Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1891)
- Date
- 1891-07-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1078 (Sephardier) 1000 Frcs. gegeben hat und wobei sich Posten von 4, 5, 600 Frcs. befinden, die man bei uns bisher fast gar nicht gekannt hat, so daß das Central-Comite (Vorsitzender David Gabriel) hofft, für sich allein das Doppelte der erstgenannten Summe ausbringen zu können. Der ständige Verein „vesvoltarea intelectuala“ daselbst hatte bis zum 26. v. M. 200 Frcs. beisammen. Herr Adolph Netzler in Pitaschti hat in Folge seines Aufrufes 300 Frcs. dort aufgebracht. Im winzig kleinen M o i n a s ch t i ist durch die unermüdliche Bemühung des Herrn S. Wechsler und Rosenberg die für das Städtchen bedeutende Summe von 700 Frcs. zusammengekommen, die man auf 1000 zu bringen hofft. In Crajowa sammelten die Herren Ph. Lasar, Benweifti (Spaniole) und Sch a r g e l 1081.50 Frcs., ferner Herr Bömches 411 Frcs. Die Thätigkeit des in BoLosch ani errichteten Comitö's für die russischen Israeliten ist leider gestört worden durch die gemeldeten Vertreibungen rumänischer Israeliten aus den Dörfern des eigenen und des Drohojer Bezirkes, so daß Geldsammlungen für dieses lokale Elend bereit gehalten werden müssen, da die Vertriebenen in den genannten, unweit von einander und von der russischen Grenze liegenden Bezirkshauptstädten sich ansammeln. Unsere Zeitungen fahren indeß fort die Sache aufzubauschen und weiter zu Hetzen gegen — uns, in angeblicher Furcht vor einer angeblich statthabenden russisch-jüdischen „Invasion". Nur wenige Zeitungen haben nicht den Kopf verloren. Vermischtes. Glciwitz. Ein recht bewegtes Leben war am Montag auf dem Bahnhof Myslowitz. Ueber 500 russische jüdische Auswanderer kamen über Oswiecim und Szczakowa an und wurden mittelst Ertrazuges um 31/4 Uhr Nachmittag nach Hamburg weiterbefördert. Dieselben wurden während des Aufenthaltes vom Unterstützungscomite reichlich bewirthet, mit gut erhaltenen Kleidern und den nöthigen Reisemitteln versehen. Eydtkuhneu, 20. Juli. Bezugnehmend auf Ihre Correspondenz von Frankfurt a. M., 7. Juli in Nr. 54 Ihres gefch. Blattes muß als Ergänzung im Namen des Eydtkuh- «er Hilfscomitö's hinzusügen, daß ebenso, wie in den angeführten Städten, Memel und Tilsit, auch hier bei Verabreichung der Speise für i&D gesorgt. I. Speyer, Lehrer. Wien, 21. Juli. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus wählte den Baron Arthur von Suttner zum Präsidenten. Der Verein zählt bereits 1100 Mitglieder. New Uork A. S. Salomo«, General-Agent des von dem Herrn Baron Hirsch gewidmeten Kapitals für russischjüdische Emigranten, äußerte sich, daß das Curatorium des obgenannten Kapitals beschlossen hat, eine große Area unbebautes Feld in Harrissnn County fnt Staate New-Jersy anzukaufen, um darauf 200 bis 800 kleine Häuser für russisch-jüdische Emigranten zu bauen. Jedem Häuschen wird ein kleines Stück Land beigegeben werden, welches zum Anbau von Gemüse w. benützt werden kann. zur Gründung einer neuen afrikanischen Colonial-Gesellschaft. Massauah (Abessynien) *). Die italienische Tricolore, die vor sieben Jahren zum ersten Male hier an der Küste Abessyniens gehißt wurde, weht heute schon, Dank der klugen und energischen Politik des italienischen Ministeriums, auch im Innern dieses Landes, sogar in dessen Hauptstadt Adua - der jetzige Negus Menelik residirt einstweilen noch in Antoto in seinem engern Heimathslande Schoa und im Schatten dieser Tricolore machen nicht nur Cultur und Civilisation täglich größere Fortschritte, sondern blühen auch Handel und Verkehr und gedeihen Ackerbau und Viehzucht. Von hier, von Massauah aus, das bekanntlich durch ein submarines Kabel mit dem europäischen Telegraphennetze in Verbindung steht, läuft der elektrische Draht schon bis Godofelassi, das nur einige Stunden von der Residenzstadt Adua entfernt ist, und eine schmalspurige Lokomotivbahn führt von hier schon bis Saati, um baldigst bis zur genannten Residenzstadt selbst vollendet zu werden. Aber nicht nur die ganze abessynische Küste, sondern auch das dazu gehörige Hinterland bis zum Mareb(2'->pQ)flusse in einem Umfange von circa 15000 Quadrat-Kilometern steht heute schon direct unter Italiens Herrschaft und wird von italienischen Beamten verwaltet und von italienischen Soldaten beschützt. Der NeguS, König Menelik selbst, der seinen Stammbaum bis auf Salomo und die Königin von Saba zurückführt, also jüdischer Herkunft ist, steht unter Italiens Oberhoheit und vollführt auf Bereitwilligste alle Wünsche der italienischen Regierung. An seinem Hofe residirt Graf Salimbeni als Gesandter des Königs Humbert, während den abessynischen Provinz-Gouverneuren italienische. Residenten oder politische Agenten an die Seite gegeben sind, die deren Thun und Lassen scharf überwachen. Somit steht das ganze abessynische Reich, das früherhin Ethiopien (hebräisch: Kusch LN2) genannt wurde, unter italienischer Controle, und wehe dem abessynischen Beamten, der sich Etwas gegen einen Europäer erlauben sollte. Jetzt unter den Fittigen des toleranten Italiens wäre es nun an der Zeit, unsere 300,000 Halb- Glaubensbrüder, die sogenannten Falaschas, die im Innern *) Dieses Schreiben haben wir selbstverständlich nicht direkt aus Massauah, sondern von einem Orientalisten, der mit Abessynien und den Falaschas daselbst in Verbindung steht, zugeschickt erhalten und empfehlen wir es, obgleich uns die Idee etwas abenteuerlich erscheint, der Aufmerksamkeit jüdischer Capitalisten und Geschäftshäuser. Die Red. des „Israelit." i 1