen den Sabbat nimmer entweiht hätte. Seine christliche Magd versah am Sabbat den Ausschank und hatte den Verdienst davon. In dem sabbatlich aufgeräumten Zimmer befand sich der Pächter mit seiner Familie, Mutter nnd Tochter. Seinen Sohn Samuel hatte er voriges Jahr in einer Glasschleiserei in Amsterdam untergebracht. Rcb Jankel Levi saß auf einem Holzscffel vor dem Tische, der heute mit einem Leintuche bedeckt war, vor sich hatte er einen Folianten und lernte laut. Auf der Holzbank neben dem großen Kachelofen, in dem ein helles Feuer knisternd brannte, saßen seine Frau und seine Tochter, ein lebhaftes, nahezu siebenjähriges Kind, und unterhielten sich im Flüsterton, um den Vater nicht zu stören. Die Mutter hatte, wie schon oft, über die Hoffnung von der Ankunft des Messias gesprochen, wobei die Kleine die aufmerksamste Zuhörerin war, denn auch ihr Bruder hatte oft darüber gesprochen. „St!" unterbrach plötzlich die Mutter ihre bisherige Unterhaltung, „was ist das?" Von draußen her drang wüster Lärm, Pferdegetrappel und Geschrei und Gejohl und dazwischen erklang es wie Wehklagen. „Gerechter Gott!" schrie die Frau, die Hände zusammenschlagcnd, „sie gehn über die Juden! — Jankel!" schrie sie ans, „Jankel! hörst Du's denn nicht?" Jankel hatte den Folianten geschlossen und war zum Fenster getreten, wo er sich lauschend borneigte. Da stürzte die Magd mit allen Zeichen des Schreckens laut jammernd in das Zimmer. „Der Chmiclnicki kommt," schrie sie, „die Kosaken sind schon da, Alles stechen sie nieder!"