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Der Israelit · 1891-07-20 · Heft 57 (20.7.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 57 (20.7.1891)
Date
1891-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1054 wir Juden dem Gesagten noch etwas hinzuzufügen? Ganz gewiß nicht. Auch wir wissen ein Stücklcin zu erzählen von den „Grundsätzen historischer Gerechtigkeit" des preußischen Hofhistoriographen. Bscll. Dresden, 11. Juli. Die „Köln. Ztg." erklärt entgegen der Meldung der Petersburger Blätter bezüglich der Absichten Whites, es handele sich keineswegs um ein Fortlocken der Juden aus Rußland, sondern um Errichtung eines besonderen ComitäS seitens der russischen Regierung, welches gemeinsam mit den Bevollmächtigten des Baron Hirsch die Uebersiedlung rußlandsmüder Inden in überseeische Kolonien zu leiten hätte. Altona. Die Annahmestelle von Kleidungsstücken jeglicher Art für die Armen aus Rußland Vertriebenen befindet sich Brciteftraße 44, Ecke Hochstraße. Die Roth der hier und in Hamburg ankommenden vertriebenen Juden ist eine große; wer je Gelegenheit hatte, die Unglücklichen in ihrer zerlumpten Kleidung zu sehen, wird dies vollauf bestätigt finden. Gewünscht werden namentlich Frauen- und Männer- Unterwäsche in Leinen und Wolle, Stiefel, Hüte und besonders Knaben-Anzüge, sowie Mädchen- Kleidchen. Königsberg i. Pr., 15. Juli. Wir erhalten folgende Zuschrift: Infolge Abwesenheit von hier, lese ich erst heute die Frankfurter Correspoudenz vom 7. er. in Nummer 54 Ihres gesch. Bl. und bitte Sie demgegenüber den folgenden Zeilen Aufnahme zu gewähren. Die mir gespendete Anerkennung für meine Thätigkeit zu Gunsten der emigrirendcn russischen Israeliten muß ich zurückwcisen, da ich deren Sache bisher nur meine platonische Thcilnahme zu widmen in der Lage war, während Leiter und Seele der ganzen großen Hilfsaktion und deren bcwundernswerthen Organisation über die ganze Provinz nur Herr Rabbiner Dr. Bamberger hier ist, dessen unermüdliche, aufopfernde, über Tag und Nacht sich erstreckende Arbeit und hingebungsvollen Eifer durch das größte Lob nicht geschildert werden kann. Ebenso erstreckt sich die Fürsorge des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger ans die religiöse Seite der Angelegenheit, die in jeder Hinsicht ans das Rigoroseste gewahrt ist. Hier — dem Sitze des Hanptgrenzcomitö's — sowie bei den Grenzcomitv's an den Hauptübergangsstationen von Rußland sind zahlreiche Commissionen für alle Zweige des Verpflegungs- und Beförderungs-Dienstes eingesetzt, so daß die ganze Organisation vortrefflich functionirt. Ich bedauere, daß die auf Vorstehendes bezüglichen Aeußerungen meines Briefes an die Frankfurter Herren neben den unerwünschter Weise ausgezogcnen Sätzen nicht mit zur Veröffentlichung gekommen sind. George Marx. (Wir bedauern, daß durch die Korrespondenz aus Frankfurt ein nicht für die Oeffentlichkeit bestimmtes Schreiben zum Abdruck gelangte. Wir möchten jedoch an den Einsender berfelbeu die Anfrage richten, ob nun endlich auch in Berlin das Bureau des Central-Comittzs am mp nap geschloffen ist, oder ob, wie uns vor Kurzem noch zuverlässig berichtet wurde, in diesem jüdischen Bureau für jüdische Angelegenheiten an p"& wie an Werktagen noch immer gearbeitet wird. Es soll uns herzlichst freuen, auch in dieser Hinsicht einen völlig beruhigenden Bescheid zu erhalten. Red.) Ulm, 13. Juli. Bei dem hiesigen Comite für die aus Rußland Ausgewiesenen meldete sich dieser Tage auch ein aus Samara bei Kasan mit seiner Familie vertriebener cvangelischer Lehrer, der sich unter großen Entbehrungen bis IIfm durchgeschlagen hatte. Zwei seiner Kinder waren unterwegs den Strapatzen erlegen. Da seine Angaben über barbarische Behandlung von Seiten der russischen Behörden durch Konsulatszeugnisse bestätigt wurden, sorgte das Comit« für seine Weiterbeförderung in die Schweiz, wo er Aussicht auf eine Anstellung hat. O e st c r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. Bor einem Jahre schon hat der Justizminifter einen Gerichtsadjunctcn mosaischer Confcssion zum Rathssccretär ernannt. Es war dies der erste Fall, daß ein Jude im Justizdieuft den „goldenen Kragen" erhielt, denn ein solches Wagniß getrauten sich nicht einmal Herbst und Glaser zu unternehmen. Und nun hat Graf Schönboru abermals einen Inden, Herrn Nathan Prochaska, zum Nathssecretär, ferner nicht weniger als vier Landesgerichts-Adjunktcu, welche ebenfalls dem jüdischen Glaubensbekenntnisse angchören, ernannt. Man sieht, daß wir einen wirklichen Minister der Justiz, d. i. der Gerechtigkeit haben, der sich nicht damit begnügt, daß die Staatsgrundgesetze die öffentlichen Aemter allen Staatsbürgern ohne Unterschied der Confession oder Nation aus dem Papiere zugänglich machen, sondern der auch nach diesem Grundsätze handelt. Graf Schönborn ist nichtsdestoweniger ein überzeugungstrcuer und eifriger Katholik, an dem sich jene, welche den Namen des Christcnthums eitel zu nennen lieben, ein Beispiel nehmen, und von dem sie lernen können , daß Christenthum und Freisinn sich gar wohl Vereinen lassen. Gaftein. Der treue Freund und Wohlthäter unseres Curortes, Herr Baron Moriz v. Königswarter, hat dem hier weilenden Statthalter von Salzburg, Herrn Grafen Sigismund Thun, den

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