Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1891)
- Date
- 1891-07-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Betrag von 500 fl. zur Unterstützung der durch die letzten Wolkenbrüche beschädigten Bewohner des Herzogthums Salzburg übergeben. Lemberg, 14. Juli. Die Polenblätter melden: Eine russische Grenzwache hielt bei Nomaniszki mehrere hundert jüdische Auswanderer an nnd beförderte dieselben zwangsweise zurück. Italien. Turin, im Juli. Unser Glaubensgenosse, Eommendatore M a l v a n o, General - Staats - Sekretär im auswärtigen Ministerium, geht im Aufträge der Regierung in die Schweiz (nach Bern), um den Abschluß der Zollverhandlung zwischen Italien und der Schweiz, wahrscheinlich auch mit noch anderen Staaten, zu leiten. Es ist gewiß erfreulich, daß unsere Glaubensgenossen so hohe Stellungen in unserem Lande cinnehmcn. Griechenland. Korfu, 12. Juli. nnjr mjn nx jtn p?n „Einer soll dem Andern helfen und zu seinem Bruder sage man: fasse Muth." Es war ein großer Trost für uns, in den Unglückstagen, die kürzlich über unsere alte, ehrwürdige Gemeinde hereingebrochen, zu sehen, welche herzinnige Theilnahme unsere, in allen Welttheilen zerstreut lebenden Glaubensbrüder uns zuwandten und wie sie sich beeilten, ihr Schärflein zur Linderung unseres Elends beizutragen. Jetzt, wo nun die Ruhe bet uns wieder so ziemlich hergestellt ist und wir wieder wie gewöhnlich unserem Broderwerbe nachgehen können, müssen wir cs offen eingestehen, daß die Geldsendungen, die hier eingetroffen sind, unsere Erwartungen bedeutend übertroffen haben. Es sind nämlich hier circa siebzigtausend Francs eingelaufen, so daß man zahlreichen Familien, die sich schon für immer zum Bettelstäbe vcrurtheilt wähnten, von Neuem eine Existenz begründen konnte. Zahlreichen Familien wurden auch die von dem fanatisirten Pöbel zertrümmerten Möbel und Hausgeräthe und die zerrissenen Kleidungs-, Wäschennd Bettstücke neu ersetzt, so daß sie wieder ordentlich gekleidet gehen nnd eine erträgliche Schlafstätte haben. Da aber die reichen Juden fast alle von hier geflüchtet sind, so müssen nun die zurückgebliebenen Armen für die Erhaltung der Gemeinde und ihrer Institutionen sorgen. So viel aber steht jetzt schon fest, daß wir unseren hochverehrten Oberrabbiner, der uns durch seine Treue, die er uns während der vergangenen Unglückszeit bewiesen, noch theuerer geworden ist, keinesfalls von uns ziehen lassen werden, auch werden wir die beiden großen Synagogen noch weiter in ihrem Glanze erhalten. Dagegen werden sich sämmtliche Gemeindebeamten für das laufende Jahr wenigstens eine Gehaltverringernng gefallen müssen lassen. Auch werden die Lehrkräfte an unserer Talmud-Thoraschule, die ohnedies jetzt einen beträchtlichen Theil ihrer Schüler und Schülerinnen verloren hat, rcducirt werden. Kommenden Freitag finden hier die Stadtrathswahlen statt, denen wir jetzt schon mit Angst und Bangen entgegensetzen, da wir fürchten, daß der niedere Pöbel diese Gelegenheit abermals dazu benützen werde, um sein Müthchen an den Juden zu kühlen. Unser erlauchtes Kronprinzenpaar, das nächster Tage ans Deutschland wieder in seiner Heimath eimrifft, wird, wie wir hören, auf der Rückfahrt nicht hier landen, da es nicht die Verwüstungen ansehen will, die ein blinder Fanatismus hier angerichict. Dasselbe wird daher über Patras nach Athen zurnckkehren. Die „N. Fr. Pr." erhält ans Corfu, 1. Juli, einen längeren Bericht über die Ausschreitungen gegen die Juden und über die gegenwärtige Lage. Wir entnehmen demselben das Folgende: Es wurde schon erwähnt, daß die griechische Regierung in Athen über die Ausdehnung und Gefährlichkeit der Bewegung nicht genügend informirt worden war. Die hiesigen Consular-Vertreter hatten bald nach Beginn der Unruhen eine gemeinsame Besprechung gehalten und über die Vorgänge ihren Gesandschaften in Athen Bericht erstattet. Ob eine diplomatische Intervention bei der griechischen Regierung eingeleitel wurde, ist hier nicht bekannt. Gewiß aber ist, daß die bald darauf verfügte Entsendung von je einem englischen, französischen und italienischen Kriegsschiffe nach dem Hafen von Corfu eine Folge der Consularberichte war. Es sei übrigens erwähnt, daß von sämmtlichen hier ansässigen jüdischen Familien die Angehörigen von nur 7 bis 8 englische, von 7 italienische, von 2 französische und von einer österreichisch-ungarische Untcrthanen sind. Etwa zwanzig Familien stehen unter türkischem Schutze, alle übrigen sind griechische Untcrthanen. Nachdem der Ausstand der Christen gegen ihre jüdischen Mitbürger durch ungefähr drei Wochen in Hellen Flammen gelodert hatte, soll der hiesige Staatsanwalt Bensi, ohne hierzu autorisirt gewesen zu sein, einen eingehenden ehrlich verfaßten Bericht über die schrecklichen Vorgänge in der Jnselstadt der griechischen Regierung in Athen eingesendct hab^en. Erst auf diesen Bericht hin soll die Abberufung des Präfekten Vlakos, welcher sich der Bewegung gegenüber als viel zu schwach erwies, erfolgt sein. Aber es war dies auch Alles, was die Regierung bis dahin zur Bekämpfung des Ausstandes unternahm. Erst nach fünf Wochen, und zwar auf die Nachricht, daß am 18. Mai zwei Juden auf offner Straße ermordet worden seien, und wahrscheinlich auch auf neuerliche Vorstellungen fand sich die Regierung veranlaßt, zur Wiederherstellung geordneter Verhältnisse eine militärische Macht nach Corfu zu entsenden. Am 16. Mai trafen 300 Mann regulärer Infanterie unter Commando des Majors Notara, eines überaus energischen Offiziers, hier ein und mit diesem auch der neue Präfect Buklava. Die neuen Machthaber sollen^nit weitgehenden Vollmachten ausgestattet worden sein. Noch am selben Tage wurde in einer Proclamation die christliche Bevölkerung unter Androhung der strengsten Strafen zur Ruhe aufgefordert und die Juden