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Der Israelit · 1891-07-30 · Heft 60 (30.7.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 60 (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1121 Sabbatai preßte die Lippen aufeinander, sein ausdrucksvolles Gesicht hatte den sorglosen Ausdruck verloren. „Wie viel Zeit uns bleiben wird?" wiederholte er fragend. „Ich will Deiner Aufforderung folgen und mich kurz fassen. Dein gestriges Fest hat den lang gehegten Groll der alten Rabbinen gegen Dich zur flammenden Lohe entfacht. Sie Hetzen das Volk gegen Dich und werden noch heute über Dick den Bann verhängen, der es als gottgefälliges Werk erklärt, Dich zu tödten, wo Du gefunden wirst." „Was wollen die Verruchten?" schrie Sabbatai, „wissen sie denn nicht, daß es geboten ist, den Schöpfer in Freuden anzubeten?" Iachini zuckte die Achseln. „Es ist überflüssige Mühe, mir beweisen zu wollen, woran ich nie gczweifelt habe. Richtiger wäre es, jetzt zu erwägen, wohin wir uns wenden sollen — denn hier kann unseres länger« Bleibens nicht sein." Sabbatai wechselte die Farbe und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Elendes Gesindel!" murmelte er. „Auch die größten Männer hatten unter der Unbeständigkeit der Volksgunst zu leiden," beschwichtigte Iachini. „Wahr — wahr," — Sabbatai athmete tief auf, „und Du kennst doch meinen Wahlspmch, durch Nacht zum Licht. Der Messias muß leiden, bevor er zur Herrschaft gelangt, so ist es längst verheißen. — Aber ich hatte gehofft, den Kelch des Leidens bereits geleert zu haben. — Nun, wie Du willst, mein Vater!" sprach er, den Blick zum Himmel gewandt, — „Dein Witte sei mein Wille." In Jachini's Antlitz zuckte es, doch er war es längst gewöhnt, feine diesbezüglichen Gedanken nicht zum Ausdruck kommen zu lassen. „Wohin gedenkst Du Dich zu wenden?" fragte er. Sabbatai blickte ihn durchbohrend an. „Du fragst, wohin ich mich zu wenden gedenke? — Du beabsichtigst demnach. Dich von mir trennen?" „Nicht doch, nicht doch," betheuerte Iachini, „fern liegt mir ein derartiger Gedanke. Habe ich's denn nicht gelobt, Freud' und Leid mit Dir zu theilen? — Und weßhalb sollte ich mich von Dir trennen wollen? — weil einige alte Rabbinen den Pöbel einer Stadt gegen Dich Hetzen? — Noch einige Jahre und die ganze Welt wird Dir unterthan sein." Sabbatai athmete hoch auf, sein Auge leuchtete wieder. Er ergriff die Hand des älteren Mannes und drückte sie innig. „Du bist mein Freund — der Einzige, der nie an mir gezweifelt — das werde ich Dir nie vergessen — ein Königreich wird Deine Treue lohnen." Iachini schien tief ergriffen, erwiederte den Händedruck und neigte sich dabei über die Hand des Andern, die er an seine Lippen führte. Denn diese Hand, hatte sie auch nicht Königreiche zu vergeben, so konnte sie doch stets in einen vollen Beutel greisen und war dem treuen Freunde stets geöffnet. „Doch wohin wenden wir uns?" fragte er abermals. „Nach den Berichten unserer treuen Wirthin scheinen Deine Anhänger im Augenblick vollständig etngeschüchtert; die Dir gestern die Füße küssen wollten, haben heute nicht den Muth, die Hand für Dich zu erheben oder auch nur das Wort." „Elendes Gesindel!" grollte Sabbatai, während er heftigen Schrittes das Zimmer durchmaß. „Aber was thun? — wohin uns wenden?" Er blickte fragend auf seinen Gefährten. „Auf Deinen Rath haben wir uns hierher gewandt, und trotzdem Diejenigen mich heute verleugnen, die mir gestern zugejubelt, so werde ich es doch nie bereuen, hier gewesen zu sein, denn ihr Todesurtheil kümmert mich so wenig, als ihr Bannspruch. Gott wird mir beistehen. — Aber wohin wir uns zunächst wenden sollten? — sprich', Freund, was denkst denn Du darüber?" Iachini rieb sich die Stirn. „Ich sinne schon die ganze Zeit hindurch, wohin wir unsere Schritte richten sollen. — Wiewäre es, wenn wir unsere treue Wirthin, Frau Riwkah, veranlassen würden, im Hafen Erkundigungen einzuziehen, wohin das zunächst von hier abgehende Schiff seinen Cours nehmen wird und uns bis dahin unsere Entschließung Vorbehalten?" Sabbatai war einverstanden und Iachini begab sich sofort in die Küche, wo er sicher war, die wackere Hausfrau um diese Zeit zu treffen. Frau Riwkah fühlte sich hochgeehrt durch das in sie gesetzte Vertrauen; denn nur unauffällig und ohne diejenigen zu nennen, die es interessirte, durfte sie die betreffenden Erkundigungen einziehen. Und diesesmal konnte man sich in der That auf ihre Verschwiegenheit verlassen, denn diesesmal war ihr Schweigen Herzenssache. Weder ihre Nachbarin zur Linken, noch die zur Rechten zog sie ins Vertrauen und nicht einmal ihren eigenen Ehegatten, Sch'lomoh, denn dieser hatte zu ihrem größten Aerger die Aussprüche der Rabbinen über ihren hehren Gast gutgeheißen, denn auch seinen Glauben hatte die gestrige Festivität erschüttert, darum durfte auch er nicht erfahren, daß sie mit einer geheimen Mission betraut war. „Blümel," wandte sie sich an ihre zwölfjährige Tochter, die im anstoßenden Zimmer mit einer Handarbeit beschäftigt war, „wenn der Vater nach mir fragen sollte, so sag' ihm, daß ich zu der kranken Muhme gegangen bin. In höchstens einer Stunde bin ich wieder daheim."

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