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Der Israelit · 1891-07-20 · Heft 57 (20.7.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 57 (20.7.1891)
Date
1891-07-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1058 Endlich erhob er die rechte Hand zum Zeichen, daß er sprechen wollte, und Alles uni ihn her verstummte, lautlose Stille herrschte. Und mit seiner wunderbar schonen, mächtigen und tlangvollen Stimme dankte er der Versammlung für die ihm dargebrachte Huldigung. Er versprach die Erwartungen zu erfüllen, die sie von ihm hegten, versprach, sie zurückzuführen in das Land der Väter, sie und alle die Myriaden der Zerstreuten Israels von allen Enden der Erde. — Aber er ermahnte Alle, jeden Einzelnen und die Gesammtheit, durch frommen, gottesfürchtigen Wandel die Zeit der Erlösung zu beschleunigen, er ermahnte zur Buße, zur Kasteiung und zu werkthätiger Menschenliebe. In herrlich tönenden Phrasen und voll lieblicher Redewendungen floß der Strom seiner Rede dahin, in athemloser Spannung lauschten Alle dem süßen Wohlklang seiner Stimme und seinen bestrickenden Worten. Man hätte ihm Stunden lang lauschen mögen. Und als er endlich schloß, da umbrauste ihn abermals nicht endenwolleuder Jubel, und jubelnd begleitete ihn die Menge in seine Wohnung. Sabbatai war wie berauscht, das war doch cüt ganz anderer Erfolg als bei seiner ersten Kundgebung vor seinen Schülern, jetzt erst war er, wie er Jachini versicherte, felsenfest überzeugt von der Göttlichkeit seiner Sendung. Jachini bemühte sich unablässig, den Wonnetaumel des jungen Mannes zu beschwichtigen, denn er vermuthete nicht mit Unrecht, daß sehr bald Deputationen aus den anderen Synagogen kommen würden, um sie anfzufordern, den Nachmittagsgottesdienst bei ihnen abzuhalten. Jachini empfing die Abgeordneten allein, er dürfe Sabbatai in seinen heiligen Betrachtungen nicht zu jeder Zeit stören, aber er versprach, den Wunsch der Männer zu erfüllen, und seinen Herrn Nachmittags in ihre Synagoge zu geleiten. Dort wiederholte sich mit geringen Variationen die Scene von Vormittags. Wiederum ward Sabbatai von der ihn mujubcluden Menge heimgeleitet. — Seitdem mehrten sich seine Anhänger von Tag zu Tag. Bald batten sich Jünger um ihn geschaart, die er in der Wissenschaft, in der er angeblich Meister war, unterrichtete. Sie begleiteten ihn auf Schritt und Tritt, seine hohe, königliche Gestalt überragte Alle, und wo er sich zeigte, dort jubelte die Menge ihm zu und Männer und Frauen schätzten sich glücklich, wenn sie einen Zipfel seines lang herabwallenden Gewandes an ihre Lippen drücken konnten, und wen er mit seinem Fächer berührte, mit dem er sich Kühlung znzufächeln liebte, der hätte diese Berührung nicht um ein Königreich vertauscht, denn dem war das Himmelreich gesichert. Frau Riwkah, Sch'lomo's Gattin, war die beneidetste aller Frauen, denn ihr war es gestattet, die Mahlzeiten für Sabbatai zuzubereiten, und hätte sie dieses sie hochbeglückende Ehrenamt nicht um die Welt einem Andern überlassen. Sie zählte überhaupt gegenwärtig zu den angesehenen Persönlichkeiten der Gemeinde, und wo sie sich zeigte, ward sie umdrängt und mußte Auskunft geben über die Gewohnheiten und über die Gepflogenheiten, sowie über das ganze Sein und Leben des Messias. Und sie wußte über Alles Auskunft zu geben, sebst über das, was sie nicht wußte. Und wenn Sch'lomoh, ihr Gatte, sie oft staunend fragte, woher sie denn das gewußt, dann pflegte sie ihn zu erinnern, daß, noch bevor der Messias sich ihnen geoffenbart, sie denselben bereits als Messias erkannt hatte. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirk ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )U begehen bei G. Klrinackrr. Leipzig, Rohplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzustnde«. Inhalt sHauptblatt): Leitender Artikel: Guter Rath zur guten Thal? — Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Vom Rhein. Dresden Altona. Königsberg i. Pr. Ulm. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Gastein. Lemberg. — Italien: Turin. — Griechenland: Corfu. — Egypten: Alexandrien. — Palästina: Jerusalem. — Persien: Teheran. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Freiburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Türkei: Konstantinopel. — Amerika: New-Nork. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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