Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1891)
- Date
- 1891-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1056 verständigt, daß sie von der Stunde an unter militärischem Schüße stehen, daher unbesorgt die Hausthore und Verkaufsläden wieder öffnen können. Gleichzeitig wurden sämmtliche Straßen des Ghettos militärisch stark besetzt, den Christen das Betreten derselben untersagt, gegen jeden Dawiderhandelnden mit Strenge amlsgehandelt. Fünf Tage nachher, als am vierzigsten Tage nach Beginn der Unruhen, wurden auf Ansuchen des Ober-Rabbiners Dr. Ta Jono die Tempel wieder geöffnet. Der Militär-Gouverneur begleitete persönlich den Rabbiner in die Synagoge. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Praseeten war die L-uspendirung sämmtlicher Polizei-Organe, deren Dienst seither verläßliche Gendarmerie versehen. Mittlerweile wurden alle jene Personen, welche sich während des Aufruhrs ungesetzliche Handlungen zu Schulden kommen ließen, deren man sich aber früher nicht zu versichern wagte, gefänglich eingezogen. In Summa wurden ungefähr 100 Verhaftungen vorgenommen und von diesen seither 50 minder Belastete zu Gesängnißstrafen in der Dauer von zwei bis sechs Monaten verurtheihlt. Die neuen Machthaber waren in der That mit großer Energie bestrebt, die Ruhe wiederherzustellen, und fanden in der Wirksamkeit des Staatsanwalts Beusi eine kräftige Unterstützung. Trotz alledem konnte eine Beruhigung unter den Juden nicht platzgreifen. Wer über die Mittel verfügte oder wem dieselben durch die Mildthätigkeit geboten wurden, der verließ die Jnselstadt. Bisher sind bereits mehr als 1500 Juden ausgewandert. Schon schien es, daß wieder geordnete Zustände in der Stadt herrschen werden, als plötzlich um die Mitte des versloffenen Monats sich eine neue, höchst gefährliche, gegen die Juden gerichtete Bewegung unter den Christen fühlbar machte. Bei Beginn des Aufstandes verfolgte der durch unsichtbare Kräfte plötzlich unter der christlichen Bevölkerung entflammte Antisemitismus scheinbar religiöse Tendenzen. Bald aber sollte derselbe hervorragend geschäftlichen Zwecken dienen, und es wird heute offen davon gesprochen, daß eine große Zahl christlicher Kansleute sehr lebhaft und mit Erfolg nur aus dem Grunde für die Judenhetze agitirte, um Concurrenten unschädlich zu machen. Die gerichtliche Untersuchung wird hoffentlich klarstellen, wie weit diese Verdachtsmomente begründet find. Heute aber hat hier der Antisemitismus bereits eine politische Bedeutung erlangt. Er wird nämlich von der Partei Trikupis zum Sturze des Ministeriums Delyannis ausgespielt, und die ant. 19. d. statlfiildenden Bürgermeisterwahlen sollen dazu benützt werden, um durch neue Judenhetzen den Beweis zu erbringen, daß das jetzige Ministerium nicht die Kraft und Autorität besitze, um die Ruhe und Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten. Deshalb sieht man den nächsten Tagen mit großen Besorgnissen entgegen. Die Regierung hat hier allerdings Vorkehrungen getroffen, um einen neuen Aufstand im Keime zn unterdrücken. Die Straßen des Ghettos werden Tag und Nacht von Militärposten bewacht. Stärkere Abtheilungen sind an Straßenkreuzungspunkten postirt und in den Kasernen consignirt. Den Chisten wurden Ansammlungen, besonders in den Straßen des Ghettos, strenge untersagt; verdächtige Elemente werden beobachtet oder verhaftet. Ein griechischer Kriegsdampfer liegt mit starker Bemannung im Hasen. Man wird aber doch abwarten müssen, ob sich diese Maßregeln als genügend erweisen gegenüber der neuerdings in Wort und Schrift mit Leidenschaft geleiteten Agitation gegen die Juden. Daß bei den vorwaltenden Umständen das größte Elend unter den Juden herrscht, wird man leicht begreifen. Seit dem 13. April sind die verfolgten Leute erwerbslos und es ist ihnen vielleicht für längere Zeit jede Gelegenheit des Erwerbes benommen. Nur wenige verfügen über Ersparniffe, alle Uebrigen sind der größten Roth und unbeschreiblichem Elende preisgegeben. Egypten. Alexandria (Egypten.) Der Khedive hat unserm Glaubensgenossen, dem Hauptinspector P. Towrcst den Titel eines Bey verliehen. P a l ä st i n a. Jerusalem. Herr Jsac Hirsch, Raterstauper aus Antwerpen, welcher am Wochenfest hier anwesend war, hat zur Erbauung von Pilgerwohnung ein größeres Terrain im Preise von 12,000 Fr. angekauft. Verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten werden reichlich von ihm unterstützt. P e r s i e n. Teheran. Die persische Bevölkerung, die gewohnt ist, auf die in ihrer Mitte lebenden Inden mit Verachtung und Spott herabzusehen, wird gewiß jetzt einen gewaltigen Respekt vor den Kindern Jakob's haben, wenn sie hören wird, daß die Königin von England und Kaiserin von Indien itt unseren Glaubensgenossen, Herrn Elias Ney, der bisher als Agent Englands am Hofe des Khans von Beludschistan beglaubigt war, zn ihrem General-Konsul in der heiligen persischen Wallfahrtsftadt Mesched, die noch heute von keinem Ungläubigen, d. h. weder von einem Christen, noch von einem Juden betreten werden darf, ernannt hat. So bestrebt sich die englische Regierung, den halbwilden Völkern Asiens immer mehr Achtung für das Volk Israel einzuflößen. M a b l’ a t a t owi. l.) i st o r i s ch e Erzählung Trust Schwär?. (Fortsetzung.) Das Mannöver wirkte. Sch'lomoh war ein braver Mann, der das in ihn gesetzte Vertrauen vollkommen rechtfertigte. Was er zu verschweigen gelobt hatte, das sagte er keinem Andern, nur seiner Frau, seinem zweiten Ich, vor der konnte er als braver Ehemann kein Geheimniß haben. Frau Riwkah war überglücklich über die große Gnade, die ihnen geworden, daß der Messias in ihrer Behausung weile. Mit lauter Stimme dankte sie Gott, daß Er sie hatte erleben lassen und sie erhalten hatte und sie hatte erreichen lassen diese Zeit. Aber so überaus erstaunt wie ihr Mann, war sie nicht, denn — so behauptete sie wenigstens — sie hatte sich sofort beim ersten Anblick des vornehmen Herrn Aehnliches gedacht.