Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1891)
- Date
- 1891-07-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1120 in Rußland betraut worden war, noch während seines Aufenthaltes daselbst verschiedenen Berichterstattern Mittheilungen über die Ergebnisse seiner Forschungen gemacht hatte, hat er jetzt nach der Rückkehr nach England Herrn Baron Hirsch seinen Bericht überreicht, aus welchem das „JewishChronicle" einige bemerkenswerte Auszüge zu machen in der Lage ist. Am bedeutsamsten ist wohl die Behauptung des Herrn White, daß ein großer Theil der russischen Juden sich weit besser zur Land wirthschaft eignet, als man bisher angenommen habe. Die in den russischen Städten wohnenden armen Juden, sagt Herr White, seien schwächer als die dort ansässigen Russen, schwächer als irgend eine städtische Bevölkerung in Europa. Ein Vergleich zwischen diesen städtischen Juden und den Nachkommen der zur Zeit des Kaisers Nikolaus im Gouvernement Cherson als Kolonisten angesiedelten Juden sei geradezu verblüffend: die letzteren, etwa 30,000 an Zahl, seien ein kräftiges Geschlecht in guten Verhältnissen und die benachbarten russischen Gutsbesitzer hätten diesen von ihnen viel beschäftigten Juden nichts weiter nachsagen können, als daß sie zu früh heiratheten. Allein auch sonst seien die russischen Juden für den Ackerbau geeignet', denn was ihnen an Muskelkraft abgehe, ersetzten sie durch Zähigkeit und Mäßigkeit. Thatsache sei, daß der russische Jude und seine Kinder nicht genug zu essen hätten. Deßhalb seien die Juden auch niedergeschlagen, allein Verbrecher in großem Maßstabe hätten sich aus diesen Verhältnissen noch nicht ergeben. „Kurz wenn Muth — moralischer Muth — Hoffnung, Gelduld und Mäßigkeit gute Eigenschaften sind, dann sind die Juden ein gutes Volk und solch' ein Volk kann unter guter Leitung bei einem wohlorganisirten Kolonisationsplan Erfolg haben, in Argentinien wie in Sibirien und Südafrika." Einen erschütternden Eindruck haben auf den Engländer die Leiden gemacht, welchen die unschuldigen Kinder in Folge der russischen Bedrückungen ausgesetzt sind. Wenn diese Leiden der unschuldigen Kinder, so meint er, dem Kaiser bekannt wären, würde er gewiß eine öffentliche Organisation der Unterstützung der Unglücklichen erlauben. Wir fürchten, Herr White täuscht sich, wie er auch im Jrrthum ist, wenn er die Ausweisungen aus Moskau lediglich einigen Beamten zur Last legt. Uebertreibungen bei der Schilderung der Grausamkeiten sind sicher vorgekommen, allein was erwiesen ist, genügt, um das herrschende Regime in sehr ungünstigem Lichte erscheinen zu lassen. In Petersburg ist man über die Vorgänge in Moskau vollständig unterrichtet. Für die an der Newa herrschenden Ansichten ist die Nachricht bezeichnend, daß die Juden-Kommision neuerdings empfohlen hat, den sogenannten Judenrayon noch weiter einzuschränken, nämlich von 16 auf 14 Gouvernements. Es bedarf keines besonderen Hinweises darauf, daß durch eine solche Maßregel die Leiden der schon jetzt arg zusammengedrängten Inden noch bedeutend verstärkt würden. vermischtes. Mainz, 28. Juli. Die älteste Frau in unserer Religionsgesellschaft, Frau Babette Schwarzschild iuuTbe gestern, 81 Jahre alt, zu Grabe getragen. „Edel, hilfreich und gut" war diese Frau, die von ihrer stillen Wohnung ans Elend milderte und die Armen stets in reichlicher Weise bedachte. Ihre Frömmigkeit und Gottesfurcht waren mustergiltig und deßhalb ist die Trauer um diese dahingegangene Schwester in unserer Gemeinde eine allgemeine. Unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Vondi gab dem Schmerze in einer tief empfundenen Rede Ausdruck und betonte u. A., eine wie eifrige Berehrerin seines in Gott ruhenden Vorgängers, des Herrn Dr. Le hmann p"^, die Heimgegangene war, und daß ihre liebste Lektüre diese Blätter gewesen, ans welchen sie in trüben und einsamen Stunden stets Trost geschöpft habe. Wie wir erfahren, hat die Dahingeschiedene größere Legate für wohlthätige und religiöse Zwecke ge spendet. .T3Sjn. Lübeck, 26. Juli. Jüdische Auswanderer aus Rußland trafen vorgestern Morgen wieder über Memel mit dem hiesigen Dampfer „Dora" Capt. Brehmer, hier ein. Dieselben wurden bei den Schuppen ausgeschifft und dort bis zu ihrer heute früh erfolgten Weiterreise nach Hamburg durch das hiesige isrelitische Hülfscomitee beherbergt und verpflegt. Die diesmal eingetroffenen Auswanderer machten im Großen und Ganzen bei Weitem nicht den ärmlichen Eindruck, wie ihre früher hier durchgereisten Glaubensgenossen. Mit welcher Härte übrigens die russischen Behörden Vorgehen, zeigte jetzt gerade das Schicksal einer sehr ärmlich aussehenden jungen Frau, welche mit ihrem jetzt' erst 14 Tage alten Kinde schon die weite Reise von Moskau her hatte machen müssen. Lemberg, 25. Juli. Nach einer Warschauer Meldung der volnischen Blätter sind sämmtliche Gemeinde-Behörden in Russisch-Polen angewiesen worden, alle dort sich aufhaltenden ausländischen Juden, wenn sie sich nicht mit einem speciellen Erlaubnitzschein des Ministers des Innern ausnweisen vermögen, unverzüglich an die Grenze zu expidiren. Die „Now. Wr." erfährt, daß die Negierung beschlossen hat, die Selbstverwaltung der Korobken- (Schlacht-) und Lichtsteuer, zu welchem Behuse eigene Steuerbezirke gebildet und Steuereinnehmer gewählt worden aufzuheben, soweit sie nicht rein rituellen Charakters ist. Nach dem Projekt der neuen Städteordnung geht diese Verwaltung in die Hände der allgemeinen Kommunalinstitutionen und Beamten über. $ * n i i i* t d »» abbatat Herrn. h i st o r i s ch e Erzählung von Vrnrt Schwsv?. (Fortsetzung.) „Gut," versetzte Jachini, „ich werde mich kurz fassen, ich weiß ohnehin nicht, wie viel Zeit uns bleiben wird."