Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1891)
- Date
- 1891-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1071 haben. In Rußland existirt das weite Gebiet des Erlaubten nicht, dort ist eine Sache entweder befohlen oder verboten. Im übrigen Europa und auch in der neuen Welt steht nichts im Wege, daß sich Unterstützungs-Comitös bilden. In Rußland ist dies nicht gestattet. Wollten dort die reichen Juden ein Comit« zur Unterstützung der jüdischeu Auswanderer bilden, so würde dies gegen ein Gesetz verstoßen, welches die Förderung der Auswanderung verbietet und mit Verbannung nach Sibirien bedroht. Daß der Correspondent der Daily News dies nicht gewußt hat, ist begreiflich, ebenso begreiflich, daß die hiesige Post mit den erwähnten russischen Eigenheiten nicht vertraut ist. Beide aber hätten sich sagen dürfen, daß die Annahme recht unglaubwürdig ist, es schlössen sich gerade die russischen reichen Juden von der Pflicht und der Gewohnheit der Wohlthätigkeit aus. Wer den Verhältnissen näher steht, wird wissen, daß gerade in Rußland das Wohlthätigkeits-Conto den höchsten Procentsatz der Einnahmen nicht blos der Reichen und Wohlhabenden, sondern selbst der karg Bemittelten in Anspruch nimmt. In Rußland ist nichts frei, nicht einmal die Ausübung der der Wohlthätigkeit. Hat es doch dem Baron Hirsch sehr viel Mühe und nicht blos Mühe gekostet, um für sich die Freiheit zu erwirken, seine russischen Glaubensgenossen, welche Rußland verlassen wollen oder auch verlassen sollen, zu unterstützen. Ansbach, im Juli. Vergangenen Sonntag feierte unser allverehrter Distrikts-Rabbiner Herr Aron Grünebaum sein 50jähriges Dienstjubiläum. Je näher der Festtag kam, desto mehr zeigte es sich, welch' seltener Beliebtheit und Popularität sich unser Herr Rabbiner erfreut. Zeichen der Verehrung wurden schon Tags vorher in verschiedenster Art gegeben. Aus den entferntesten Gegenden Deutschlands liefen die werthvollsten Präsente ein. Zum gewöhnlichen Frühgottesdienste versammelte sich in Festeskleidung unaufgefordert fast die Gesammt- Kultusgemeinde, bei welchem der Kantor, Herr Sternberg, mit seiner sonoren Stimme ein der Feier entsprechendes Gebet vortrug. Die ersten Glückwünsche brachte eine kleine Anzahl Mädchen der israelitischen Elementarschule, geführt von ihrem Lehrer. Das 10jährige Töchterchen des Fabrikanten Herrn Eduard Kupfer trug ein Gedicht recht hübsch vor. Lehrer Hof mann übergab zunächst ein Kollektiv-Glückwunschschreiben der jüdischen Lehrer des Distrikts und hielt dabei eine Ansprache an den Herrn Jubilar, dabei auf den blühenden Aronsstab Bezug nehmend. Hierauf erschien eine Deputation der Kultusverwaltung; Herr Vorstand Selling stattete mit beredten Worten die Dankes- und Glückwünsche der Muttergemetnde Ansbach, sowie der israelitischen Gemeinden, welche zum diesseitigen Rabbinatsbezirke gehören, ab. Hiebei übergab Herr Selling dem Jubilar das Ergebntß einer Sammlung mit der Bitte, mit diesen Werthpapieren eine Stiftung zu machen, welche den Namen des Herrn Rabbiners tragen solle. Der Jubilar erwiederte hierauf mit einer längeren, tiefergreifenden Ansprache. Um lU 12 Uhr kam der Vorstand in einer Eauipagc, um den Jubilar zum feierlichen Festakte im Rathhause abzuholen. Dort hatten sich eingefunden Herr Bürgermeister Keller, angethan mit goldener Amtskette, viele Herren Magisstratsräthe, die israelitische Kultusverwaltung in corpore. Herr Bürgermeister Keller hielt dabet eine ergreifende Rede, in der er mittheilte, daß auch unser Landesfürst, unser vielgeliebter Prinz-Regent gnädigst geruht hat, der hohen Verdienste des Jubilars gereckt zu werden. Nach Signat des Kgl. Staatsministeriums vom 3. l. Mts. hat sich Se. Kgl. Hoheit bewogen gefunden, den allerhöchsten Verdienstorden vom hl. Michael — eine seltene Auszeichnung — dem Herrn Distriktsrabbiner zu verleihen. Hierauf dankte der greise Jubilar, von Rührung übermannt, in zu Herzen gehenden Worten und schloß mit einem Hoch auf Se. Kgl. Hoheit unfern allverehrten Prinz-Regenten. In der Wohnung des Jubilars erschienen zahlreiche Gratulanten. Wir bemerkten die Herren: Se. Excellenz K. Regierungspräsident Ritter v. Zenetti, Präsident v. Meinel, K. Regierungsdirektor v. Roman, K. Kreisschulinspektor Methsieder, K. Oberlandesgerichtsrath Greiner, K. Oberamtsrichter v. Krafft, eine Deputation der K. Realschule, die katholische Pfarrgeistlichkeit, das prot. Konsistorium und das Rektorat des kgl. Gymnasiums. Auch auswärtige Gemeinden ließen sich durch Deputirte vertreten, um persönlich ihre Glückwünsche darzubringen, unter Anderen Windsbach durch Herrn Lehrer Maier, Roth durch Herrn Kultusvorstand Niederheimer. Ueber Hunderte von Telegrammen liefen an diesem Tage bei dem Gefeierten ein. Es war ein Ehren- und Jubellag im schönsten Sinne des Wortes. Möge es dem allverehrten Jubilar vergönnt sein, den Abend seines Lebens in Gesundheit und Frohsinn und ungetrübtem Glücke zu genießen. Amen. 0 esterr. - Unga r. Monarch! c. Wien. Das Fremden - Blatt schreibt: Die zu Gunsten der russisch-jüdischen Auswanderer cingeleitete Aktion hat nunmehr eine einheitliche Gestaltung angenommen und.ist an Stelle der Einzelhandlungeu des österreichischen, deutschen, französischen und englischen Hilfscomites eine kooperative Aktion der sämmtlichen Hilfscomitös getreten. Aus Grund