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Der Israelit · 1891-08-03 · Heft 61 (3.8.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 61 (3.8.1891)
Date
1891-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1144 auch heimischer fühlen, als in einem Staatswesen, das, wie das Schweizerische, von diesem herrlichen Ideal schon so viel verwirklicht hat! Wie schwindet doch alles, was auch uns noch zu wünschen und zu hoffen übrig bleibt, so vollständig im Vergleich zu dem, was in diesen Jahrhunderten angestrebt und mit Gottes Hilfe erreicht wurde. Wahrlich, wenn die Herzen der Könige in Gottes Hand sind, so ist cs nicht minder der Geist eines edlen, freien Volkes. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott! Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen. Ebensowenig aber — fügt Prof. Hilty in seiner Festschrift hinzu — vor der Macht der Zeitideen und Zeitströmungen, die Gott ebenfalls unterthan sind und von ihm geändert werden können. Mit dieser Furchtlosigkeit vor Menschen und Ideen paart sich dann auch die Furchtlosigkeit vor Allem, was auch die Zukunft bringen möge. Wie nach sechstägigem Ringen die beglückende Sabbatruhe winkt, so möge das siebente Jahrhundert der Schweizerischen Eidgenossenschaft den sabbatlichen Frieden, die Ruhe, das Glück und den Segen als Preis für die schweren Kämpfe der nun abgelaufenen sechs Jahrhunderte bringen. Mögen es ihre Berge sein, von welchen die Friedens- und Heilesbotschaft der ganzen Menschheit gebracht wird, die einer unserer ältesten Propheten mit den Worten verkündet: „Wie herrlich sind auf den Bergen die Schritte „des Boten, der den Frieden verkündet, der das „Glück verheißt, der die Heilesbotschaft bringt „und auch Zion verheißt, daß Dein Gott seine „Herrschaft angetreten hat." (Jesajas 52, 7.) Baden (Schweiz), *nnn dis. Dr. Ehr m a n n. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 29. Juli. Die „Kreuzzeitnng" läßt sich aus London berichten, Argentinien sei nur deshalb zum zukünftigen Asyle der russischen Juden erwählt worden, weil — man höre und staune — Hirsch und Rothschild demnächst eine große Hausse in Argentinischen Papieren Hervorrufen wollten. „So lange Barings noch als Welthaus bestanden und die Fäden der argentinischen Finanz in Händen hielten, war nichts anzufangen. Da kam der Konkurs der Barings, durch den alle Banken und Geschäftsfirmen, welche nur im entferntesten in Argentinien operirt hatten, schwere Verluste erlitten; Argentinier sanken nun wie die Quecksilbersäule bei plötzlichem Frost." „Rothschilds haben nun den Barings die Beine ampulirt und ihnen dafür ein paar künstliche geschenkt": Die Finanzwelt hat der Republik Argentinien vorläufig den Kredit entzogen und kein vernünftiger Mensch würde jetzt Argentinier kaufen. Wie aber, wenn Rothschilds und Hirsch dort Land ankaufen, angeblich um eine Kolonie für die jüdischen Auswanderer zu bilden? Wie, wenn es sich herausstellte, daß dieses erworbene Land reich an Mineralien ist, ferner, daß Rothschilds und Hirsch die Finanzen der Republik zu ordnen geneigt wären und Argentinier gekauft hätten?! Eine solche Nachricht würde eine Hausse in Argentiniern zur Folge haben, wie sie seit Jahren nicht gesehen worden ist — und in der allgemeinen Aufregung würde die ganze Inden - Kolonisationsgeschichte vergessen werden. Um den Schein zn wahren mögen die Herren Rothschild und Hirsch sich wohl mit der ernstlichen Absicht umtragen, sagen wir, 10 bis 20,000 arme Juden irgendwo anzusiedeln — wahrscheinlich in Argentinien. Aber einen jüdischen Staat zu begründen, wo sich Juden aus allen Enden der Welt zusammenfinden würden, um fortan ein nationales Dasein zu führen und vornehmlich den Staub Europas von ihren Füßen zu schütteln — das ist eine Illusion. Wir glauben, daß wenn alle Menschen vom Charakter der „Kreuzzeitnngs-Schreiber" sich auf einer Insel „zusammenfinden" würden, daß dann in der übrigen Welt die von uns so heiß ersehnte Erlösung nicht lange mehr auf sich warten ließe. Pyrmont, 31. Juli. Nach einer durch das Depeschen-Bnreau „Herold" verbreiteten Mittheilung sollen bereits rund 8000 russische Juden von Hamburg nach Argentinien auf See gegangen sein und viele Tausende ihnen dorthin folgen. Wie die „Königsb. Hart. Ztg." meldet, nimmt die Austreibung der Juden aus Rußland ihren ungeschwächten Fortgang und hat auch an Grausamkeit in keiner Weise nachgelassen. Mit dieser letzten Meldung steht die von dem „Büreau Dalziel" aus Washington gebrachte Mittheilung im Widerspruch, daß der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika die amtliche Benachrichtigung zugegangen sei, der Kaiser von Rußland habe auf Anregung der Vereinigten Staaten eine zeitweilige Milderung der Maßregel für Austreibung der Juden aus Rußland angeordnct. *) Von Konstantinopel kommt die Trauerbotschaft, daß unter den nach Kleinasien Ausgewanderten die Cholera furchtbar wüthe. Wie wird das enden? Diese Frage drängt sich jedem empfindenden Herzen angesichts dieser entsetzlichen Katastrophe, welche über nach Hunderttausenden zählende Unglückliche hereingebrochen ist, auf, und wir, die wir in diesen Elenden unsere Brüder des Bluts und der Religion zu erblicken haben, wir stehen nocy immer rathlos dieser Noth gegenüber! / Allerdings nicht mit verschränkten Händen. Wir wollen gern, ein Jeglicher sein Scherstein, beitragen zur Linderung des Elends, aber wir können uns nicht zu einem cinniüthigen Entschluß aufraffen, ernstlich zu erwägen, wie wir unseren so schwer heimgcsuchten Brüdern wirkliche Hilfe bringen und *) Diese Nachricht wird übrigens von anderer Seite als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet.

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