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Der Israelit · 1891-07-30 · Heft 60 (30.7.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 60 (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1124 Einwanderer aus Rußland und Rumänien als Farmer und Handwerker ihr gutes Fortkommen finden, da sie eine erstaunliche Sparsamkeit au den Tag legen. Einen augenscheinlichen Beweis für ihre Betriebsamkeit und Genügsamkeit liefert der Umstand, daß sehr viele der Einwanderer bereits angefangen haben, von den ihnen während der letzten Monaten geleisteten Vorschüssen Rückzahlungen zu machen. Ein Delegirter des bereits bestehenden Unterstützungsveretns berichtete kürzlich, daß er in dem Laude etwa 200 Familien eingelassen habe, welche ein Vermögen von 200 bis 5000 Dollar sich erübrigt hatten. Bis jetzt sind einige Einwanderer nach dem Süden gegangels. Viele haben sich nach dem Westen gewandt und in den mittleren Staaten oder in Ren-England sich niedergelassen. Es möchte siey dringend enlpfehlen, daß in enger Verbindung mit der Verwaltung dieser großartigen Stiftung von Europa ans nur diejenigen Personen voll der russischen Emigration nach Ameria befördert werden, welche auf die thalkräftige Unterstützung der dortigen Verwaltung sicher rechnen können, nachdem man sich selbstverständlich zuvor darüber vergewissert hat, daß Seitens der amerikanischen Regierungsbehörden der Niederlassung selbst keine Schwierigkeit bereitet werden wird. Da in der Stiftungsurkunde nachdrücklich hervorgehoben ist, daß diese Stiftung von anderer Sette durch Beiträge vergrößert werden kann, so würde in der That etwas Bedeutendes für einen Theil unserer unglücklichen russischen Brüder durch diese hochherzige Schenkung geleistet werden können. Es wäre höchst wichtig, wenn das Deutsche Central-Eo mit ö sich darüber ausließe, in welcher Weise es die Verbindung mit der Hirsch-Stiftung angestrebt, bezw. vollzogen hat. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Oldenburg i. Gr., 26. Juli. Nach einem fast ein Jahr dauernden Interregnum ist es endlich unserem Lande wieder beschieden, ein geistliches Oberhaupt zu haben, daß cs nicht mehr sei, lvie es in dem letzten Wochenabschnitte heißt, jnüd njn onV i’N, „wie Schafe, denen der Hirte fehlt." Einen Hirten nun, der thatkräftig, sich der heiligen Aufgabe eines Rabbiners voll bewußt ist, und sich derselben mit ganzem, freudigem Herzen hingibt, glauben wir in deni Herrn Dr. Mannheimer, bisher in Lauenburg in Pommern, dem schon ein guter Ruf voraufgegangen war, gefunden zu haben. Der Ruf Oldenburgs in religiöser Beziehung kann gerade nicht zu den besten gerechnet werden, es muß deßhalb einen jeden Rabbiner, der nicht gerade der freiesten Richtung huldigt, beim Eintritt in eine solche Gemeinde ein Gefühl der Beklemmung erfassen bei der Erwägung, ob auch die Saat, die er anszustreucn sich bemühen will, ans empfänglichen Boden fällt, und ob sie, wenn sie auch aufgeht, wirkliche Früchte trägt. Herr Dr. M. kann indeß vorläufig mit Genugthuung und beruhigtem Gemüthe auf den Empfang zurückblicken, der ihm zu Theil geworden, und der ihm zeigen mußte, daß ihm die Herzen aufs wärmste entgegenschlagen, und daß er vielleicht doch seine Arbeit reich belohnt sieht. Als es im Vorstande bekannt wurde, wann Herr Dr. Ni. hier eintreffen werde, wurde sofort beschlossen, ihm einen möglichst glänzenden Empfang zn bereiten. Die Ankunft war ans vorigen Montag Nachmittag festgesetzt. Als Herr Dr. M. mit seiner Gemahlin in Bremen ankam, wurde er dort als an der Landesgrenze schon von einer Deputation des Großherzoglichen Landesgemeinderaths, bestehend aus 2 Vorstehern unserer Gemeinde, welche ihm zum Empfange auf dem dortigen Bahnhose entgegeugefahren war, begrüßt, während er auf dem hiesigen Bahnhöfe von dem 3. Vorsteher erwartet wurde. In seiner reich mit Blumen geschmückten Wohnung harrte seiner wiederum eine Überraschung, indem er hier nochmals von den Vorstandsmitgliedern, welche es so eingerichtet hatten, daß sie die Wohnung früher erreichten, als er, mit deren Damen begrüßt wurde. Am darauffolgenden Tage fand seine Vereidigung im Staatsministerium statt. Imposant gestaltete sich besonders aber die Amtseinführung, die ain gestrigen Sonnabend stattfand. Die Synagoge war ans das herrlichste geschmückt; die Dekoration, von sehr kundiger Hand arrangirt, bot ein solch prächtiges, farbenreiches Bild, und doch voll Vornehmheit, daß ein jeder Beschauer einen überwältigenden Eindruck davon erhalten mußte. Nachdem der Herr Rabbiner von den beiden Beisitzern hinetngeleitet worden, wurde er von dem ersten Vorsteher im Namen des Laudesgemeinderaths mit wenigen, aber markigen Worten begrüßt und ihm im Namen Sr. König!. Hoheit des Großherzogs in Abwesenheit des Staats- Ministers das Großherzogl. Landesrabbinat in Oldenburg übertrageil. Es sei für Herrn Dr. M. ein erhebendes Bewußtsein, in solch' jugendlichem Alter zu so verantwortlicher Stellung berufen zu sein. Er sei versichert, daß die Gemeinden des Landes Alle mit Treue und Liebe ihm entgegenkommen wexden. Dann hielt Herr Dr. M. seine Antrittsrede, eine Rede, die sichtbarlich auf jeden Zuhörer den tiefsten Eindruck machte. Es waren in der That auch Worte voll packender Wirkung, denen man es nachfühlte, daß sie von Herzen kamen und deßhalb sie auch so sehr zu Herzen gingen.

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