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Der Israelit · 1891-07-20 · Heft 57 (20.7.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 57 (20.7.1891)
Date
1891-07-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1053 hatte, ist er offenbar dem Fanatismus der Juden zum Opfer gefallen." Hierzu erhält nun die „Krz.- Ztg." folgendes Privat-Telegramm: Konstantinopel, 14. Juli. Die Leitung des Mordprozesses von Mustapha Pascha ist dem Militär-Gouverneur General-Lieutenant Mehmet Muhli übertragen worden. Bis jetzt sind fünf jüdische Schlächter und zwei von deren christlichen Gcsellen, ferner vier jüdische Knltusbeamten als des Mordes verdächtig verhaftet worden. Die Stadt ist militärisch stark besetzt, jede Ansammlung in den Straßen ist streng untersagt." Nach der „Konftaniinopolis" vom 11. Juli soll ein christlicher Geselle des Schlächters David, Namens Gianui, ein umfassendes Geständnis; abgelegt haben. Er habe erklärt, daß er beauftragt worden sei, den Fleischer Stephanos in das Haus des David zu rufen, und daß dann sofort sechs Juden über diesen herfielen und ihn niederstachen. Er (Giauni) habe dann die Leiche, nachdem sie in einen Sack eingenäht war, nach dem Fluß schaffen müssen, wofür man ihm fünf Pfund bezahlte. Vier Tage lang seien ununterbrochen Haussuchungen in dem jüdischen Viertel unter der Führung des Artillerie- Lieutenants Sheriff Effeudi vorgenommen worden. Wenn sich die Sache wirklich so verhält, wie sie hier dargeftellt wird, dann handelt es sich eben um einen gewöhnlichen Mord, was auch die „Kreuz- Zeitung" einsehen würde, wenn sie nicht durch ihren lächerlichen Judenhaß so verblendet wäre. Es gibt eben keine „Nitnalmorde" und die türkischen Behörden werden sich hoffentlich beeilen, durch eine Klarstellung der Thatsachen das unsinnige Gerücht in der von den Judenhetzern aufgeregten Bevölkerung wirkungslos zu machen. Vom Rhein. In Nr. 8 der „Gegenwart" wird in einem Artikel „Zur Geschichte der deutschen Wrfassungsfrage" von Georg Winter eine Kritik des Historikers T r e i t s ch k e und seiner Methode zu arbeiten, gegeben, die auch die Lesers Ihres gesch. Blattes interessiren dürste. In diesem Artikel wird dargelegt, daß, wie Profissor Wilhelm Adolf Schmidt itt seiner „Geschichte der deutschen Verfassungssrage" u. s. w. in erschöpfender und überzeugender Weise nachgewiesen hat, Treitschke „auf Grund verschuldeter und unverschuldeter Jrrthümcr in einer ganzen Reihe von Einzelfragen nicht nur, sondern in der entscheidenden Werthbeurtheilung des Antheils, welchen Stein und die preußischen Staatsmänner an dem deutschen Verfassungswerk genommen haben, zu nicht selten völlig verfehlten Resultaten gekommen ist." Und zwar ist er zu solchen unrichtigen Resultaten gelangt durch seine mangelhafte methodische Behandlung der Quellen, indem er nämlich Stellen aus sehr verschiedenartigen Quellen, z. B. systematischen Denkschrift en und vertraulichen Briefen zu einer zusammenhängnden Darstellung verwerthet. „Das heißt doch", bemerkt Winter, „thatsächlich den Quellen Gewalt anthun, selbst wenn jede einze lneStelle wirklich übereinstimmend mit derQuelle wiedergegeben und nicht noch durch hinzugefügte subjective Urtheile abgeändert erscheint." Letzteres ist thatsächlich oft der Fall: Treitfchkes Werke sind nicht frei von einer stark subjektiven Färbung. „Die Art, wie er die Quellen verwerthet", schreibt Winter, „entspricht nicht immer den Grundsätzen historischer Kritik und Gerechtigkeit. Seine politische Weltanschauung wirkt stets nicht blos auf seine historische Darstellung, sondern auch auf die Quellenforschung zurück. Er liebt es in erster Linie diejenigen Quellen zu benutzen, welche für seine im wesentlichen von vornherein feststehende Auffassung sprechen, aus ihnen zahlreiche Stellen zu cittren, dagegen andere Quellen, welche zu einer andern Auffassung dienen würden, meist wohl unbewußt zu ignoriren, ja, er lieft von dieser seiner Anschauung aus oft Dinge in die Quellen hinein, welche gar nicht in denselben enthalten sind. Die Empfindung überwältigt bei ihm wider Willen nicht selten die ruhig abwägende Kritik. Darum wird er oft ungerecht in der BeurtHeilung der Ereignisse und der en Pe rsonen, welche deren Träger gewesen sind. „Es fällt ihm schwer, sich in den Standpunkt des Gegners hineinzttdenken und denselben aus seinen eigenen Motiven heraus zu beurtheilen. In allen diesen Dingen bildet er den schroffen Gegensatz zu dem Altmeister Ranke, dessen höchstes Streben stets das nach möglichster vollständiger Objectivität gewesen ist." Am Schluffe des Artikels wird gesagt, daß das Schmidt'sche Werk es unwiderleglich dargethan habe, daß Treitfchkes „deutsche Geschichte" trotz ihrer glänzenden Vorzüge doch im einzelnen, ja oft auch in entscheidenden Grundfragen einer nmfassenden Revision bedürfe. „Wir erlauben uns", schreibt ein sehr hervorragendes, pädagogisches Blatt, „diesem Urtheil nur die Frage hinzuzufügen: sollte es nicht zweckmäßig sein, daß Herr v. Treitschke diese Revision auch ans seine Anschauung des modernen Lebens ausdehnt? Auch hier dürfte es „den Grundsätzen historischer Gerechtigkeit" entsprechen, die Quellen zu studiren, bevor man über Thatsachen und Personen oder gar über deren Werth und die Lebensarbeit eines ganzen Standes sein Urtheil abgibt." Haben

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